Der Alarm der Feuerwehr geht am Dienstag um 5.38 Uhr los. Aber da hat ein Bewohner in dem Keller eines Mehrfamilienhauses in der Friedrich-Ebert-Straße mit einem Eimer Wasser schon Schlimmeres verhindert und die brennenden Kinderwagen gelöscht. Erstmals sind es zwei auf einmal. Wieder geht das Ganze glimpflich aus, zum Glück.

Crailsheim

Es ist nicht der erste Kinderwagen, der in Crailsheim brennt und nicht der erste, der in der Friedrich-Ebert-Straße brennt. Die Brandserie begann am 16. August. Seit Dienstag sind es sieben Stück, alle im Stadtteil Kreuzberg, alle in einem Umkreis von wenigen hundert Metern.

Man kann sich vorstellen, dass nicht erst seit Dienstag die Angst vor dem Feuerteufel umgeht. „Ich bekomme langsam so richtig Angst. Alles passiert nur 100 Meter von meiner Wohnung entfernt“, schreibt jemand bei Facebook, und weiter: „Oh Mann, die armen Eltern. Kreuzberger, wir müssen alle zusammenhalten.“ Es sei traurig, heißt es in einem anderen Kommentar, „wenn man jetzt schon Angst haben muss, wenn der Kinderwagen mal zehn Minuten draußen steht oder die Garage mal kurz auf ist“.

„Das ist nicht normal“ und „nicht zu glauben“, finden Passanten am späten Vormittag in der Friedrich-Ebert-Straße. „Hat es schon wieder gebrannt?“, fragt eine ältere Frau, als sie die Polizisten mit den Feinstaubmasken sieht. Die Polizisten sind von der zentralen Kriminaltechnik, sie sichern Spuren und machen Fotos.

Im Brandhaus bringt ein Bewohner gerade zwei volle Tüten mit leeren Pfandflaschen in den Keller, die Polizeiabsperrung im Treppenhaus ist wieder weg. Zur Brandstelle selber muss man die Treppe runter rechts durch eine Brandschutztür und dann wieder nach rechts. Da stehen sie, die beiden Kinderwagen, beziehungsweise das, was von ihnen übrigblieb. Daneben  Abstellräume mit Trennwänden aus Holz.

Die Polizei vermutet, dass der unbekannte Täter durch die nicht verschlossene Haupteingangstür ins Haus gelangte. Die Kinderwagen entdeckte er unter einer Treppe und schob diese durch die Brandschutztür vor die Abstellräume. Dieser Brand ähnelt dem einen am Freitag in der Kreuzbergstraße, auch er hat eine andere Qualität. Bösartig, so sagen sie bei der Feuerwehr.

Was fällt generell auf? Der Täter sucht sich Mehrfamilienhäuser in einem Stadtteil aus, zweimal sind Kindergärten mit im Haus. Bei den Häusern ist die Eingangstür auf und es stehen Kinderwagen im Treppenhaus (lediglich einmal brannte einer im Hof). Der Täter schlägt dienstags, freitags oder samstags zu, meistens in den frühen Morgenstunden (am vergangenen Freitag allerdings zweimal gegen 18 Uhr).

Crailsheim

Die Flammen dienen Feuerteufeln als Ventil

Wie wird man zum Feuerteufel? Warum tun Menschen so etwas? Diese Fragen stellen sich nicht nur die Menschen in Crailsheim, sondern überall dort, wo es Brandserien gibt. „Häufig entstehen diese Taten aus einer aggressiven Motivation heraus“, sagt Kriminalhauptkommissar Udo Haßmann vom Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart. Dabei spielten Eifersucht, Rache, der Hass auf die Gesellschaft oder das Streben nach Aufmerksamkeit eine Rolle. Oft ginge ein Streit mit dem Partner voraus oder Stress auf der Arbeit. Das Feuer diene als Ventil.

All das erzählt der LKA-Mann kürzlich der Regionalzeitung Schwarzwälder Bote, den eine Brandserie im Schwarzwald beschäftigte. Dass in Deutschland lediglich ein Drittel der Brandstiftungen aufgeklärt werde, betont Haßmann, „liegt vor allem daran, dass die Feuerteufel einen sehr spurenarmen Tatort hinterlassen“. Feuer und Löschwasser würden so gut wie alle DNA-Spuren zerstören.

Fakt ist: In den meisten Fällen handelt es sich bei Brandstiftern um Männer. „Mehr als 90 Prozent der Delikte gehen auf das Konto männlicher Feuerteufel“, so sagt es Haßmann. Und die seien dazu noch recht jung.

Das könnte dich auch interessieren:

Info


Hinweise zu der Serie mit den brennenden Kinderwagen? Zeugen ­melden sich bei der Polizei in Crailsheim unter Telefon 0 79 51 / 48 00.