Immer wieder interessant, was bei Kindern Begeisterungsfunken schlägt. Wie ein ums andere Strohfeuer aufflackert, oder eben lebenslange Leidenschaft lodert. Marc Müller, der 1970 in München geboren wurde, aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Crailsheim daheim ist – Heimatstadt der Mama –, brennt für Rock und Metal. Die früh entflammte Freude an Rockmusik hat er nie verloren: Bis heute spielt er in der Hard’n’Heavy Coverband Hazard, vor allem aber ist er als Vertreter des SV Ingersheim an der Seite von Andreas Löffelad von Borila Entertainment treibende Kraft der Crailsheimer „Dynamite Night“, die in der ganzen Region und darüber hinaus Fans hat.

Der Vater seines Kumpels hatte eine große Plattensammlung, und als dieser in den 80ern sah, wie sorgsam die Jungs mit Deep Purple umgingen, mit Jimi Hendrix und Led Zeppelin, gab er ihnen die Erlaubnis, sie eigenständig abzuspielen. Fortan wurde nichts anderes gehört. „Das hat mich geprägt“, sagt Marc Müller heute. Er erinnert sich, dass sein Kinderzimmer mit Kiss-Postern tapeziert war, später dann mit allem, was er in Hardrock-Zeitschriften wie „Metal Hammer“ über Bands wie Metallica finden konnte. Parallel hat er immer gern gekickt. Sehr früh schon fand sich ein Freundeskreis aus Musik- und Fußballfans, in dem mit Tennisschlägern Luftgitarre gespielt und für den SV Ingersheim so manche Saison bestritten wurde.

Müller selbst hat nicht nur viele Jahre im Verein gespielt, er war auch zehn Jahre lang Fußball-Abteilungsleiter. Und er bildete sich selbst zum Drummer aus – wenig Grundlage, erinnert er sich, und viel Enthusiasmus. Der Papa kaufte ihm ein Schlagzeug und er scharte eine kleine Band um sich, „Surrender“, die einfach nur aus Freude an der Musik zusammenkam. Nicht immer zum Entzücken der Eltern Müller, in deren Keller geprobt wurde.

Crailsheim

Die Sache mit den Konzerten

Sein erstes Livekonzert von und mit Gary Moore im Jahr 1987 hat er nie vergessen. Ein Jahr später ging’s mit einer Zündapp – auf 80 Kubikzentimetern Motorprobleme ohne Ende – zu Monsters of Rock nach Schweinfurt, und das war auch so ein Schlüsselerlebnis. So wie all die Coverbands, die er auf Motorradtreffen sah, seinen Hang zur Livemusik bestärkten. Fürs 40-jährige Bestehen des SV Ingersheim hat er seine Kontakte für ein Festkonzert mit „Highlive“ genutzt. Daraus wurden weitere, gemeinsam mit Thomas Bulenda organisierte, Abende mit Bands wie „Fast Lane“, aber auch unvergessene Stoppelacker­feste.

Müller ist allmählich reingewachsen in die Konzertszene – die damals noch lange nicht mit dem Wust an Verordnungen verbunden war wie heute. Als dann Andreas Löffelad aus Ellwangen, der in Crailsheim Rockkonzerte mit Größen wie Doro und W.A.S.P. organisiert hatte, die Jahnhalle aufgeben musste, war das der Anfang der „Dynamite Night“ in Ingersheim und der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit.

Gleich zur Premiere kam die als „dänisches Dynamit“ gehandelte Metal Band „Pretty Maids“, die Ingersheims großer Nacht ihren Namen gab und die im vergangenen Jahren auch zum Zehnjährigen spielte. Für die nächste Crailsheimer Dynamite Night am 28. Dezember sind bereits die „Burning Witches“ aus der Schweiz verpflichtet.

Großveranstaltung

Mit den Lagerfeuerkonzerten und kleinen Parties hat das alles längst nichts mehr zu tun. Allein beim Blick auf den „Stage Rider“, auf dem die Bands unter anderem Bewirtungswünsche festhalten, kann bodenständigen Jungs auch schon mal leicht schwindlig werden: Müller weiß noch, wie Dietmar Trumpp stundenlang in ganz Crailsheim und darüber hinaus nach vegetarischen Spezialitäten gesucht hat, nur um den Künstler dann später sagen zu hören, er habe heute keinen Hunger.

Gute Kontakte sind entstanden; das Dreigestirn der Organisatoren ist längst ein eingespieltes Team, in dem jeder genau weiß, was zu tun ist. Es ist viel Arbeit, für die Sicherheit von rund 700 Metalfans zu sorgen, aber es ist auch „Herzenssache und mein Leben“, sagt Müller. Jedenfalls ein wichtiger Teil davon, den seine Frau – er hat seine Jugendliebe Kirsten geheiratet und vier Kinder mit ihr – mit ihm teilt.

Was er für sich tut, für persönliche Sternstunden? Die Band Hazard unterstützt er, seit er eher zufällig deren Gitarristen gehört hat. Seit drei Jahren ist er als aktiver Musiker dabei, als Schlagzeuger. Mit Hazard geht es jetzt erst mal auf ein paar Motorradtreffen, unter anderem nach Österreich. Und das macht noch genauso viel Freude wie das Musikmachen im Keller daheim. Denn die Liebe zu Rock und Metal ist geblieben.

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