Eigentlich müssten dem jungen Mann die Ohren klingeln, so viel Lob gibt’s für ihn. Nik Hammer wehrt ab. Er mag es auch nicht, wenn von ehrenamtlicher Arbeit gesprochen wird: Dass er mindestens zweimal in der Woche im Vogelpark auf dem Kreckelberg aushilft, sei ein Hobby, und zwar eines, das ganz viel Freude mache. Kein Drehbuchautor würde sich trauen, einem jungen Sympathieträger solche Sätze ins Skript zu schreiben: Wer ist schon so gut gelaunt, so fröhlich, so nett. Das eigentlich Erstaunliche ist, dass sie dem 19-Jährigen abgenommen werden. Er kommt genauso rüber, wie er redet.

Die Waldorfschule hat er ­abgeschlossen, jetzt freut er sich auf die Ausbildung zum Pflegefachmann in der Altenpflege. Er hat bereits im Seniorenpark am Kreuzberg mitgearbeitet, wo er voraussichtlich im Herbst mit der Ausbildung beginnen wird: „Das ist genau das Richtige für mich.“

Charakterstudien

Von klein auf, begründet er sein Engagement auf dem Kreckelberg, habe er eine „Riesenfreude an der Haltung und Versorgung von Tieren“. Schon als kleiner Bub habe er sich informiert, wo es nur ging, und dann den Traum von der eigenen Meerschweinchen-Zucht wahr gemacht. Die betreibt er seit einigen Jahren so erfolgreich, dass er immer wieder Tiere an Zoohandlungen abgibt. Ein ungewöhnliches Hobby für einen Heranwachsenden.

Wenn er gefragt wird, ob das nicht langweilig ist, versteht er die Frage nicht: „Das sind richtig interessante Tiere, gut zu beobachten, vor allem in der Gruppe.“ Lauter unterschiedliche Charaktere gebe es, in immer neuen Konstellationen mit spannendem Gruppengefüge: „Die schaffen ein Miteinander.“ Derzeit ist Hochsaison, doch auch wenn keine kleinen Meerschweinchen zur Welt kommen, hat Nik Hammer stets rund 20, 30 Tiere in seiner Obhut. Im Winter sind sie in Gartenhütten untergebracht, im Sommer draußen, wo sie in Volieren vor räuberischem Getier geschützt sind.

Unerwarteter Gewinn

Einmal hat er eine Meerschweinchendame mit verkrümmtem ­Vorderlauf aufgenommen. Aus Mitleid, wie er sich erinnert. Das ist Jahre her, und heute würde er sie nicht mehr hergeben. „Richtig spannend“, sagt er, sei es, sie zu beobachten. Sie sei anders als alle anderen, viel zahmer. Ohne Angst und ganz entspannt begegne sie den Menschen. „Und das Tolle ist, die anderen gucken sich das ab. Wenn sie nicht wegrennt, bleiben die anderen auch. Sie bringt so viel Ruhe in eine Gruppe.“

Seine Mutter war es, die ihn vor fünf Jahren auf die Idee brachte, dem Verein „Vogelfreunde Villa“ seine Hilfe anzubieten. Die Villa samt Vogelpark ist nur ein, zwei Gehminuten von Niks Daheim entfernt, „einfach den Schlangenweg hoch“, ideal also für den damals unmotorisierten 14-Jährigen. Die Vereinsmitglieder, die seit Jahren auf Nachwuchssuche sind, waren natürlich begeistert, aber auch Nik fühlte sich „am genau richtigen Platz“: „Das hat mir auf Anhieb gefallen, auch wenn ich mit Abstand der Jüngste bin. Ich hab mich gut eingelebt, die sind mir alle so ans Herz gewachsen.“

Ganz oder gar nicht

Nun ist es kein Sonntagsspaziergang, da oben zu arbeiten, denn die große, bunte Tierfamilie will auch bei Minusgraden versorgt sein, in brütender Hitze oder wenn’s schüttet. Aber absagen gilt nicht, sagt er: „Wenn man zusagt, macht man’s ganz oder gar nicht, dann zieht’s man’s durch.“

Mittlerweile zehn Pfauen gibt’s auf dem Kreckelberg – heuer sind vier Jungpfauen dabei – zudem Enten und Fasane sowie die Exoten, also Amazonenpapageien, Kakadus und Zebrafinken. Nik kümmert sich vor allem um die Säugetiere. Um die Meerschweinchen aus seiner eigenen Zucht, um zwölf Zwergziegen, die er „selbstverständlich“ auseinanderhalten kann, um Schafe und Hasen, die zwei Ponys, die Katze und den Wachhund. Jeweils donnerstags und samstags hilft er aus, wobei am Samstag nicht nur gefüttert, sondern auch gemistet wird. Außerdem hat er einmal im Monat montags Dienst.

„Ganz viel Leben“

Wie gesagt, das geht seit Jahren so, und „kein bisschen Freude“ ist über der Arbeitsroutine verloren gegangen. Im Gegenteil: „Die Tiere geben so viel zurück.“ Und auch den Umgang mit den Menschen möchte er nicht missen. Mit seinen Mitstreitern im Verein, aber auch mit den Besuchern, wenn Villa und Park geöffnet sind und durch die Bewirtung an Sonn- und Feiertagen zusätzliche Arbeitsstunden anfallen.

Nik Hammer freut sich auf die Zeit nach Corona. Wenn es wieder richtig Leben gibt auf dem Kreckelberg: „Das da oben gehört einfach zu Crailsheim, das ist so eine Bereicherung für die Stadt.“ Vogelpark und Villa müssten, so lange es geht, erhalten werden: „Ich tu mein Bestes dafür.“ Weitere Ehrenamtliche – oder eben Hobby-Tierpfleger – sind ihm, wie allen anderen im Verein, hochwillkommen.