Keine gute Nachricht: Die Instandsetzung des schwer beschädigten Bleichestegs wird rund 930.000 Euro kosten. Auch wenn mit 350.000 Euro an Fördermitteln gerechnet wird, muss die Stadt über eine halbe Million Euro ausgeben. Gebaut wird ab Sommer 2020. Wie alle Bauwerke werden auch die Brücken regelmäßig überprüft. Bei der letzten Untersuchung des Bleichestegs wurde die Note 3,0 vergeben, die nichts mit Schulnoten zu tun hat – die Drei in diesem Zusammenhang bedeutet „nicht ausreichender Zustand“; bei einer Vier müsste gesperrt werden.

Bereits beim Brückenbau vor 30 Jahren ist wohl einiges schiefgegangen. „Entscheidend ist, dass ein solcher Bau von oben dicht ist. Das war bislang nicht gegeben“, sagt Gerhard Schacht, Leiter des Ressorts Bauen und Verkehr der Stadtverwaltung. Er spricht von diesem Steg als einem „Sorgenkind“ der Stadt.

In seiner Präsentation hat Schacht dem Gemeinderat die Schäden und deren Entstehungsgeschichte im Detail erläutert. Das Gremium verzichtete auf Schuldzuweisungen und stimmte der Ausgabe einstimmig zu.

Crailsheim

Bleichesteg hat große Mängel

Zunächst war der Leim in den Blockfugen des Brückenträgers wohl von Anfang an nicht geeignet. Die unzureichende Verleimung der Blöcke kann durch eine Schrägverschraubung ausgeglichen werden. Diese Instandsetzung ist, so Schacht, immer noch günstiger als ein Neubau.

Dann sind, für alle offensichtlich, die Gehbahnplatten aus Stahlbeton gerissen und ausgebrochen; zwischen den Platten sind Fugen undicht, die Nutzschicht darunter wurde in Mitleidenschaft gezogen. Das wird alles entfernt und durch eine tragende Holz-Mehrschichtplatte sowie GFK-Planken ersetzt. GFK steht für glasfaserverstärkten Kunststoff, der zunehmend als Belag für Fußgänger- und Radwege genutzt wird. Dieser Belag gilt als wasserundurchlässig, kann rutschhemmend ausgeführt werden, und er widersteht der Witterung ebenso wie Tausalz.

Holzgeländer wird von Stahl abgelöst

Zur fehlenden Abdichtung des Überbaus von oben kommen defekte oder verstopfte Entwässerungsrinnen unter den Fugen: Dem lässt sich durch die neue Dicht-Ebene begegnen, zudem soll ein Blechüberhang als Abtropfkante dienen und auch seitlich vor Regen und Schnee schützen.

Das 1,10 Meter hohe Holzgeländer ist verschlissen und war ohnehin nicht auf Dauerhaftigkeit ausgerichtet. Wie beim benachbarten Herrensteg soll es stattdessen ein 1,30 Meter hohes Stahlgeländer mit Edelstahl-Seilnetzführung und LED-Handlauf­beleuchtung geben. Die beiden Brücken werden einander optisch weitgehend entsprechen.

Die Stadtwerke verlegen vorab ihre Gasleitung; die bisher genutzten Mantelrohre sind verrostet. Auch sonst liegt einiges im Argen: Korrodierte Muttern und Zugstangen werden ersetzt, ebenso die bislang nicht wasserdichten Übergangskonstruktionen.

Die bestehende Breite kann aus statischen Gründen nicht erhöht werden. Ein möglicher Zugang zur Bleicheinsel lässt sich nachträglich herstellen, an die entsprechenden Voraussetzungen dafür wird schon jetzt gedacht. Radverkehr soll wie bislang in Absprache mit der unteren Verkehrsbehörde zugelassen werden.

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Blick auf das Sorgenkind Bleichesteg


Der Bleichesteg wurde 1988/89 gebaut und zuletzt 2013 saniert.
Er ist 79,20 Meter lang, drei Meter breit und überspannt die Jagst, die Bleicheinsel und den Mühlkanal.
Getragen wird er von 85 Zentimeter hohen Blockleimträgern in einer dreiteiligen Konstruktion mit Lagerungsabständen zwischen 22 und 29 Meter.

Info Angedacht ist ein Baubeginn im Sommer 2020, gebaut wird rund vier Monate. Die Arbeiten sind nur unter Vollsperrung möglich, Fußgänger und Radfahrer werden über den Herrensteg umgeleitet. Die Stadtwerke werden ihre neue Gasleitung voraussichtlich bereits in diesem Sommer verlegen.