Am Dienstagmittag atmete Martin Romig, der Geschäftsführer der Hakro Merlins Crailsheim, auf. „Gegen 11 Uhr sickerte es schon durch, dass das Turnier gespielt werden darf, gegen 13 Uhr wurde es dann offiziell bestätigt.“ Der Ministerrat der Bayerischen Staatsregierung um Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann hatte in seiner Sitzung am Dienstagvormittag das 48 Seiten starke Hygiene- und Sicherheitskonzept der BBL zur Wiederaufnahme der Saison 2019/2020 genehmigt. Zehn Mannschaften werden nun von 6. bis 28. Juni im Finalturnier den deutschen Meister ausspielen. Das erste Spiel dieser Endrunde bestreiten die Merlins gegen Göttingen. Spielort ist bei allen Partien der Audi-Dome in München.

In der bayerischen Landeshauptstadt werden alle Mannschaften sowie Referees und Offizielle diese drei Wochen lang gemeinsam im Leonardo Royal-Hotel in der Nähe des Olympiaparks untergebracht, um Kontakte mit der Außenwelt und mögliche Coronavirus-Übertragungen weitestmöglich zu vermeiden.
Wie Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, erklärt, gibt es zum Beispiel für jeden Übernachtungsgast ein Einzelzimmer im Hotel. Regelmäßige Tests auf das Coronavirus sind für alle weiterhin verpflichtend. „Wir hatten jetzt fünf Tests bei uns, und alle sind immer negativ getestet worden.“
Martin Romig freut sich über das Grüne Licht für das Finalturnier vonseiten der Politik und betont: „Dass wir ein Lebenssignal von uns geben, ist unheimlich wichtig. Wir haben das Signal gesendet, dass wir weiterspielen wollen, dass wir für unsere Sportart kämpfen, wir haben Verlässlichkeit und Stärke demonstriert.“ Das habe sich ausgezahlt. Und von dem Hygienekonzept der BBL könnten auch andere Sportarten profitieren. Romig erklärt, dass er zum Beispiel in regem Kontakt mit Handballern, Volleyballern und American Footballern stehe, die die Erfahrungswerte der Basketballer nutzen wollen, denn alle Sportarten stünden vor den gleichen Problemen. „Es gibt viele Diskussionspunkte und deutlich mehr Kommunikation untereinander“, sagt Romig. Zudem werde deutlich offener mit Problemen umgegangen.

„Fahren momentan auf Sicht“

Nun gehe es für die Merlins darum, wieder einen „gefühlt normaleren Rhythmus reinzukriegen“, so Romig. „Wichtig ist jetzt erst einmal, dass wir das Turnier gut abschließen, großartige Planungen für die neue Saison sind noch nicht möglich. Momentan fahren wir auf Sicht.“ Wenn etwas Ruhe einkehre in den nächsten Tagen, könne man mit den Kaderplanungen für die neue Saison beginnen, auch wenn noch völlig unklar sei, wie und wann es überhaupt weitergehe. „Was ist im Herbst?“

Auch Ingo Enskat stellt sich die Frage, wie der Sommer nach dem Turnier aussehen werde. Noch gebe es keine Entscheidung, welche Teilnehmer des Finalturniers der BBL international spielen werden. Aber: Gibt es überhaupt einen europäischen Wettbewerb, für den sich die Merlins erstmals qualifizieren könnten? Wichtig sei trotzdem eine zeitnahe Entscheidung darüber, mit welchem Trainer die Merlins in die neue Saison gehen werden. „Ich wünsche mir, dass Tuomas den Weg mit uns zusammen weitergeht, weil ich ihn als Mensch und als Trainer sehr schätze. Er hat sich als Trainer sehr gut entwickelt.“ Von der Trainerentscheidung hänge es dann ab, welche Spieler verpflichtet werden, wen der Coach in seinem Team haben wolle. Klar sei, dass der weltweite Transfermarkt ein anderer als bislang sein werde – davon ist Enskat überzeugt. Es werde weniger Geld im System sein, die Verträge werden nicht steigen.
Das BBL-Finalturnier in München wird ein Schaufenster für die Spieler und auch für die gesamte Liga sein. Da derzeit nur der deutsche Profifußball noch zu sehen ist, kann der Basketballsport mächtig Werbung für sich machen. „Der deutsche Basketball steht jetzt im Rampenlicht, und wir haben die Chance, uns von unserer besten Seite zu präsentieren“, sagt Martin Romig.
Der Geschäftsführer glaubt, dass das Niveau des Turniers „über dem einer Europameisterschaft“ stehen werde. „Von der Qualität der Spieler her, ist da kein Fallobst dabei.“ Auch Ingo Enskat ist davon überzeugt, dass die Wertigkeit des Turniers hoch angesiedelt sein werde. „In jedem Spiel geht es um etwas. Schon in der Gruppenphase kann dich ein schlechtes Spiel eine gute Platzierung für die Play-offs kosten.“ Die ersten vier Teams jeder Gruppe rücken ins Viertelfinale vor, dort wird dann über Kreuz gespielt: Platz 1 der Gruppe A gegen Platz 4 der Gruppe B und Platz 2 der Gruppe A gegen Platz 3 der Gruppe B – und umgekehrt.

Favoriten München und Berlin

Welche Mannschaften nun aber schwächer und welche stärker einzuschätzen sind, sei sehr schwierig angesichts der langen Pause, der Spielerwechsel, und: „Wer bleibt von Verletzungen verschont? Wer ist fitter? Wem liegt welcher Gegner besser? Wer kommt mit dem Modus und den vielen Spielen in wenigen Tagen besser klar?“ Enskat glaubt, dass München und Berlin als Topfavoriten in das Turnier gehen, dass dahinter das Rennen aber ziemlich offen sei. „Wir hoffen natürlich, wie alle Mannschaften, dass wir die Vorrunde überstehen.“

Turnierstart am 6. Juni, Finale am 26. und 28. Juni


Spielplan der Merlins:
Samstag, 6. Juni, 16.30 Uhr:
BG Göttingen
Montag, 8. Juni, 20.30 Uhr:
FC Bayern München
Mittwoch, 10. Juni, 20.30 Uhr:
Ratiopharm Ulm
Freitag, 12. Juni, 20.30 Uhr:
EWE Baskets Oldenburg

Die weiteren Runden:
Spiel um Platz 9:
Dienstag, 16. Juni, 20.30 Uhr
Viertelfinale:
Mittwoch, 17., bis Samstag, 20. Juni
Halbfinale:
Sonntag, 21., bis Mittwoch, 24. Juni
Finale:
Freitag, 26. Juni, 20.30 Uhr
Sonntag, 28. Juni, 15 Uhr