Eine Stunde laufen – das war die Aufgabe, die die Gruppe der Hobbyläufer und Wiedereinsteiger in der vergangenen Trainingswoche im Lauf-geht’s-Programm zu erfüllen hatte. Für viele der sogenannten „Cappuccinos“, die irgendwo zwischen den „Latte Macchiatos“, den Laufanfängern, und den „Espressos“, den geübten Läufern, rangieren, war es die längste Zeit, die sie jemals laufend zurückgelegt haben. Vor gerade einmal sechs Wochen waren sie mit zweimal 15 Minuten gestartet.

„Die Steigerung ist enorm, aber ich muss sagen: Heute lief es richtig gut bei mir. Ich glaube ich hätte noch weiter laufen können“, sagt Peter Dietz (65) aus Wallhausen und strahlt. „Das lag bestimmt daran, dass wir uns so gut unterhalten haben.“ Unterwegs im Schönebürgwald hat sich der Altbürgermeister von Wallhausen und Geschäftsführer und Mitinhaber des DS Seniorendiensts mit Werner Linke (74), Rentner aus Crailsheim, der inzwischen in Ilshofen lebt, angefreundet. „Wir sind das gleiche Tempo gelaufen und hatten auch die gleiche Wellenlänge. Das hat einfach gepasst“, bestätigt Linke, der der älteste Teilnehmer der Aktion Lauf geht’s in Crailsheim ist.

Alle Daten im Blick

Im Ziel im Schönebürgstadion angekommen, werden erst einmal die Pulsuhren verglichen: Stimmen die Kilometerangaben überein? Werner Linke ist schon während des Laufs über sämtliche Daten bestens informiert, denn seine Uhr teilt ihm zu jedem vollen Kilometer die aktuelle Geschwindigkeit, den Streckenverlauf und seine Herzfrequenz mit. „Ich habe mich schon gewundert, wer da spricht“, sagt Peter Dietz lachend.

Dietz und Linke trainieren zusammen mit den übrigen 130 Lauf-geht’s-Teilnehmern in Crailsheim für den Halbmarathon beim Einsteinmarathon in Ulm Ende September. Beide sind zuvor schon einen Halbmarathon gelaufen und wissen, was es bedeutet, 21 Kilometer zurückzulegen.

Werner Linke hat eine lange Laufbiografie. Mit den Leichtathleten des TSV Crailsheim war er insgesamt fünf Mal württembergischer Landesmeister, er war viele Jahre als Jugendfußballtrainer aktiv und besitzt drei Übungsleiterlizenzen. „Meine Motivation, bei Lauf geht’s mitzumachen, ist, dass ich wieder fitter werden will. Das geht in der Gruppe leichter als allein“, sagt der 74-Jährige. Außerdem will er sein Gewicht etwas reduzieren: „Der Achter vorne muss weg.“

Crailsheim

Ein paar Kilos loswerden will auch Peter Dietz. „Ich bin gerade das Gegenteil von Werner Linke“, stellt der Wallhausener fest. „Ich laufe zwar schon mehr als 30 Jahre, aber viel langsamer und viel kürzer als er.“ 2002 ist Dietz im Englischen Garten in München einen Halbmarathon gelaufen. „Die Stimmung war super. Die Zuschauer haben uns Läufer beflügelt“, erinnert er sich. Nun freut er sich auf ein ähnliches Erlebnis am 29. September in Ulm.

„In meinem Beruf sehe ich, wie das Leben endet, wenn man sich nicht bewegt. Deshalb laufe ich“, sagt Dietz. Werner Linke nickt zustimmend und berichtet von einer Studie, in der errechnet wurde, dass der Tod 2,9 Stundenkilometer schnell läuft (siehe Infokasten). „Wer schneller unterwegs ist, läuft dem Tod davon. Das ist mein Ansporn.“

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Wer schneller geht, lebt länger


Wissenschaftler aus Sydney, Australien, haben 2012 eine Studie veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen der Schrittgeschwindigkeit und dem Sterberisiko älterer Menschen herstellt. Ihre These: Wer schneller geht, ist dem Tod einen Schritt voraus.
In der Studie wurden die Gehgeschwindigkeit und die Sterblichkeitsrate von 1705 über 70-jährigen Männern gemessen. Daraus ermittelten die Wissenschaftler, dass der Tod mit einer Geschwindigkeit von 2,9 Stundenkilometern voranschreite. Männer, die schneller als 3,2 Stundenkilometern ­liefen, zeigten im Vergleich zu langsameren Männern ein geringeres Risiko, ­innerhalb des Untersuchungszeitraums zu sterben. Alle Männer, die mit mindestens 4,8 Stunden­kilometern unterwegs waren, waren auch fünf Jahre nach den Messungen noch am Leben.

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Daher drängt sich als Fazit auf: Es ist wichtig, sich im Alter durch Bewegung fit und aktiv zu halten, um dem Tod davonzulaufen.