Sozialminister Manfred Lucha hat sie zur Bedingung für weitere Zuschüsse für den Ausbau der Kliniken in Schwäbisch Hall und Crailsheim gemacht: die medizinische Gesamtstrategie für die stationäre Krankenhausversorgung im Landkreis. Das mit der Erstellung der Strategie beauftragte Institute for Health Care Business in Essen hat seine Arbeit beendet, Geschäftsführer Professor Dr. Boris Augurzky stellt das Ergebnis in der Kreistagssitzung am kommenden Dienstag in Schwäbisch Hall vor. Die Experten warnen in ihren Empfehlungen vor einem „ruinösen Wettbewerb“ zwischen den beiden Krankenhäusern im Kreis und schlagen eine „Intensivierung“ der bestehenden Kooperation vor.

Sie haben 25 Möglichkeiten ausgemacht, mit denen die Zusammenarbeit der beiden Häuser gefördert werden kann. Bei acht Maßnahmen ist die wirtschaftliche Relevanz offensichtlich, vier wurden genauer unter die Lupe genommen. Sie sind in den Abteilungen Neurochirurgie, Gerontoneurologie, Orthopädie und Onkologie angesiedelt und würden beim Diak einen Mehrerlös von annähernd 500.000 Euro generieren und beim Kreisklinikum von rund 150.000 Euro.

Schlechtes Verhältnis zwischen Landrat und Diakoneo-Vorstandsvorsitzendem

Doch so richtig interessant wird die Frage, welche Synergieeffekte möglich sind, erst bei einer Fusion der beiden Kliniken. Ein gesellschaftsrechtlicher Zusammenschluss ist aber weiter entfernt denn je, das Verhältnis zwischen Landrat Gerhard Bauer und dem Diakoneo-Vorstandsvorsitzenden Dr. Mathias Hartmann hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Was auch damit zu tun hat, dass das diakonische Unternehmen aus Neuendettelsau, das das Haller Diak geschluckt hat, sich auch gerne das Crailsheimer Krankenhaus einverleiben würde, in einer dafür erforderlichen Betriebsgesellschaft dem Landkreis aber nur die Rolle des Juniorpartners zugestehen will. Der Landrat hingegen akzeptiert nur Augenhöhe.

Crailsheimer Krankenhaus hat ein Millionendefizit

Bislang steht eine große Mehrheit des Kreistages hinter dem Landrat – darunter auch der Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. Der frisch gewählte stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates des Kreisklinikums betont, dass die Übernahme der Einrichtung durch Diakoneo „keine Option“ sei. Doch das Defizit des Crailsheimer Krankenhauses liegt mittlerweile bei mehr als vier Millionen Euro. Das macht eine zunehmende Zahl von Kreisräten nervös. Sollte der Abmangel die Fünf-Millionen-Euro-Schallmauer durchbrechen, könnte die Mehrheit der Kreisräte bröckeln.

Crailsheimer Klinik bekommt gute Bewertungen

Der neue Aufsichtsrat des Kreisklinikums hat schon reagiert. Kürzlich hat er das auf Krankenhäuser spezialisierte Beratungsunternehmen Oberender mit einer Effizienzuntersuchung beauftragt. Derweil hält die Aufwärtsentwicklung des Crailsheimer Krankenhauses an. Im letzten Jahr ist die Schallmauer von 10.000 stationären Patienten durch­brochen worden, 2019 ist die Patientenzahl noch höher. Im jüngsten Krankenhaus-Navigator der AOK wird das Kreisklinikum in vier Feldern mit Spitzenwerten in der Qualitätsbeurteilung gelistet: bei Hüftge­lenkersatz nach Oberschenkelbruch, bei Kniegelenkersatz wegen Arthrose, bei Gallenblasenentfernung und bei Leistenbruch-Operationen.