Den Bohrer für ein ganz besonders dickes Brett hat der frühere FDP-­Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger an seinen Nachfolger Stephen Brauer weitergereicht: Zusammen mit einer Handvoll Bürger rührte das liberale Duo bei einer Zugfahrt nach Mittelfranken erneut die Werbetrommel für eine Verlängerung der Nürnberger S-Bahn nach Crailsheim. Bislang endet die Linie S 4 in Dombühl.

Bei den Kommunalpolitikern in Schnelldorf und in Dombühl mussten die FDP-Politiker freilich keine Überzeugungsarbeit leisten: In beiden Gemeinden steht die grenzüberschreitende Verlängerung der S-Bahn nach Crailsheim ganz weit oben auf der Wunschliste.

Funkstille führt auf Machbarkeitsstudie zurück

Die Schnelldorfer Rathaus-Chefin Christine Freier hat eine Bürgerinitiative hinter sich, die sich sehr engagiert für das Projekt einsetzt. Überhaupt haben diesseits und jenseits der Landesgrenze sämtliche Parteien zum Beispiel in den Kreistagen von Ansbach und Schwäbisch Hall für den Lückenschluss votiert.

Positive Signale gibt es auch aus den Verkehrsministerien beider Bundesländer – wobei die bayerische Seite ihre ursprüngliche Haltung, wonach man keinen Nutzen in der S-Bahn-Verlängerung sehe, inzwischen relativiert hat und eine Realisierung immerhin als „fahrplantechnisch machbar“ einstuft. In Stuttgart stößt das Vorhaben, die beiden Wirtschaftsräume Hohenlohe und Mittelfranken auch per Gleis zu verbinden, grundsätzlich auf politisches Wohlwollen. „Jeder sagt, wir wollen die Verlängerung, aber nichts passiert“ – so kommentierte Bürgermeisterin Christine Freier die aktuelle Lage.

Womöglich steckt hinter der Funkstille eine Machbarkeitsstudie, die derzeit im Auftrag des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) angefertigt und von den beiden Landkreisen Schwäbisch Hall und Ansbach mitfinanziert wird.

Die Expertise soll bis September auf dem Tisch liegen und verlässliche Zahlen über das Fahrgastpotenzial und die voraussichtlichen Kosten liefern. Bis dahin dürfte sich in den Chefetagen der beteiligten Länder-Behörden nicht viel bewegen. Überhaupt gehen die S-Bahn-Befürworter davon aus, dass vor dem Jahr 2025 wohl keine S-Bahn in Richtung Crailsheim fährt.

In die Studie dürfte zum Beispiel auch einfließen, dass derzeit täglich 1800 Berufspendler aus Bayern allein nach Crailsheim unterwegs sind – umgekehrt fahren 900 Pendler aus Crailsheim über die Landesgrenze. Eine zusätzliche S-Bahn-Verbindung böte hier gänzlich neue Chancen für den Nahverkehr, die übrigens auch von zahlreichen Unternehmen hüben wie drüben sehr begrüßt würden.

Umbauten wären für S-Bahn-Verlängerung notwendig

Dr. Friedrich Bullinger pocht nach wie vor auf einen zeitlich beschränkten Probebetrieb bis Crailsheim. „Ich bin überzeugt, dass die S-Bahn ganz sicher ein Renner wäre“, sagt der Kreisrat: „Dafür müssten auch nicht gleich alle Richtlinien umgesetzt werden.“

Dr. Bullinger meint damit die Vorgaben für eine S-Bahn: Sowohl in Schnelldorf als auch in Crailsheim wären Umbauten fällig, um Gleise und Züge barrierefrei erreichen zu können. Jedenfalls fährt die S 4 schon jetzt zuweilen bis zum Crailsheimer Bahnhof, um ausgefallene Regionalzüge auf der Strecke zu ersetzen.

Keine Probleme mit einer Verlängerung der Strecke hat auch der Dombühler Bürgermeister Jürgen Geier – ganz im Gegenteil: „Es wäre schön, wenn wir die beiden Regionen noch enger miteinander verbinden könnten.“ Auch seine Kommune habe davon nur Vorteile, wenn etwa Schüler aus Bayern weitaus besser die Bildungsstätten in Crailsheim erreichen könnten. Jürgen Geier geht davon aus, dass die Studie die Nachfrage belegen wird: „Und wenn dann noch die Bahnlinie nach Dinkelsbühl reaktiviert wird, dann wäre Dombühl wieder ein Bahnknotenpunkt wie früher.“

Als nächsten Schritt plant der Landtagsabgeordnete Stephen Brauer eine parlamentarische Ini­tiative, die klären soll, ob ein Argument aus Bayern tatsächlich stichhaltig ist: Aus dem Münchner Verkehrsministerium hieß es, dass möglicherweise Bundesmittel zurückgefordert werden könnten, falls am Betriebskonzept für die S 4 bis nach Dombühl etwas geändert werde.

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