Post- und Paketzusteller verrichten momentan eine wichtige Arbeit. Durch Ausgangsbeschränkungen und Quarantäneregeln bestellen die Menschen vermehrt alles Mögliche online. Einerseits, weil zeitweise viele Läden geschlossen waren und andererseits weil manche Menschen aus Angst vor Ansteckung die eigenen vier Wände nur ungern verlassen. „Das Sendungsaufkommen kann es locker mit der Vorweihnachtszeit aufnehmen“, sagt Postmitarbeiterin Katja Scharkowski aus Altenmünster.

Scharkowski arbeitet bei der Deutschen Post in Crailsheim als Zustellerin. Mehr als zehn Jahre übt sie ihren Beruf nun schon aus. Durch die Corona-Krise hat sich ihr Arbeitsalltag verändert. Es beginnt damit, dass jetzt in Schichten gearbeitet wird. Um den Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten, möglichst wenige Leute auf einmal im Postamt zu haben und natürlich für den Fall einer Corona-Infektion gibt es Früh- und Spätschichten. Die Arbeitszeit kann bis in den Abend hineinreichen. Offizieller Dienstschluss für die zweite Schicht ist um 19.30 Uhr.

Scharkowski ist Mutter, die neuen Arbeitszeiten stellen sie vor besondere Herausforderungen. „Ich kann mein Kind nicht in den Kindergarten bringen. Außerdem muss ich wirklich sehen, wie und wo ich mein Kind bis zu dieser späten Uhrzeit unterbringe.“ Das Arbeitsleben greift in ihr Privatleben ein und verändert es grundlegend.

Bei der Zustellung halten die Postmitarbeiter die Abstands- und Hygieneregeln ein. „Jeder nicht unbedingt notwendige Kontakt zu den Kunden wird vermieden.“ Bei der Paketübergabe unterschreiben die Kunden mittlerweile nicht mehr selbst, der Postmitarbeiter erledigt das in ihrem Auftrag. Der Scanner und der Stift dürfen nicht aus der Hand gegeben werden. „Wir legen Paketsendungen jetzt auch bevorzugt an den Plätzen der Ablageverträge ab“, erzählt die 35-Jährige. Kontrolliert wird das Einhalten der Regeln von den Leitern des Zustellstützpunktes wie auch den zuständigen Kollegen aus Schwäbisch Hall.

Das Verhalten der Kunden habe sich auch verändert, berichtet Scharkowski. „Einige sind extrem verängstigt, wollen das Paket vor die Tür gestellt bekommen. Andere scheinen die Situation nicht allzu ernst zu nehmen und kommen schon fast zu nah.“

Mehr Onlineshopping: Postmitarbeiter sind gefordert

Das vermehrte Onlineshopping fordert die Postmitarbeiter zusätzlich. „Wir haben gerade den gleichen Stress wie vor Weihnachten – allerdings mit dem großen Unterschied, dass kein wirkliches Ende in Sicht ist“, sagt die Crailsheimerin. Es wurden aber auch schon Maßnahmen ergriffen, die den Arbeitsalltag erleichtern sollen. „Wir haben eine Entlastung durch unsere Dorfzusteller, die eigentlich nur an Weihnachten in den Einsatz kommen. Sie übernehmen jetzt einen Teil der Briefpost.“

Angst vor einer Infektion hat Scharkowski nicht, sie fürchtet nur, dass sie ältere Familienmitglieder anstecken könnte. „Ich halte mich an die Abstandsregeln, desinfiziere und wasche meine Hände und achte darauf, gegebenenfalls einen Mundschutz zu tragen.“ Aber das Händedesinfizieren und vor allem das Waschen ist während der Zustellung alles andere als einfach.

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Trotz allem ist die Zustellerin froh, dass sie überhaupt noch arbeiten kann. „Kurzarbeit droht uns zum Glück nicht. Ich arbeite gern und bin froh, dass mir mein Job erhalten bleibt.“ Für die Zukunft erhofft sie sich weitere Lockerungen der bestehenden Maßnahmen. „Es wäre schön wenn es den Schichtplan nicht mehr gäbe. Außerdem hätte ich gern wieder den gewohnten Kontakt zu den Kunden, den ich sehr genieße.“ Entspannter wäre die Arbeit auch, wenn die Menge der Paketsendungen zurückgehen würde.

Rückstellungen bei den Sendungen gibt es in Crailsheim kaum. Scharkowski erzählt: „Im Gegensatz zu anderen Anbietern sind wir noch sehr zuverlässig. Die Post legt großen Wert darauf, dass alles, was da ist, zugestellt wird.“ Manchmal sei aber auch der eisernste Wille nicht genug, und die Arbeit werde einfach zu viel. Hier wäre mehr Verständnis der Kunden wünschenswert, meint die Crailsheimerin. Die Zusteller leisteten in ihrem Beruf sowieso schon viel, das Coronavirus erleichterte ihnen die Arbeit nicht unbedingt. „Aber die meisten Kunden würdigen unsere Arbeit“, so Scharkowski. „Manche legen uns als Dank eine Tafel Schokolade vor die Tür – da freut man sich natürlich sehr.“