Pfarrer Gerhard Heck wird am Sonntag in Herrentierbach in den Ruhestand verabschiedet. Damit schließt sich für ihn ein Kreis, denn vor 37 Jahren trat er dort als Vikar seine erste Stelle an. Dort wurde er zwei Jahre später auch ordiniert. „Wenn sich Kreise schließen, das mag ich“, sagt Gerhard Heck, gebürtiger Crailsheimer, der im Ruhestand mit Frau und Sohn ins elterliche Haus in Crailsheim ziehen wird.

Auch hier schließt sich für ihn ein Kreis, denn Heck stammt aus einer Ur-Crailsheimer Familie. In der City kennt er die alten Hausnamen und Straßenbezeichnungen. „Meine Großväter, Löw und Heck, waren bei der Feuerwehr. Deshalb hat es fast schon historische Gründe, dass auch ich bei der Crailsheimer Feuerwehr bin.“ Allerdings ist er dort kein aktiver Feuerwehrmann. „Dazu bin ich technisch nicht begabt genug.“ Heck ist bei der Feuerwehr als Notfallseelsorger eingesetzt. Die Aufgabe hat er übertragen bekommen, als er in den 1990er-Jahren Pfarrer in Rechenberg war. „Die Feuerwehr liegt mir am Herzen, die Notfallseelsorge ebenfalls.“

Markgröningen

Gerhard Heck liebt die Landwirtschaft

Als Pfarrer Heck 2002 von Rechenberg in die Gemeinden Herrentierbach und Billingsbach zurückwechselte, übernahm er im Dekanat Blaufelden die Koordination der Notfallseelsorger. Jemandem in einer schwierigen Situation im Wortsinn beizustehen, sei eine der wichtigsten Aufgaben eines Pfarrers, sagt er. Denn die Tränen anderer auszuhalten, sei nicht leicht. „Deshalb ist die Begleitung vielleicht sogar viel wichtiger als die Beantwortung von Fragen.“ Denn einfache Antworten gibt es angesichts schwerer Unfälle oder tragischer Todesfälle nicht. Das hat er am eigenen Leib erlebt, als er einen Sohn verlor.

Seinen Weg ins Pfarramt fand Heck nicht übers Jugendwerk wie viele andere. „Ich hab in der Johanneskirche als Jugendlicher die Urlaubsvertretung für den Mesner gemacht“, erinnert er sich. Seine Eltern lebten den Glauben, der Vater besuchte Bibelstunden. Er selbst war allerdings kein Stundengänger, wobei ihm Bibelkreise bis heute wichtig sind.

Und auch wenn sein Konfirmationspfarrer ihm den Pfarrberuf empfahl, wollte Heck, der zuerst auf die Hauptschule, dann auf die Realschule und schließlich aufs neu gegründete Wirtschaftsgymnasium ging, erst einmal Gärtner oder Landschaftspfleger werden. Denn in der Natur arbeiten, das Pflegen und Hegen sind seine Leidenschaft, und die hat ihn sein Leben lang nicht verlassen: „Die Landwirtschaft ist mein Hobby“, sagt er. Deshalb habe er sich als Pfarrer auch immer auf kleine Pfarrstellen auf dem Land beworben – es waren Münklingen (Dekanat Leonberg), Gammesfeld, Rechenberg und zuletzt Billingsbach-Herrentierbach.

Es wird nicht zwangsläufig die letzte Predigt des Pfarrers sein

Die Liebe zur Landwirtschaft hat er von den Großeltern geerbt, die in Crailsheim einen kleinen Bauernhof im Nebenerwerb betrieben. „Ich bin schon mit dem Kuhgespann gefahren. Ich weiß genau, wie das geht.“ Allerdings weiß er auch, wie hart das Leben als Kleinbauer war. „Meine Großeltern hatten nichts und konnten sich nichts leisten.“ Dennoch freut er sich im Ruhestand auf seine Obstwiese, auf sein „Baumland“ an der Jagst. Neben seinem Elternhaus steht noch immer die landwirtschaftliche Scheune, in der der Schlepper steht. „Und das wird auch so bleiben.“

Wenn Heck am Sonntag nun seine letzte Predigt in Herrentierbach halten wird – über ein aktuelles Thema, nämlich über den römischen Soldaten Cornelius und den Umgang mit Andersgläubigen und Fremden – dann wird das nicht zwangsläufig seine letzte Predigt überhaupt sein, die er hält. Denn ein Pfarrer bleibt Pfarrer sein Leben lang. Deshalb predigen auch Ruhestandspfarrer immer wieder. „Ich darf jetzt allerdings auch mal Nein sagen. Das ist der Unterschied.“

Das Dekanat teilt die Dienste ein, erklärt er, und mal einen Gottesdienst in der Johanneskirche leiten: „Das wäre was.“ Denn immerhin ist die Johanneskirche die Kirche, in die er zur Kinderkirche ging, konfirmiert wurde und als Mesner arbeitete. Und die Predigt in der Johanneskirche: Das wäre wieder so ein Kreis, der sich schließt.

Info


Gerhard Heck wird am Sonntag, 26. Januar, im Gottesdienst um 9.30 Uhr in Herrentierbach verabschiedet.