Drogerien gehören in der Corona-Krise zu den systemrelevanten Geschäften und dürfen deshalb im Gegensatz zu vielen anderen Läden geöffnet bleiben. Allerdings warten viele davon über ihr Drogerieangebot hinaus auch mit Haushalts-, Spielwaren-, Schreibwaren- und Multimedia-Abteilungen auf - eine Gemeinsamkeit mit großen Einkaufsmärkten wie Rewe oder Kaufland. Während sich viele Kunden darüber freuen, Produkte kaufen zu können, die sie anderweitig momentan nicht bekommen, ist dies anderen Händler, die solche „nicht systemrelevanten“ Produkte ebenfalls verkaufen und ihre Geschäfte schließen mussten, zuweilen ein Dorn im Auge. Und mancherorts sehen Handelskammern und Stadtverwaltungen dies auch als „Wettbewerbsverzerrung“. Deshalb muss beispielsweise der Müller-Drogeriemarkt in Ulm seine nicht systemrelevanten Abteilungen nun schließen - weil der Anteil der anderen Abteilungen am Sortiment zu hoch war.

In Crailsheim unterdessen geht in den Drogerien wie in den Supermärkten bislang alles seinen gewohnten Lauf. Wer in den Filiale von Müller in der Wilhelmstraße und der Filiale von Rossmann in der Karlstraße vorbeischaut, erkennt: Alle Abteilungen sind nach wie vor geöffnet.

In den Crailsheimer Drogerien und Supermärkten überwiegen die erlaubten Produkte

Christian Herse, Pressesprecher der Crailsheimer Stadtverwaltung erklärt warum: „Die Stadtverwaltung Crailsheim bewertet die Situation in den Drogerien und Supermärkten entsprechend so, dass dort zwar durchaus auch Waren verkauft werden, die nicht systemrelevant sind, der Anteil der zum Leben benötigten Waren jedoch überwiegt und deshalb keine Schließungen notwendig sind.“ Zwar musste die Müller-Drogerie im März ihre Abteilungen, die über Drogerie und Lebensmittel hinausgehen, auf Anweisung des Ordnungsamts kurzfristig schließen - durfte sie dann aber wieder öffnen. „Der Hintergrund dieser Maßnahme war, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine Differenzierung in der Rechtsverordnung existierte, dies jedoch zeitnah geändert wurde, sodass wir den Verkauf auch wieder rasch freigeben konnten“, so Herse.

Mittlerweile regelt die Rechtsverordnung „CoronaVO“ sehr genau, welche Geschäfte und Einrichtungen geöffnet haben dürfen und welche möglicherweise nur unter besonderen Vorkehrungen. Bei Geschäften mit sogenannten Mischsortimenten gilt: Wenn der erlaubte Sortimentsanteil überwiegt, wird der Verkauf des eigentlich unerlaubten Anteils gestattet. Überwiegt der verbotene Teil, darf nur der erlaubte Teil weiter verkauft werden, wenn eine räumliche Abtrennung möglich ist.

Corona-Rechtsverordnung ist mittlerweile konkret

Aktuell sieht die Stadtverwaltung daher keinen Grund, nicht systemrelevante Teilbereiche in Geschäften schließen zu lassen. „Zu Beschwerden anderer Geschäfte, wie Blumen- oder Fahrradhändler, ist es bislang in Crailsheim nicht gekommen“, teilt der Pressesprecher mit.

Aufgrund der zunächst nicht sehr konkreten Corona-Rechtsverordnung war es in Crailsheim anfangs auch an anderer Stelle zu Unsicherheiten gekommen. Da die zuerst gültige Fassung der Verordnund Einrichtungen zur Aufrechterhaltung des systemkritischen Bereichs - darunter die Telekommunikation - den weiteren Betrieb gestattete, dachte der Betreiber eines Crailsheimer Handyladens, dass er weiter öffnen dürfe. Dies war jedoch nicht der Fall. Später wurde der Teil der Verordnung aber ebenfalls konkretisiert - mittlerweile sind lediglich „Servicestellen von Telekommunikationsunternehmen“ gestattet.