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Crailsheim
Crailsheim / Birgit Trinkle  Uhr
Kultusministerin Susanne Eisenmann ist  im Rahmen der Aktion „Mitreden“  zu Gast in Crailsheim, wo sie sich über eine Stunde den Fragen der Crailsheimerinnen stellt.

Der junge Mann, der in zwei Jahren sein Abi machen will, sorgt sich: Im neuen Schuljahr greift eine Oberstufenreform und er kann nicht einschätzen, wie sich das auswirken wird. Dr. Susanne Eisenmann, Baden-Württembergs Kultusministerin, setzt sich auf dem Crailsheimer Marktplatz ernsthaft mit ihm und mit seinem Thema auseinander. So, wie sie auch auf alle anderen Fragen insbesondere zum Schulwesen im Land eingeht.

„Wir haben tolle Lehrer; deren Arbeit ist nicht leichter geworden“, sagt die Ministerin, als es darum geht, dass Schule mehr und mehr Erziehungsarbeit leisten soll. Mit gutem Grund ist ihre Dialogreihe „Elternabend“ Chefinnensache – dabei geht es darum, Eltern und Lehrer zusammenzubringen, unrealistischen Vorstellungen auf der einen und Überforderung auf der anderen Seite zu begegnen.

Weil es aber ein eher informeller Termin ist, heftige Windstöße, Rührkuchen und Kaffee inbegriffen, gibt es immer wieder auch private Einblicke. Als sie sich mit dem CDU-Abgeordneten Christian von Stetten über dessen vierjährige Tochter unterhält, prophezeit sie für die Zukunft ganz andere Themen: „Sobald im Freundeskreis ein Kind eingeschult wird, ändern sich die Gespräche in meiner Gegenwart grundlegend.“ Mit Talip Kavlak spricht die Ministerin über den „HoLa“, den horizontalen Laufbahnwechsel in eine andere Schulart, erschrickt darüber und lacht: Sie sei mal angetreten, um mit all den furchtbaren Abkürzungen aufzuräumen, jetzt ertappe sie sich selbst dabei.

Die Abiturprüfungen an den allgemein bildenden Gymnasien sind am Dienstag mit einem neuen Verfahren gestartet. Erstmals erhielten die Schulen die Aufgaben auf einem USB-Stick.

Die Gründelhardterin Anne Bronner kritisiert, dass im Rahmen der von Eisenmann initiierten Veranstaltungsreihe „Bildung – Zukunft – Wirtschaft“ der Beginn früher Bildung mit Einschulung gleichgesetzt worden sei: „Das fängt doch viel früher an.“ Zudem findet sie, dass Erzieherinnen mehr Geld und mehr Anerkennung verdient hätten, und Susanne Eisenmann stimmt uneingeschränkt zu. Dass der Gesellschaft „zunehmend Wertschätzung und Respekt abhandenkommen“, hält auch sie für ein zentrales Problem, das gar nicht früh genug angegangen werden könne. „Bei Kindern kommt an, was Eltern ihnen erzählen.“

Ausflug in die Landespolitik

Unter anderem vom stark vertretenen CDU-Stadtverband sowie von der Gemeinderatsfraktion erfährt Eisenmann viel Zuspruch. Matthias Weinrich meint, sie hätte zur CDU-Landesvorsitzenden gewählt werden sollen. Ein hal­bes Dutzend ähnliche Aussagen sollen Eisenmann Mut machen für eine Spitzenkandidatur 2021. Die Ministerin wehrt ab; jetzt stehe die Europawahl an, alles andere sei kein Thema – aber dass sie sich über die Anerkennung freut, ist ihr anzusehen. Unterdessen füllen vor allem Frauen die „Wo drückt der Schuh“-Karten aus, die von der Frauen-Union ausgelegt werden.

Die „Gläserne Decke“ besteht

Eisenmann sagt aus ihrer Erfahrung heraus, dass, „leider“, die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit noch immer Frauenthema ist. Vor allem geht sie auf die „Gläserne Decke“ ein, die für junge Frauen allen gegenteiligen Aussagen zum Trotz eben doch ein Problem sei. „So viele selbstbewusste Frauen, die das auch kommunizieren, sprechen davon, eine Bremse zu spüren.“ Bei zu vielen Bewerbungsgesprächen spiele die Frage nach der Familienplanung eine Rolle. Der Blick auf den Frauenanteil in Spitzenpositionen spreche Bände. Sie selbst hat diese „Gläserne Decke“ nicht erfahren, sagt sie, führt das aber vor allem darauf zurück, dass sie nach der Arbeit in Landtagsfraktion und Landtagsverwaltung recht früh in ein Wahlamt wechselte. „Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass eine Frau (Andrea) Nahles oder eine Frau (Manuela) Schwesig unweigerlich gefragt werden, wie sie das mit der Familie hinkriegen, während das bei Männern nie Thema ist?“

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Crailsheimer Aktion

Anneliese Müller hat den Ministerinnen-Besuch initiiert, als sie sich für Crailsheimer Frauen die Möglichkeit wünschte, im Gespräch mit Politikerinnen Fragen, Wünsche, Anregungen loszuwerden. Dass daraus, wie im vergangenen Jahr, eine „Aktion Mitreden – Wo drückt frau der Schuh“ der Frauen-Union Baden Württemberg entstehen und die Kultusministerin persönlich nach Crailsheim kommen würde, habe ihre Hoffnungen bei Weitem übertroffen. Organisiert wurde das Ganze dann von der Frauen-Union des CDU-Kreisverbands Schwäbisch Hall, dessen Vorsitzende Marion Straube die Gespräche koordinierte. Begrüßt wurde Eisenmann von der Drumline-AG um Dirk Feuchter.

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