Crailsheim / bt  Uhr
Die Standortentscheidung für das Maulachtal, die zum Bürgerentscheid geführt hat, wurde beim HT-Wahlforum unterschiedlich bewertet.

„Hand aufs Herz, wussten Sie vorher, dass Sie diesen Antrag stellen würden?“, fragte Redaktionsleiter Andreas ­Harthan den AWV-Chef Sebastian Klunker beim Thema Hallenbad. Der Gemeinderat hatte in der letzten Sitzung des Jahres 2018 auf Antrag Klunkers mehrheitlich für einen Hallenbadneubau im Maulachtal gestimmt, obwohl die Abstimmung für einen Standort damals nicht auf der Tagesordnung stand. Das stieß auf Unverständnis und führte zum Bürgerbegehren. Klunker bejahte diese Frage. Er bekannte sich zum Maulachstandort, der ökologisch und ökonomisch der einzig richtige sei, und er kritisierte die Presse, die nach diesem Beschluss nicht nachgefragt habe, wie es zu dieser Entscheidung gekommen war. Er ärgere sich, dass er nicht selbst informiert habe.

Die DLRG-Ortsgruppe Crailsheim begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats für ein neues Hallenbad im Maulachtal.

Soll das Hallenbad neben das Freibad?

Auch Gerhard Neidlein (CDU) nannte das Maulachtal den besten Standort. Dem Gemeinderat, versicherte er, hätten alle notwendigen Informationen vorgelegen. Er habe allerdings selbst erfolglos beantragt, das Thema öffentlich zu diskutieren: Die Nichtöffentlichkeit habe geschadet. Neidlein kritisierte in diesem Zusammenhang das Zustandekommen der Unterschriftenlisten für den Bürgerentscheid: Zum Teil sei aggressiv dafür geworben worden. An dieser Stelle entwickelte sich erneut eine rege Diskussion; auch den Mitgliedern der Bürgerinitiative sei nicht immer nur mit Freundlichkeit begegnet worden.

Peter Gansky (BLC) sprach sich ebenfalls für den Standort am Freibad aus: „80 Prozent der Nutzer sind Erwachsene, die mit dem Auto kommen.“ Er sprach auch von „900.000 Euro Abmangel jedes Jahr“ am Innenstadt-Standort sowie von Synergien im Maulachtal, wo die Saunalandschaft auch aufgrund eines fehlenden Hallenbads rote Zahlen schreibe.

Die BI Hallenbad Crailsheim und die SPD-Gemeinderatsfraktion sehen Klärungsbedarf vor dem Bürgerentscheid zum Hallenbad.

Für beide Standorte gibt es gute Argumente

Die Stadtverwaltung habe damals eine „Expertengruppe aus Lobbyisten“ einsetzen wollen, „aber 43 Experten sitzen hier“, so Gansky und bezog sich damit auf den Gemeinderat. Ganz anders sah das Markus Schmidt (Grüne). „Auf Gutsherrenart“ sei über den Standort entschieden worden; so sei das Problem aus seiner Sicht erst entstanden. Die Aussage, eine unter anderem aus Hallenbadnutzern bestehende Expertengruppe könne ja über die Ausgestaltung des Bades entscheiden, tat er ab: Bei einer Bausumme von gerade mal 17 Millionen Euro gebe es praktisch nichts mehr zu entscheiden, „vielleicht die Farbe der Fliesen“. Seine Fraktion sei in dieser Frage gespalten, er selbst spreche sich für einen Standort in der Innenstadt aus.

Gernot Mitsch (SPD) erinnerte daran, dass es derzeit keine Rechtssicherheit für einen Standort gibt, für beide Standorte aber gute Argumente. Die Sitzungsvorlage damals habe diese Entscheidung nicht unbedingt hergegeben; die Bürger nicht früher und besser zu informieren, sie nicht mitzunehmen, sei ein Fehler gewesen.

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