Als das letzte Mal ein Gast aus Frankreich in offizieller Mission Crailsheimer Erde schaufelte, war das der erste Spatenstich für den Pamiersring. Damals war es Gaston Bareilles, der mit einem Akt des Aufbaus daran erinnerte, dass die Zeit des Krieges und der Zerstörung vorbei war, dass die beiden Städte Pamiers und Crailsheim in fünf Jahren Städtepartnerschaft nicht nur auf dem Papier zueinander gefunden hatten.

Gestern nun, zum 50-jährigen Bestehen, griff Pamiers’ stellvertretende Bürgermeisterin Francoise Pancaldi mit nicht weniger symbolträchtiger Geste zum Spaten und pflanzte am Modellboot­see eine Ulme, Wappenbaum ihrer Stadt. Das war der krönende Abschluss einer dreitägigen Jubiläumsfeier. Wer befürchtet hatte, die deutsch-französische Freundschaft könnte über dem Kuwo-Trubel zu kurz kommen, sah sich eines Besseren belehrt; rund 60 Gäste aus Pamiers genossen die zur Riesenbühne mutierte, lachende und feiernde Stadt aus vollen Zügen.

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Krachender Empfang

Unter Kommandant Jürgen Rosenäcker trat die Bürgerwache am Freitag in voller Montur zur Ehrenformation an, die von Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und Francoise Pancaldi abgenommen und mit einem ohrenbetäubenden Ehrensalut abgeschlossen wurde. Im Ratssaal gab es Musik und Reden, Gelächter, Geschenke und vor allem die Erinnerung an zahllose schöne, gemeinsame Momente. Immer wieder neu belachte Anekdoten über kulturelle Unterschiede, Freundschaften, denen 1200 Kilometer Distanz nichts anhaben können: Das ist der Motor einer Städtepartnerschaft.

Völkerverständigung

Am Festabend bewirtete die fränkische Familie, Ann-Sophie Leibl und die Continental Big Band aus Pamiers musizierten. OB Grimmer, der vor vier Wochen in Pamiers eine Eiche gepflanzt hatte, bedankte sich bei den Partnerschaftsvereinen. Ohne die Menschen in Palmiers und Crailsheim hätte sich die Freundschaft der beiden Städte nicht zu dem entfalten können, was sie heute sei: „Eine Freundschaft zweier Länder, die sich ehemals im Krieg als Feinde gegenüberstanden“, eine Freundschaft, die über Jahrzehnte hinweg gewachsen und in langanhaltenden Beziehungen verwurzelt sei. Die vor 50 Jahren geschlossenen Verträge seien mehr als ein schriftliches Bekenntnis zur Völkerverständigung, sie seien „Beginn und Basis von Freundschaft und Frieden zwischen zwei großen Nationen innerhalb eines geeinten Europa“.

Längst erzähle die zweite Generation von ihren Erlebnissen im anderen Land, die dritte Generation sitze bereits mit am Tisch. Das müsse erhalten werden. Mit der Musik als Brückenbauer und dem Austausch auf schulischer, sportlicher und Vereinsebene bleibe die Freundschaft lebendig.

Frieden in Europa

Francoise Pancaldi ging auf die Bedeutung von Städtepartnerschaften ein. Die daraus resultierende Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland sei eine tragende Säule der Europäischen Union: „Wir sind es, die diese Partnerschaft erhalten und damit die Zukunft unserer Kinder. Wir alle sind verantwortlich, diese Verbundenheit zu halten und zu stärken, über die Generationen hinweg.“ Die dunklen Momente der Beziehung zwischen den beiden Ländern klangen an diesem Abend an, die Deportationen und der Widerstand, um nur noch nachdrücklicher auf die Bedeutung eines friedlichen und geeinten Europa hinzuweisen.

Emotionale Momente

Dirk Beyermann, Vorsitzender des Pamiers-Komitees, und Dominique Lafont, seine französische Kollegin, gingen vor allem auf die persönlichen Verbindungen ein, die entstanden sind. Lafont sprach von „tausend Bildern“, die sie im Kopf habe, Bilder von Jugendlichen etwa, die vor dem Bus weinen. Beim Austausch von Geschenken überreichten die französischen Gäste nicht nur dem Stadtoberhaupt Geschenke, sondern auch Franz Kasimir und Else Hinterkopf, die sich seit vielen Jahren stark machen für diese Freundschaft.

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