Die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum war die Idee der Gründungsväter der Baugenossenschaft Crailsheim, die im April 1919 das Gründungsprotokoll unterzeichneten. Hundert Jahre später stellten der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Belzner und der Vorstandsvorsitzende Thomas Münkle am Freitagabend bei der 91. Mitgliederversammlung in der Turn- und Festhalle Ingersheim fest, dass die Aufgabe dieselbe geblieben ist: Noch immer lautet das Hauptanliegen der Baugenossenschaft, ihren Mitgliedern bezahlbare Mietwohnungen anzubieten.

Die Genossenschaft ist dabei sehr erfolgreich: Die Durchschnittsmieten liegen bei einem Quadratmeterpreis von knapp über 5 Euro. „Aufgrund aktueller Grundstückspreise, dem geltenden Baurecht und den Baukosten fällt es aber auch uns zunehmend schwer, gerade bei Neubauvorhaben noch bezahlbare Mietwohnungen zu erstellen“, sagte Klaus Belzner.

Die Geschäftspolitik der Baugenossenschaft sei von jeher geprägt von Solidarität und Stabilität und damit auch von nachhaltigem Erfolg, erinnerte Thomas Münkle, der das Geschäftsjahr 2018 Revue passieren ließ und den Jahresabschluss vorlegte. 574 Wohnungen, sieben Gewerbeeinheiten, 136 Garagen und 291 Parkplätze gehören zum Bestand der Genossenschaft. Das entspricht einer Wohn- und Gewerbefläche von rund 42.700 Quadratmetern. Mehr als 850.000 Euro – komplett aus Eigenmitteln finanziert – wurden im vergangenen Jahr in Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen gesteckt.

Crailsheim

Die Finanzlage sei solide und geordnet, führte Münkle aus. Er verkündete einen Bilanzgewinn 2018 in Höhe von 493.000 Euro und schlug den Mitgliedern neben einer Dividende von vier Prozent einen Jubiläumsbonus von zwei Prozent vor. In Summe wird also eine sechsprozentige Dividende ausgeschüttet. Ziel des wirtschaftlichen Handelns sei jedoch nicht die Rendite, sondern die Sicherung bezahlbaren Wohnraums.

„Wir sind konservativ, weil wir unseren Bestand bewahren und ihn vor Spekulationen sichern. Unsere Mietwohnungen sind Sozialgut“, so Münkle. Die bezahlbaren Mieten wirkten bremsend auf die zum Teil ungehemmten Mietpreiserhöhungen und sicherten das bis dato funktionierende System des Wohnungsmarktes, „geprägt von sozialem Frieden und funktionierenden Nachbarschaften in den Crailsheimer Quartieren“.

Bonn/Crailsheim

Beiderseitiger Vorteil

Stadtarchivar Folker Förtsch, der einen Rückblick auf die hundertjährige Geschichte vortrug, erinnerte daran, dass die Stadt Crailsheim, die vor 60 Jahren beitrat, von Anfang an eng mit der Genossenschaft zusammenarbeitete. Den damaligen Bürgermeister Friedrich Fröhlich und Stadtbaumeister Georg Weick beschrieb er als wichtige Gründungsväter. „Die Zusammenarbeit war zum beiderseitigen Vorteil“, so Förtsch: „Die Baugenossenschaft profitierte von der Baulandpolitik der Stadt und von städtischen Bürgschaften. Auf der anderen Seite unterstütze die Baugenossenschaft die städtebaulichen Programme.“

Die Baugenossenschaft habe in den letzten 100 Jahren nicht nur Tausenden von Crailsheimern, Zugezogenen, Flüchtlingen und Vertriebenen zu Wohneigentum oder günstigem Mietwohnraum verholfen und damit deren Lebensqualität verbessert. „Sie hat mit ihrer Tätigkeit auch einen wesentlichen Beitrag geleistet zum sozialen Frieden in der Stadt“, so Förtsch.

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Mitglieder zählt die Baugenossenschaft Crailsheim im hundertsten Jahr ihres Bestehens. Bei der Gründung waren es 69, den Mitglieder-Höchststand gab es 1994 (1426).