Es ist wie 1993 und 2003, als es jeweils um die Stadthalle ging: Am Sonntag gibt es wieder einen Bürgerentscheid in Crailsheim, doch diesmal geht es um den Standort des neuen Hallenbades. Der Gemeinderat hat sich für das Maulachtal entschieden, eine Bürgerinitiative will einen Standort in der Kernstadt durchsetzen, und hat den Bürgerentscheid initiiert. Wenn am Sonntag mindestens 20 Prozent der rund 27.500 Wahlberechtigten am Bürgerentscheid teilnehmen, und die Mehrheit für die Kernstadt votiert, wird das Hallenbad in der Stadt gebaut – ansonsten bleibt’s beim Maulachtal.

Broschüre der Stadtwerke sorgt für Ärger

Warum der Hinweis auf 1993 und 2003? Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde darüber abgestimmt, ob eine Stadthalle höchstens 20 Millionen Euro kosten darf. Eine Mehrheit sagte ja, doch die Beteiligung am Bürgerentscheid lag unter der damals erforderlichen Quote von 30 Prozent, und der Bürgerentscheid war somit gescheitert. 2003 kam ein Bürgerentscheid zustande, weil sich fast 39 Prozent der Wahlberechtigten gegen den Stadthallen-Standort ZOB ausgesprochen haben.

Am Sonntag gibt’s also wieder einen Bürgerentscheid, und auch der richtet sich gegen einen Gemeinderatsbeschluss. In der Stadt wird kontrovers über den Standort des neuen Hallenbades diskutiert. Die Vehemenz hat seit dem vergangenen Wochenende zugenommen, als die Stadtwerke, die im Maulachtal bauen wollen, eine Broschüre veröffentlicht haben, die insbesondere bei der Bürgerinitiative für Empörung gesorgt hat. Sie wirft den Stadtwerken „gezielte Desinformation“ vor.

Stadtwerke räumen einen Fehler ein

Inzwischen hat das in städtischer Hand befindliche Unternehmen Fragen der HT-Redaktion zur Broschüre beantwortet. Die Stadtwerke räumen einen Fehler in der „Chronik“ ein, in der der bisherige Planungs- und Entscheidungsverlauf dargestellt wird. In dieser Chronik wird behauptet, dass sich 2017 der Aufsichtsrat der Stadtwerke und der Gemeinderat mehrheitlich für einen Hallenbad-Neubau am Standort Maulachtal entschieden hätten. Doch der Beschluss des Gemeinderates fiel erst im Dezember 2018. Die Stadtwerke schreiben: „Hier scheint uns in der komprimierten Darstellung der Fakten ein Fehler unterlaufen zu sein.“

Umstritten ist nach wie vor die Quote von 20 Prozent Schülern an der Gesamtzahl der Hallenbadbesucher. Lehrer, die Schwimmunterricht geben, können diese Zahl nicht nachvollziehen, und gehen davon aus, dass diese Quote höher ist. Die Antwort der Stadtwerke auf eine HT-Nachfrage stützt diese Annahme. Gefragt wurde, warum bei der Zahl der Schüler nur die aus Crailsheim berücksichtigt wurden, in die Gesamtzahl aber alle Besucher aufgenommen worden sind. Die Stadtwerke schreiben, was die Schüler betrifft: „Die umliegenden Gemeinden werden nicht berücksichtigt, weil die auswärtigen Schulen ohnehin zum Hallenbad fahren.“

Schwimmzeiten des Hallenbads nicht genutzt

Auch auf die Frage, welche Mehrkosten entstehen, wenn bei einem Standort alle Schüler/innen dorthin gefahren werden müssen, gibt es unterschiedliche Antworten. Während der Rektor der Realschule am Karlsberg von 49.000 Euro jährlich ausgeht, haben die Stadtwerke lediglich 35.000 Euro errechnet. Sie verweisen darauf, dass gerade die drei großen Schulen aus der Oststadt, deren Schüler/innen zu Fuß zum Hallenbad gehen, ihre Nutzungszeiten im Bad nicht ausschöpfen.

80 Prozent angesetzt

Für das vergangene Jahr ermittelten die Stadtwerke für die Realschule am Karlsberg, Albert-Schweitzer-Gymnasium und Leonhard-Sachs-Schule eine Nutzungsquote von 70 Prozent. Das Unternehmen geht davon aus, dass auch bei einem Standort Maulachtal keine 100 Prozent erreicht werden, und haben ihre 35.000 Euro auf der Grundlage einer Nutzungsquote von 80 Prozent errechnet.

+++Unter diesem Artikel könnt ihr eine Zusammenfassung der Diskussion um das Hallenbad sowie Pros und Kontras zu den möglichen Standorten herunterladen +++

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