Am Freitag war Aktionstag im Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) – alle Artikel kosteten einen Euro. Alle fünf bis zehn Minuten kamen am Vormittag neue Kunden in das Geschäft in der Langen Straße, um durch Schuhe, Pullover oder Mäntel zu stöbern. Beraten wurden sie dabei von den ehrenamtlichen Mitarbeitern, eine von ihnen ist Barbara Uhl.

Die 71-jährige Crailsheimerin ist bereits seit 2012 im Team des Kleiderladens – damals nur einmal im Monat, heute bis zu dreimal in der Woche. Wenn sie dort ist, hat sie verschiedene Aufgaben: Uhl nimmt die neue Kleidung an, überprüft sie, hängt sie im Laden auf und verkauft sie anschließend.

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Hayingen

Das Ehrenamt gehört für Barbara Uhl fest dazu

Das Annehmen und das Überprüfen sind wichtig, denn alle angebotenen Kleider sind Spenden. Kaufen kann diese dann jeder zu niedrigen Preisen, die meist unter zehn Euro liegen. Es sei ein Vorurteil, dass der Kleiderladen nur für Bedürftige da ist und keine schöne Kleidung anbietet, so Uhl. „Wir sind ein Secondhand-­Geschäft mit dem DRK-Logo.“

Zu ihrer Arbeit motiviert die Crailsheimerin ihr soziales Engagement. Dass ihr das wichtig ist, wird deutlich: Sieben Jahre lang half Uhl bei der Crailsheimer Tafel aus, als diakonische Schwester arbeitete sie mehr als ein Jahrzehnt im Diak Schwäbisch Hall und weitere zehn Jahre war sie als Gemeindeschwester tätig. „Ich mag den Umgang mit Menschen“, sagt sie.

Ursprünglich machte die 71-Jährige eine Ausbildung, die nicht im sozialen Berufsfeld liegt. Sie schloss eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann ab – so hieß die Berufsbezeichnung früher unabhängig vom Geschlecht, erzählt Uhl.

Die Arbeit muss Spaß machen

Später legte sie zwei Staatsexamen ab, eines in Hauswirtschaft und eines in der Altenpflege. Letzteres war die Voraussetzung für ihre Tätigkeit als Gemeindeschwester. Gerne hätte Uhl schon damals ein Ehrenamt übernommen. Doch das war aufgrund der Schichtarbeit in der Pflege nicht möglich. Erst kurz nach Renteneintritt kam sie schließlich zum Kleiderladen.

Mittlerweile kennt Uhl den Unterschied zwischen einem Ehrenamt und einem Beruf genau: „Das Ehrenamt muss dir Spaß machen. Wenn es dir keinen Spaß macht, dann kannst du es vergessen.“ Im Arbeitsleben hingegen könne es auch mal anstrengend werden.

Nicht nur im Laden, sondern auch in ihrer Freizeit beschäftigt sich die 71-Jährige mit Kleidung. Wenn sie zu Hause ist, strickt sie gerne, am liebsten Socken. Zu Hause, das liegt bei Uhl auf dem Kreuzberg. Hier wohnt sie mit ihrem Mann in einem Haus. Ihre beiden Kinder sind ebenfalls dort aufgewachsen.

Doch Uhl war nicht immer Crailsheimerin: Geboren ist sie im Erzgebirge in der DDR. Im Alter von sieben Jahren flüchtete sie zusammen mit ihren Eltern nach Westdeutschland. Seither lebt sie in Crailsheim. Den Wunsch, diese Stadt irgendwann wieder zu verlassen, hätte sie nie gehabt. Auch weil ihr Ehemann gebürtig aus Hohenlohe stammt, blieb sie in der Horaffenstadt.

Ein Ehrenamt auf lange Zeit

Wenn es nach Uhl ginge, könnte sie noch viele weitere Jahre im Kleiderladen bleiben. „Die Arbeit ist körperlich nicht schwer. Ich denke, das könnte ich auch mit 80 noch machen“, so die Crailsheimerin. Ihr gefällt es im Kleiderladen. „Wir sind ein gutes Team. Wir haben einen schönen Laden und tolle Kollegen.“