Wer nächste Woche alarmiert wird, muss nicht erschrecken. Nicht erreicht zu werden, ist hingegen ein Grund, sich Gedanken zu machen. Stell dir vor, du bist in Gefahr und kriegst nichts mit davon. Was, wenn eine Familie während eines Terroranschlags auf dem Kocher-Jagst-Weg radelt oder die Singlefrau das Wochenende mit einer Familienpackung Eis und einer Netflix-Serie verbringt, nicht ahnend, dass eine Naturkatastrophe droht? Radioaktivität, ein Chemieunfall, ein sich ausbreitender Erreger, Stromausfall in Verbindung mit meterhohen Schneewehen: Am 10. September, dem ersten bundesweiten Warntag, soll um 11 Uhr auf allen Kommunikationskanälen getestet werden, wie gut die Bevölkerung in Notlagen informiert werden kann.

Keine Sirenen mehr einsatzfähig

Der Einsatz von Lautsprecherwagen ist im Crailsheimer Raum möglich, nächste Woche aber nicht geplant; bislang wurden auch keine Sirenen gemeldet. Wenn Kommunen noch Sirenen haben, fehlen in aller Regel digitale Steuerempfänger, um diese über die Leitstelle aktivieren zu lassen. Die Verwaltungen tun sich dann schwer, ihre Sirenen zu reaktivieren und offiziell in die Bevölkerungsalarmierung einzubinden, also zu gewährleisten, dass sich im Notfall jemand findet, der den Knopf drückt. Zudem kennt kaum noch jemand die Signale.
Kämmerer Roland Bach teilt mit, dass sich Blaufelden nicht aktiv am Warntag beteiligen werde. Der Einsatz von Sirenen im Kirchberger Stadtgebiet sei nicht vorgesehen, sagt auch Jürgen Köhnlein vom Ordnungsamt der Stadt. Wie viele Kollegen verweist er auf Amtsblatt-Veröffentlichungen: Auf diesem Weg werde die Bevölkerung über die Installation der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes – NINA – informiert und deren Nutzung empfohlen.

Erprobte App NINA hilft beim Warntag

Wie Bürgermeisterin Jacqueline Förderer in Schrozberg sagt Bürgermeister Kurt Wackler in Satteldorf, die Bevölkerung werde über den anstehenden Probealarm informiert. Wackler meint, er habe NINA seit geraumer Zeit auf dem Smart­phone installiert und in der Vergangenheit mehrfach Kurzinfos zu Schadenslagen, insbesondere zu anstehenden Wetterereignissen erhalten: „Insoweit erwarte ich mir vom Warntag keine weiteren Erkenntnisse.“ Entscheidend sei, wie die Bevölkerung als Vorbereitung auf Schadensereignisse zielgerichtet und effektiv informiert werden könne. Das Landratsamt als Katastrophenschutzbehörde werde dazu wohl Überlegungen anstellen.
Nur noch wenige Gemeinden haben eine Sirene, wie das Beispiel Fichtenau zeigt. Bernhardsweiler (1999), Neustädtlein (2003), Oberdeufstetten und Großenhub (2005), Krettenbach und Wäldershub (2006), Unterdeufstetten und Lautenbach (2013) sowie Matzenbach und Wildenstein im Jahr 2017 haben ihre Sirenen abgebaut. Warum auch nicht, es gab andere Wege, die Feuerwehr zu alarmieren. Nach der Einführung der digitalen Meldeempfänger seien auch die restlichen Sirenen für die Alarmierung der Feuerwehr nicht länger notwendig gewesen, sagt Jochen Trollmann vom Hauptamt: „Wir sind deshalb sehr gespannt, wie der Probealarm am ersten bundesweiten Warntag ablaufen wird.“
„In Crailsheim sind keine Sirenen mehr in Betrieb, sodass am Aktionstag keine Sirenentests stattfinden können“, sagt auch Michaela Butz, die für die Verwaltung spricht: „Dennoch ist es uns wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren.“ Die Stadt werde ihre Kommunikationskanäle nutzen und wiederholt informieren.

Warnsignale sind „überlebenswichtig“

Ähnliche Aussagen kommen aus den meisten Städten und Gemeinden, die sich derzeit auf den Warntag vorbereiten, um in Zukunft rechtzeitig warnen und die Menschen besser vor Risiken schützen zu können. Die Gemeindeverwaltung Rot am See verweist auf eine Stellungnahme der Feuerwehr: Kommandant Klaus Pressler sagt, es könne „überlebenswichtig sein, zu wissen, wie man sich im Ernstfall verhalten“ und auf extreme Wetterlagen, Stromausfälle oder Feuer vorbereiten könne. Dafür müsse man aber erreichbar sein und die Warnsignale kennen.

Auf vielen Wegen

Neben den begrenzten Möglichkeiten der Kommunen gibt es das „Modulare Warnsystem (MoWaS)“ des Bundes. An dieses System sind sogenannte Warnmultiplikatoren wie Radiosender und App-Server angeschlossen. Diese versenden die Probewarnung in ihren Programmen oder eben an die Endgeräte wie Apps oder Radios. Radio- und Fernsehsender im ganzen Land werden ihre Sendungen unterbrechen.

Info


Wer rechtzeitig gewarnt wird und weiß, was zu tun ist, kann sich in einem Notfall, in dem es auf Minuten ankommen kann, besser selbst helfen. Gleichzeitig soll der Warntag, der künftig an jedem zweiten Donnerstag im September organisiert wird, technische Warnsysteme flächendeckend testen. Weitere Infos gibt es unter https://warnung-der-bevoelkerung.de/