Die Polizei spricht zwar nicht von einer Serie, aber irgendwie ist es schwer vorstellbar, dass diese drei Straftaten in Crailsheim nichts miteinander zu tun haben: Innerhalb von 23 Tagen brennen im Stadtteil Kreuzberg drei Kinderwagen – alle in einem Umkreis von 100 Metern.

Los ging es am Freitag, 16. August, gegen 5.40 Uhr in einem Treppenhaus in der Johann-Sattler-Straße. Ein Bewohner konnte das Feuer rechtzeitig löschen. Am Dienstag, 27. August, brannte gegen 6.15 Uhr wieder ein Kinderwagen in einem Hausflur, diesmal in der Friedrich-Ebert-Straße. Die Feuerwehr Crailsheim war mit sieben Fahrzeugen und 41 Einsatzkräften zur Stelle.

Der bisher letzte Einsatz wegen eines brennenden Kinderwagens liegt erst ein paar Tage zurück: Samstag, 7. September, 4.45 Uhr, Konrad-Adenauer-Straße. In diesem Fall handelte es sich um einen Zwillingskinderwagen, der auf der Rückseite eines Gebäudes stand. Wegen seiner Größe passte er wohl nicht ins Treppenhaus. Und wenn er ins Treppenhaus gepasst hätte, hätten der oder die Täter, so genau weiß man das ja nicht, vermutlich gar nicht erst zugeschlagen. Denn: „Die Eingangstür muss um 22.00 Uhr abgeschlossen werden!!“, so steht es jedenfalls auf einem Schild.

Brennende Kinderwagen sind Gesprächsthema auf dem Kreuzberg

Vom Zwillingskinderwagen ist nur noch ein Metallgerippe übrig, vom Bobbycar, das oben drauf lag, pechschwarze Klumpen. Der Gesamtschaden liegt hier bei rund 15.000 Euro, weil die Fassade und ein Balkon extrem verrußt sind. Auf den Brand aufmerksam wurde ein Bewohner im ersten Stock. Bei ihm löste der Rauchmelder Alarm aus, dies aber nur, weil er das Fenster nach hinten geöffnet hatte. Die Feuerwehr rückte mit zwei Fahrzeugen und neun Einsatzkräften aus.

Gefahr für die Bewohner des Hauses bestand nicht, heißt es in einer der drei Polizeimeldungen. Bei der Feuerwehr sind sie froh, dass alles immer glimpflich ausgegangen ist. Dies hat auch mit aufmerksamen Bewohnern zu tun und damit, dass die Treppenhäuser aus Beton sind. Nach Recherchen unserer Zeitung wurde zudem kein Brandbeschleuniger verwendet.

Tatort Konrad-Adenauer-Straße in dieser Woche. „Das sieht echt übel aus“, sagt die Schwester der betroffenen Mutter und deutet auf die Kinderwagen-Reste. „Wer macht denn so was?“ Der Hausbesitzer ist damit einverstanden, dass das Foto den Weg in die Zeitung findet, „wenn es denn hilft“.

Tatort Johann-Sattler-Straße. Im Treppenhaus lehnt ein Laufrad mit Fahrradhelm an der Wand, innen hängt ein Schild: „Türe muss geschlossen werden!!“ Könnte sein, dass es schon länger da hängt. Aber der rote, nach außen sichtbare Aufkleber mit Kamera sei erst nach dem Brand angebracht worden, sagt eine Bewohnerin. Darauf steht: „Videoüberwachung. Dieses Objekt wird elektronisch überwacht.“

Die brennenden Kinderwagen auf dem Kreuzberg sind natürlich Gesprächsthema. Die Menschen machen sich Sorgen, stellen Fragen, suchen nach Antworten: „Können wir da nichts machen? Das ist schon der dritte Wagen“, „Was geht in so einem Menschen vor?“ Die Rede ist von irgendwelchen Jugendlichen, die herumstreunen. Es könnte auch jemand sein, sagen sie, der einen Hass auf Kinder hat. Oder jemand, der keine Kinder kriegen kann. Eine Frau, die mittendrin am Berliner Platz wohnt, würde es nicht wundern, wenn demnächst wieder ein Kinderwagen brennt, der Rhythmus sei ja zehn bis zwölf Tage.

Schild verkündet: „Wir lieben Kinder“

Der Tatort Friedrich-Ebert-Straße war schon einmal Tatort, das ist noch gar nicht so lange her, am Morgen des 9. März war das, ein Samstag. Schon damals ging es um Brandstiftung und um Kinder. Es brannte im Erdgeschoss eines privaten Kindergartens. Die Wohnungen über der Einrichtung wurden evakuiert. Sachschaden: mindestens 100.000 Euro.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kinderwagen und Kindergarten? Das Polizeipräsidium Aalen äußert sich aus ermittlungstaktischen Gründen generell nicht, nur so viel: „Die Kriminalpolizei Schwäbisch Hall hat die Ermittlungen aufgenommen.“

Heute, sechs Monate später, steht der Kindergarten in der Friedrich-Ebert-Straße noch leer. Der private Träger hat die Kinder woanders untergebracht, vereinzelt sind sie in städtischen Einrichtungen untergekommen. Sperrholzplatten ersetzen Eingangstür und zwei Fenster. Hinten stehen die meisten Fenster auf Kipp. Ein Schild am Eingang grüßt noch mit dem Satz „Wir lieben Kinder“. Das kann man nicht von allen behaupten.

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Info


Zeugenhinweise an die Polizei in Crailsheim, Telefon 0 79 51 / 48 00.