Eine Ladeneröffnung in Zeiten von Corona ist eine kuriose Sache. Wo sonst die Massen eine neue Einkaufsgelegenheit stürmen und Aktionen die zukünftigen Kunden anziehen, ist es jetzt nur wenigen Personen auf einmal erlaubt, die neuen Räume zu betreten, um die Ware zu begutachten.

So war es auch am vergangenen Freitag, als um 14 Uhr die Türe geöffnet wurde, um die ersten Kunden ins Umweltkaufhaus eintreten zu lassen. Nur mit Maske und streng abgezählt ließ Jonathan Gdyria die Leute in die Halle. Der Vorteil: Die Kunden konnten sich ohne Gedränge und in Ruhe umschauen, was das Umweltkaufhaus so zu bieten hat. Und das ist eine Menge.
Seit dem Artikel im HT gab es einen unglaublichen Hype in Form von Warenspenden, Zuspruch und Unterstützung”, freut sich Daniela Gröger, die am Eröffnungstag ihre Nervosität nicht verbergen konnte.
Im Januar ist die Idee zu dem Kaufhaus entstanden, und nachdem feststand, dass der ehemalige Stöbermarkt am Alten Postweg genutzt werden kann, kam schnell Leben in die Sache. Viel Arbeit steckt hinter dem sauber hergerichteten Verkaufsraum, in dem die Ware ansprechend präsentiert wird. Viele von den Regalen und Kleiderständern sind von den Ini­tiatoren selbst gebaut und alles ist gut gefüllt. „Ich habe nirgends Schrott oder Müll raus“, lobt Daniela Gröger die Spenden, die sie bisher angenommen hat.

Sortiment im Umweltkaufhaus ändert sich ständig

Doch nicht nur hinter der Präsentation der Ware steckt ein Anspruch, sondern das gesamte Konzept des Kaufhauses ist von den Initiatoren gründlich durchdacht. „Hier soll jeder in Würde einkaufen können. Ich mag die Grenze zwischen Arm und Reich nicht, die oft nur durch fünf oder zehn Euro mehr oder weniger gezogen wird“, sagt Gröger entschieden. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, am Existenzminimum zu leben und wie die ständige Geldknappheit mit dem Selbstwertgefühl und dem Selbstbewusstsein den Menschen verändert.
„Das ist eine eigene Welt, in der man seine materiellen Defizite ständig wahrnimmt, und das macht diese Welt düster und depressiv”, sagt sie heute, da es ihr finanziell besser geht. Gerade weil sie diese Erfahrung gemacht hat, ist es ihr wichtig, mit dem Umweltkaufhaus nicht nur Gewinn zu erwirtschaften, sondern Überschuss als Spende an andere weiterzugeben, die es noch nötiger haben.
„Das ist das ganz hehre Ziel, dass irgendwann etwas übrig bleibt und wir es weitergeben können. Für diese Ideologie arbeiten wir”, betont Gröger. Deshalb sind die Preise im Kaufhaus auch nicht verhandelbar, sondern fest. In jeden Betrag ist die potenzielle Spende eingeplant.
Günstig sind die Waren dennoch. So stapeln sich in den Regalen Bettwäsche, Tischtücher und Stoffe, auf den Kleiderstangen gibt es jede Menge gut erhaltene Mode, und auf den Standregalen kann man sich einen kompletten Haushalt zusammenstellen, inklusive Kochbücher. Die Elektrogeräte gibt es dank einer Kooperation mit dem Gebrauchtwarenhandel Frenkel-Export.
An diesem Freitag ist es ein stetes Tröpfeln von neugieriger Kundschaft, und fast jeder nimmt etwas mit. Der Blick ins Kaufhaus lohnt übrigens immer, denn das Sortiment ändert sich ständig. Spenden sind immer willkommen. Nur eine Sache wünscht sich das Team noch – das Kaufhaus hat noch kein Schild, das es als solches ausweist. Doch Gröger ist zuversichtlich: „Das kommt dann halt als Nächstes.“
Zunkunft des Nahverkehrs im Landkreis Besseres Netz von Bussen und Bahnen

Kreis Ludwigsburg

Info


Das Umweltkaufhaus am Alten Postweg hat donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.