Nur wenige Stühle blieben unbesetzt, als sich Crailsheimer Bürger am Freitag zum Informations- und Beteiligungsworkshop des Modellprojekts „Wir in Crailsheim“ in der Realschule am Karlsberg trafen. Sie alle arbeiten daran mit, ein lebendiges Miteinander in der Stadt entstehen zu lassen, in dem sich Alteingesessene und Zugezogene gleichermaßen wohl und zu Hause fühlen.

„Gutes Zusammenleben bedeutet für mich, dass man sich trifft und kennenlernt, dass aus Fremden Freunde werden und dass es irgendwann keine Rolle mehr spielt, wo die Wiege stand“, sagte Sozial- und Baubürgermeister Jörg Steuler. Integrationsarbeit sei kein Thema, das heute anfange und morgen aufhöre. „Es wird stets Integration geben, denn es werden stets neue Menschen nach Crailsheim kommen“, sagte Steuler. „Ich muss ja als Rheinländer auch integriert werden.“

Deshalb sei es nicht nur wichtig, bis zum Ende des Projekts im Oktober einige handfeste Ergebnisse zu erzielen, sondern auch jetzt schon zu überlegen, wie die Integrationsarbeit über das Projektende hinaus weitergeführt werden könne.

Aus Sicht der Integrationsmanagerin Heide Öchslen ist „Wir in Crailsheim“ inzwischen in der Öffentlichkeit angekommen. „Ich finde es wichtig, dass alle Menschen in Crailsheim unabhängig von ihrer Herkunft in Kontakt kommen und sich kennenlernen“, sagt Öchslen. So könnten Ängste und Vorurteile abgebaut werden. Öchslen: „Integration ist keine Einbahnstraße, sondern ein wechselseitiger Prozess.“

Der Schulleiter der Realschule am Karlsberg, Ulrich Kern, berichtete aus dem Schulalltag, in dem Integration ganz von allein funktioniere. „Wir haben 760 Schüler aus 15 Nationen. Die Gemeinschaft beruht auf Integration“, so Kern.

Kein Schubladendenken

Die Politologin Hoda El-Gawish wünschte sich für ein gutes Zusammenleben, dass das Schubladendenken abgeschafft wird und Menschen nicht nach ihrem Aussehen bewertet werden.

Bevor die inhaltliche Arbeit in Kleingruppen begann, berichtete Hamid Nasaan, Neu-Crailsheimer aus Syrien, von seinen Integrationserfahrungen in Crailsheim, wo er seit drei Jahren mit zwei Söhnen lebt. „Ich fühle mich gut angenommen“, sagte der Netzwerker, der anderen Flüchtlingen bei der Übersetzung vom Arabischen ins Deutsche hilft. „Ich berichte anderen von diesem Projekt, und sie finden es sehr gut.“

Beim gemeinsamen Gestalten von Bildern, die abbilden sollten, wie künftig ein gutes Zusammenleben in der Stadt aussehen könnte, kristallisierten sich Wünsche heraus, die konsensfähig waren: mehr Wohnraum, besserer Zugang zu Bildung und Sprachkursen, Förderung der Mobilität und Raum für Begegnungen.

Das Projekt wird jetzt in Arbeitsgruppen vorangetrieben, die sich mit der Entwicklung eines Mentorenprogramms, der Gründung eines Integrationsbeirats, der Planung interkultureller Veranstaltungen und der Formulierung von Integrationsleitlinien beschäftigen.

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Modellprojekt für 23 Kommunen im Land


Crailsheim ist eine von 23 Kommunen in Baden-Württemberg, die das Projekt „Integration durch Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“ in die Praxis umsetzen.

Ziele sind der Aufbau und die Umsetzung einer langfristigen Integrationsstrategie für Crailsheim. Bestehende Angebote und Strukturen fließen in das Konzept mit ein.
Einige Leitlinien wurden bereits formuliert: Vielfalt erfordert Verständnis und Toleranz. Integration fördert Wertschätzung und Toleranz und erfordert „Orte der Dialoge“.

Info Bürger, die Lust haben, an dem Projekt „Wir in Crailsheim“ mitzuarbeiten, wenden sich an die Integrationsmanagerin Heide Öchslen, Telefon 0 79 51 / 9 63 31 53.