Stephen Brauer hat bereits am Mittwoch die „Verweigerungshaltung“ der Landesregierung scharf kritisiert, die Tatsache, dass zwei wichtige Crailsheimer Liegenschaften vom Land nicht freigegeben werden. Bei einem überhitzten Immobilienmarkt eine derart attraktive Innenstadtlage der kommunalen Nutzung zu entziehen, sei „grob fahrlässig“, so der FDP-Abgeordnete.

Das alte Gefängnis war für die Flüchtlings- und Obdachlosen­un­terbringung der Stadt eingeplant; an Stelle des Finanzamts sieht der Masterplan Östliche Innenstadt einen attraktiven Neubau und die Öffnung der Crailsheimer Innenstadt hin zum Volksfestplatz vor: Das alles ist hinfällig. Die städtebauliche Entwicklung Crailsheims werde dadurch nachhaltig eingebremst, so Brauer: „Ich werde als Crailsheimer Abgeordneter auf der parlamentarischen Ebene im Landtag nachhaken.“

Der Versuch der Stadtverwaltung, den Landesbetrieb Bau und Vermögen zum Einlenken zu bewegen, ist mittlerweile gescheitert. Der Gemeinderat gab sich am Mittwoch jedoch kämpferisch: Ohne Gegenwehr will das Gremium nicht hinnehmen, dass der jetzige Zustand auf Jahrzehnte hinaus zementiert werden soll.

„Unbefriedigende Situation“

Stadtrat Uwe Berger (CDU) wollte mehr als den Austausch von Briefen. Es sei „sinnvoll, auf andere Art vorzugehen, die politische Schiene zu nutzen, eine Resolution zu verabschieden“. Die Situation jetzt sei „sehr, sehr unbefriedigend“.

„Wir belassen es nicht bei diesem Austausch“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. Es habe mehrere Gespräche gegeben, auch Landrat Gerhard Bauer habe die Stadtverwaltung in Sachen Finanzamt in Stuttgart unterstützt. Die Mittel für die Sanierung seien nunmehr aber beschlossen, die Planung laufe: „Das ist so weit fortgeschritten, dass es nicht zu stoppen ist.“ Ob die Stadt weitere Schritte unternehme, müsse diskutiert werden.

Wolfgang Ansel (SPD) führte die schiere Dimension dieser jüngsten Entwicklung vor Augen: Es gehe um zwei Großstandorte und „echte Entwicklungsmöglichkeiten, die von der Landesregierung mit einem einzigen Federstrich ad absurdum geführt“ würden. Der Stadt würden „erhebliche Zukunftsperspektiven ge­raubt“. Auch Ansel schlug vor, „unter Zuhilfenahme aller, die helfen können“, in Stuttgart vorzusprechen. Stadtrat Norbert Berg (AWV) meinte ebenfalls, die Stadt dürfe das nicht einfach über sich ergehen lassen. „Beim Anbau des Finanzamtes muss auf alle Fälle etwas passieren.“

Stuttgart/Crailsheim

Crailsheim hat „noch keinen Schlachtplan“ gegen die Landesregierung

Bürgermeister Jörg Steuler erinnerte daran, dass die ablehnende Antwort aus Stuttgart erst am Dienstag im Rathaus eingetroffen sei: „Da haben wir am Tag danach noch keinen Schlachtplan.“ Die Stadt werde aber nicht untätig bleiben. Er verwies auf die im Vertrauen auf die Zusage des Landes erarbeiteten Planungen zur Justizvollzugsanstalt, die nicht realisiert werden könnten, wodurch Crailsheim in der Stadtentwicklung „erheblich gehemmt“ werde. „Wir überlegen jetzt, wie wir in diesem Bereich agieren.“

Sebastian Klunker (AWV) brachte die Möglichkeit der „Umlegung“ ins Spiel, sprich, er fragte, ob das Land zwangsenteignet werden könne. Daraufhin meinte Gerhard Neidlein (CDU), die Stadt dürfe nicht riskieren, Finanzamt und Justiz zu verlieren. Mehrfach wurde in der Sitzung auf die „zuständigen Abgeordneten“ verwiesen, die sich nun für die Stadt einsetzen sollten.

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