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Crailsheim
Jena / Klaus Helmstetter  Uhr
Die Crailsheimer Korbjäger müssen beim Absteiger gewinnen, um Aktien im Rennen um den Ligaverbleib zu behalten.

„Du hast keine Chance, aber nutze sie!“ Dieser Spruch von Herbert Achternbusch, einem deutschen Schriftsteller und Filmregisseur, der sich mit avantgardistischen Filmen einen Namen gemacht hat, trifft irgendwie auch auf die sportliche Situation der Merlins in der BBL zu. „Wir haben unser Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand, können es aber rechnerisch noch schaffen“, formuliert Ingo Enskat, der sportliche Leiter. „Dafür müssen wir zwei Mal, am Freitag in Jena und am Sonntag gegen Oldenburg als Sieger aus der Halle gehen.“ Gleichzeitig darf der Konkurrent aus Bremerhaven, der aus den Spielen gegen die Crailsheimer den besseren direkten Vergleich aufweist, keine seiner Begegnungen gegen Alba Berlin und den Mitteldeutschen BC für sich entscheiden. Zwei Spiele mit Endspielcharakter also.

„Natürlich hängt einem immer das letzte Spiel nach“, blickt Enskat zurück. „Und sich – so wie gegen Göttingen geschehen – aus der Arena Hohenlohe zu verabschieden, ist natürlich frustrierend.“ Wo lag, mit ein paar Tagen Abstand betrachtet, gegen die BG der Hase im Pfeffer? „Schwer zu sagen“, überlegt Ingo Enskat. „Auch wenn es vielleicht paradox klingt: Unser Auftritt wirkte phasenweise, als hätten wir nicht die nötige Spannung, gleichzeitig schien die Mannschaft aber auch irgendwie verspannt. Und in diesen Strudel hat sie sich mit zunehmender Zeit immer weiter hineinmanövriert.“

Martin Romig, Geschäftsführer der Merlins, bläst in dasselbe Horn. „Natürlich waren wir gefrustet nach dem Spiel vom letzten Freitag. Aber wir müssen die Chancen beim Schopf packen, die sich ergeben. So konfus wie in diesem Spiel wird die Mannschaft bestimmt nicht noch einmal auftreten.“ Die Ursachenforschung ist freilich schwierig. „Wenn man immer genau wüsste an was es liegt, wäre man schlauer. Vielleicht hat doch eine gewisse Übermotivation eine Rolle gespielt. Dann gehen die ersten Bälle nicht rein. Das baut den Gegner auf und Göttingen war auch wirklich gut.“

Die Mannschaft von Coach Tuomas Iisalo zieht für ihr letztes Heimspiel gegen Oldenburg in die Würzburger Halle um.

Hakro Merlins wollen nach vorne schauen

„Jetzt haben wir eine ähnliche Situation wie vor dem Spiel beim MBC. Die hat die Mannschaft seinerzeit mit Bravour gelöst. Ich denke, wir müssen die Situation auch ein wenig trotzig angehen. Dafür können wir keine Leute brauchen, die den Kopf hängen lassen. Das tun die Jungs auch nicht. Zumal die rechnerische Möglichkeit auf den Klassenerhalt noch gegeben ist“, befindet Ingo Enskat.

Science City Jena, in der letzten Spielzeit noch 13. nach der Hauptrunde, steht als erster Absteiger  fest. Die Thüringer sind mit zuletzt 13 Niederlagen in Serie auf dem letzten Tabellenplatz gelandet und müssen nach drei Bundesligajahren wieder zurück in die Pro A. Chefcoach Björn Harmsen, der einen unbefristeten Vertrag besitzt, hatte sein Amt vor knapp einem Monat in gemeinsamer Entscheidung mit dem Club an seinen litauischen Assistenztrainer Marius Linartas übergeben. Aber auch diese Maßnahme konnte die Misere nicht stoppen.

Ganz positive Erinnerungen verbinden die heimischen Basketballanhänger mit dem Hinspiel im Oktober. Damals setzten sich die Merlins am vierten Spieltag deutlich mit 101:78 Punkten in der Arena Hohenlohe durch. Das ist lange her. „Jetzt geht es wieder bei 0:0 los. Wir wollen natürlich unsere Chance suchen und unser gesamtes Potenzial in die Waagschale werfen“, so Martin Romig. „Und die Spieler aus Jena sind sicherlich Profi genug, um sich entsprechend von ihrem Publikum zu verabschieden. So haben sie auch gespielt, nämlich nicht wie ein Absteiger: Dafür muss man sich nur die letzten Ergebnisse etwa gegen Bonn oder Berlin vor Augen führen.“

Eine lange Shoppingnacht braucht natürlich ihre Ankerpunkte. Einer davon ist ein Public Viewing des Merlins-Spiels.

Prinzip Hoffnung

„Wir können das Spiel gegen Göttingen nicht mehr rückgängig machen und müssen nach vorne schauen. Der Fokus liegt auf Jena. Wir wissen, was wir können, und müssen alles geben, um in der Liga zu bleiben“, sagt Merlins-­Coach Tuomas Iisalo.

Spielmacher Frank Turner dürfte bei den Gästen mit von der Partie sein, zumal er dem Vernehmen nach auch unbedingt spielen will. „Ich hoffe ganz einfach, dass die Jungs in Jena rausgehen und eine vernünftige Leistung zeigen werden“, so Ingo Enskat. „In der Woche habe ich gute Trainingseinheiten gesehen. Vielleicht ist es sogar ein kleiner Vorteil für die Mannschaft, dass sie auswärts antreten kann.“ Denn dem Spiel in Jena kommt entscheidende Bedeutung zu. Sollten die Crailsheimer das nicht gewinnen, wäre der Abstieg besiegelt.

Rund 100 Fans wollen die Mannschaft in einem Doppeldeckerbus begleiten und vor Ort unterstützen. In Crailsheim können die Anhänger beim Public Viewing auf dem Rathausplatz die Daumen drücken und mitfiebern.

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Info

Science City Jena – Hakro Merlins Crailsheim, heute, Freitag, 20.30 Uhr