Münchner, Musikkabarettist und 30 Jahre alt – das ist Peter Fischer, der am Freitag im Crailsheimer Ratssaal auf Einladung von Kultic mit seinem Programm „Zweitastengesellschaft“ zu Gast war. Etwa 60 Kabarettfreunde wollten ein neues Gesicht der Szene sehen.

Ein großartiger Stimmungsmacher ist Peter Fischer nicht, das gestand er dem Publikum auch mit Seitenhieb auf Kollegen mit billigen Veganerwitzen ein. In Crailsheim gelang es ihm in der ersten Hälfte seines Programms nur bedingt, wirklich zu fesseln. Zumeist waren es dann die musikalischen und tatsächlich auch etwas pointierteren Vorträge wie das Lied über „Annegret“, die erste Wahl wäre, wenn es Hannah nicht gäbe oder nicht mehr gibt.

Schnelle Sprünge 

Dass der Funke nicht überspringen wollte, lag vielleicht auch an der Menge der Dinge, die Peter Fischer in seinem Programm in kurzer Zeit unterbringen will. Ähnlich wie etwa ein Max Uthoff konfrontiert Fischer sein Publikum mit dem Irrsinn der heutigen Zeit. Den kann man durchaus als Irrwitz wirken lassen. Dafür muss man sich aber Zeit lassen.

Peter Fischer neigt aber mehr zu derart schnellen Sprüngen innerhalb weniger Sätze, dass man sich am Ende fragt, womit eigentlich das Ganze angefangen hatte. So verpufft der Inhalt so schnell, wie er gestreift wurde.

Bietigheim-Bissingen

Ab und zu gelang eine Pointe wie zum Thema Klavierunterricht und der Sache mit der C-Dur-Tonleiter, in der ja schon die CDU drin sei. Die Tonleiter werde aber nur auf weißen Tasten gespielt, und die CDU-Leute seien doch eigentlich die Schwarzen. Von da gelangt Peter Fischer dann zum Amoklauf von München, und wie er ihn erlebt hatte. Fischer nimmt noch den Hashtag „offenetür“ mit – warum auch immer – und stimmt sein Lied „Sicher“ an. Das handelt von Angst, und Menschen, die Angst hätten. Die würden die verrücktesten Dinge tun: zum Beispiel die AfD wählen. Der schön überspitzte Vergleich, dass dies der Verwendung einer Klo- statt einer Zahnbürste gleichkomme, und dass dann hinterher alles braun sei, verfing nicht richtig.

„Ich habe die ganzen frustrierenden Sachen in die erste Hälfte gesteckt“, sagte Peter Fischer. Das sollte wohl ein wenig darüber hinwegtrösten. Und tatsächlich gelang es dem jungen, mit einigen Preisen ausgezeichneten Kabarettisten in der zweiten Hälfte, das Publikum mehr mitzunehmen. Er ließ seine Zuhörer zu Mitstreitern werden.

Mit Bach im Bund

Nach der „Schmerzgrenze“ im ersten Teil, in denen wesentliche Probleme wie die zwischen Frauen und Männern, zwischen Konservativen und Progressiven und zwischen Jungen und Älteren abgehandelt wurden, war das überhaupt nicht mehr so schwierig. Fischer widmete sich seinem Lieblingsthema, der Musik. Vorweg stellte er eine These auf: „Das große Geld fließt nicht so den Weg der komplexen Harmonie.“ Deshalb habe er sich Johann Sebastian Bach zum Vorbild erkoren. Der sei ein erstklassiger Marketingstratege gewesen, weil er es verstanden habe, seinen Namen in vielen Stücke unterzubringen.

„Bach wusste, dass ich komme, und hat mich ‚prähum‘ zu seinem Nachfolger ernannt“, stellte Fischer in den Raum und ließ aus seinem Namen auch eine Tonfolge werden: „B-E-D-A Fis-C-H-A“. Der wird im Lied mit Vanessa Bader verbandelt, wofür Fischer das Publikum als Mitsinghilfe einspannte. Nach dem Lied über Peinlichkeit verbreitete Fischer „Pure Ironie“: Springerstiefel aus China für den Neonazi und ein E-Auto, das den Umweltaktivisten überrollt, wurden mit einem seligen Melodieren auf „U“ vom Publikum weggesungen.

Dem Geständnis „Ich liebe Jazz“, weil man da Fehler einfach wegspielen könne, folgte noch als Zugabe „ein Lied zum Lachen, also über Religion“. Denn früher sei er als Jugendleiter in der evangelischen Jugend tätig gewesen. Jesus solle den Menschen nicht die Wange, sondern lieber den Spiegel hinhalten.