Gegen moderne Technik im OP-Saal hat Dr. Jens Rossek, Chefarzt der Orthopädie im Kreisklinikum in Crailsheim, überhaupt nichts. Sehr wohl aber gegen blindes Vertrauen in die Technik. Für ihn steht der Operateur noch immer im Zentrum des Geschehens, von seinen Fertigkeiten hängt ab, ob die OP gelingt oder nicht. Als Rossek, der auch Ärztlicher Direktor des Krankenhauses ist, kürzlich die Schlagzeilen über den neuen OP-Roboter im Krankenhaus in Ehingen las, ärgerte er sich. Nicht weil er keinen dieser Roboterarme, die beim Einsetzen künstlicher Kniegelenke zum Einsatz kommen, hat, sondern „wegen dieser Marketingaktion“.

Dr. Jens Rossek traut dem Hype um OP-Roboter nicht

OP-Roboter in Krankenhäusern sind nichts Neues. Anfang der 1990er-Jahre sorgte Robodoc für Aufsehen. Er war ursprünglich ein Industrieroboter in der Autoindustrie, der für medizinische Aufgaben modifiziert worden ist. Daran erinnert Rossek im HT-Gespräch, als die Sprache auf ein Zitat von Dr. Michael Kramer, dem Chirurgie-Chefarzt in Ehingen, kommt.

Er hatte unlängst davon gesprochen, dass sein neuer Roboter mit einem Spurhalteassistenten im Auto vergleichbar sei. Sein Kollege Rossek will beim Operieren aber nicht auf einen Bildschirm schauen („das ist für mich eine sehr befremdliche Vorstellung“), sondern auf seine Finger. Denen vertraut der erfahrene Operateur, der seit 2011 in Crailsheim arbeitet, mehr als Computerprogrammen und Roboterarmen. In Crailsheim werden jährlich mehr als 400 Prothesen eingesetzt, etwa die Hälfte davon sind Kniegelenke.

Der Crailsheimer Chefarzt steht mit seiner Meinung nicht alleine da

Die Begeisterung in Ehingen kann der Crailsheimer Gelenk­spezialist nicht nachvollziehen, zumal das Knochensägen das Einfachste in der Endoprothetik sei. Für Rossek ist die ganzheitliche Betrachtung des jeweiligen Falles von entscheidender Bedeutung. Die beginne mit dem ersten Patientengespräch und ende erst mit der Mobilisierungsphase des Operierten. Mit seiner Haltung, dass der Arzt noch immer das Wichtigste im OP-Saal ist, steht Rossek nicht alleine. Auch für Professor Dr. habil. Michael M. Morlock, den Leiter des Instituts für Biomechanik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, ist das Geschick des Operateurs von entscheidender Bedeutung.

Info


Dr. Jens Rossek ist Schirmherr der am Wochenende stattfindenden Gesundheitsmesse „Vitawell“ im Crailsheimer Hangar. Dort referiert er am Samstag, 18. Januar, um 12.15 Uhr über Schulterschmerz und dessen Ursachen.