Sie können auf ein bewegtes und sehr erfolgreiches berufliches Lebenswerk zurückblicken.“ So fasste Landrat Gerhard Bauer am Dienstag in der Kreistagssitzung in der Hirtenwiesenhalle in Crailsheim die langjährige Tätigkeit von Dr. Martina Mittag-Bonsch im Kreisklinikum zusammen. Die Kreisräte erhoben sich von ihren Stühlen und applaudierten, als Bauer die Medizinerin mit der Verdienstmedaille des Landkreises auszeichnete.

Jetzt ist Dr. Martina Mittag-Bonsch Reha-Ärztin

Dr. Martina Mittag-Bonsch ist 63 Jahre alt – müsste also nicht in den Ruhestand gehen. Doch eine schwere Augenerkrankung lässt es nicht mehr zu, dass die Ärztin, der der Landrat attestierte, weit über die Stadtgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf als Chirurgin zu haben, weiterhin operiert. Sie hat das Crailsheimer Krankenhaus verlassen, zieht sich aber nicht aufs Altenteil zurück. Sie verlässt auch nicht den Gesundheitscampus in Crailsheim, ihre neue Arbeitsstätte ist nur ein paar Meter von der bisherigen entfernt.
Seit Jahresanfang arbeitet sie im Reha-Zentrum Hess, das im Altbau des Krankenhauses untergebracht ist. Dort ist sie im Bereich der ambulanten orthopädischen Rehabilitation tätig. Sie begleitet den Heilungsprozess von Patienten über mehrere Wochen hinweg – kann also jetzt das machen, was ihr als Chefärztin (seit 1997) und als Ärztliche Direktorin (seit 2004) im Kreisklinikum manchmal gefehlt hat: mehr Zeit für Patienten haben.
In der Laudatio des Landrates wurde deutlich, wie wichtig die Medizinerin, die sich 1997 als Oberärztin des Ostalbklinikums um die Chefarztstelle in Crailsheim beworben und sich gegen 35 Konkurrenten durchgesetzt hatte, für das Krankenhaus in Crailsheim war. „Als Ärztliche Direktorin waren Sie das Gesicht des Hauses und das Sprachrohr der Ärzteschaft sowie des medizinischen Personals“, hob der Landrat hervor, und unterstrich: „Sie standen für den guten Ruf des Klinikums.“ Dass sich das Krankenhaus in turbulenten Zeiten behauptet hat und seit mittlerweile etlichen Jahren eine überaus gute Entwicklung nimmt, sei maßgeblich Mittag-Bonsch zu verdanken, die eine „Ärztin mit hervorragendem Ruf“ und eine „erfahrene Generalistin“ sei. Bauer wörtlich: Unser Klinikum, so wie es heute dasteht, geht auf Sie zurück!“

„Großer Verlust“

Dass Mittag-Bonsch nach überstandener Erkrankung nicht mehr operieren kann, sei „ein großer Verlust für das Klinikum, ein noch größerer aber für die Patientinnen und Patienten“. Sie habe stets viel mehr als das von ihr Erwartete getan, betonte Landrat Bauer, und verwies unter anderem auf die Gesundheitsmesse „Vitawell“ in Crailsheim, deren Schirmherrin die Ärztliche Direktorin von Anfang an war.

Crailsheim

Ärztin schlägt ernste Töne an

In ihren Dankesworten schlug die Medizinerin ernste Töne an, forderte die Kreisräte zumindest mittelbar dazu auf, weiterhin zum Kreisklinikum zu stehen: „Wir brauchen weiterhin eine dezentrale und bürgernahe medizinische Versorgung der Menschen.“ Die Zentralisierung und Spezialisierung im Gesundheitswesen ist für die Ärztin, die sich stets als Generalistin verstanden hat, ein Grundübel. Laut Mittag-Bonsch fehlt mittlerweile auch in Deutschland „der Blick fürs Ganze“. Das Streben nach Gewinnmaximierung und das damit verbundene Scheuklappendenken ist für sie eine große Gefahr, deren Ausmaß sie mit dem Börsencrash von 2009 verglich.
Das Credo der Medizinerin, die nach eigenen Worten eine „wunderbare Zeit“ im Kreisklinikum hatte und das für sie „wie ein drittes Kind“ ist: „Gesundheit ist keine Handelsware und der Mensch ist keine Maschine, die man mal da und dort repariert.“ Man brauche, so der Appell der erfahrenen Ärztin, in den Krankenhäusern wieder mehr „breit ausgebildete Ärzte“, so was wie „Zehnkämpfer in der Medizin“.