Wenn man Glückskekse bekommen möchte, geht man meistens in ein chinesisches Restaurant, wo es sie als Zugabe nach dem Essen gibt. Und wer hierzulande ein leibhaftiges Nilpferd sehen möchte, geht in den Zoo. Wenn man aber Glückskekse nicht zum Essen, aber ein Nilpferd sprechend erleben wollte, so musste man sich am Freitagabend in den Crailsheimer Hangar begeben.

Hier wurde das unter dem Namen Amanda bekannte Hippo von Sebastian Reich, seines Zeichens Bauchredner, zum Leben erweckt. Beide sind einem breiten Publikum aus der alljährlichen Veitshöchheimer Prunksitzung  „Fastnacht in Franken“ bestens bekannt und haben wie die Sendung ebenfalls Kultstatus. Dass der Name der Flusspferddame „diejenige, die geliebt werden muss, die Liebenswerte“ bedeutet, kann problemlos auch auf das Duo ausgeweitet werden.

Sebastian Reich hat neben Amanda noch andere Puppen in petto

Wie der Bauchredner mit seiner Partnerin als Pendant, also als Entsprechung oder auch als Gegenstück, vielleicht auch als sein Alter Ego, also als Ergänzung, die schon mal das aussprach, was er selbst nicht sagen wollte oder durfte, umging – das war schon genial. Die Begeisterung des Publikums im fast voll besetzten Hangar zeigte sich nicht nur durch unendlich viele Lacher, sondern auch durch häufigen Szenenapplaus.

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Gleich bei Eintritt bekamen die Zuschauer eine Karte, auf der sie aufschreiben konnten, was für sie Glück bedeutet, wer „der Glückskeks des Abends“ wird. Zwei Fragen von Amanda galt es zu beantworten: „Was macht dich glücklich?“ und „Begleitet dich heute jemand, den ich glücklich machen könnte?“

Das Nilpferd selber wünschte sich, nachdem es über den Zusammenhang des Glückskekses aufgeklärt worden war, viele Gänge in einem chinesischen Restaurant sowie ein Handy, ein Motiv, das den ganzen Abend wie ein roter Faden durchzog. Ein weiterer Wunsch von ihr: „Glück wäre für mich, wenn in den ersten drei Reihen lauter attraktive Männer sitzen würden.“ Und dann – so wirkte häufig die Komik des Abends – ihr Kommentar: „Schon mal Pech gehabt.“

Was Menschen unter Glück verstehen, wurde aus den Karten deutlich: gesund mit der Familie bleiben, mit Pferden reiten, eine Brustvergrößerung. Viele Wortspiele um Smart- und iPhone (Eierfon und Hühner), bei dem sich das Duo, sehr zum Vergnügen des Publikums (bewusst) missverstand, leitete zu einer zweiten Figur über, da Amanda austreten musste. Zuvor wurde Schnick-Schnack-Schnuck gespielt, dabei verlor Amanda.

Reich stellte Herrn Esel vor, der viele Jahre lang „König der Kalauer, Herr der alten Witze“ gewesen sei und nun als Trauerredner von Berufsgruppen arbeite: „Sie kehrt nie wieder“ (Putzfrau), „der Ofen ist aus“ (Bäcker), „er hat den Löffel abgegeben“ (Koch), „er hat sich verpisst“ (Urologe) waren Beispiele seines Wirkens.

Da Amanda hinter der Bühne auf den Koffer aufpassen sollte – „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“–, trat Reich als nächstes mit einem großen Glücksschwein aus Marzipan auf. Erst unverständlich, da noch in Folie verpackt, erklärte es, dass es nicht Herr Nick Pig/Pick heiße, sondern Picknick. Er sei – auch einmal ein politischer Witz – bei der letzten Wahl als Glücksbringer für die SPD eingesetzt worden – als Geschenk der Grünen. Sein monotones  tiefes „Nö“ erheiterte das Publikum ebenfalls sehr. Dieses wurde mit dem „Glücklichsein-Lied“ Schubidubidu von Amanda erst zum Mitsingen animiert und dann ebenso animiert in die Pause verabschiedet.

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Ein gemeinsames Lied beendet den Abend im Crailsheimer Hangar

Danach war wieder Antwortzeit. Eine Christa brauche Linsen mit Spätzle und Saitenwürstchen zum Glücklichsein, ein Anonymus, dass jemand seine drei Punkte in Flensburg übernehme. „Mich hätte in der Pause Klopapier glücklich gemacht“, las Reich vor, was Amanda mit „eine beschissene Situation“ kommentierte.

Weitere Highlights waren ein mit Sprachspielen gespicktes Lied aus dem Leben des Herrn Picknick und eine mit vielen Gags gespickte Fahrstunde für Amanda. Reich verzauberte danach das Publikum in einer nur scheinbar missglückten Solo-Zauber-Einlage mit einem glücklichen Ende, ehe mit „Allet jut“ ein berlinernder Alter auftauchte, der sich als Herr A. Mohr, sprich als der Liebesgott Amor herausstellte. Sebastian Reich hatte schließlich an beiden Händen je eine Puppe – Amor und Amanda. Auch dies beherrschte er gestalterisch und sprachlich meisterhaft.

Den Abschluss mit einigen Zugaben bildete das gemeinsame gesungene Schubidu, ein Lied auf die Freundschaft: „Glücklich gehen wir nach Haus, denn die Show, die ist jetzt aus“ war das Fazit von Amanda.