Liebe Crailsheimerinnen und Crailsheimer, Freunde und Bekannte,
die letzten drei Monate sind schnell vergangen und ich habe wieder einiges zu berichten. Zu Beginn des Jahres war es hier tiefster Winter und ich habe viel Zeit mit Basketball, meiner Gastfamilie und Freunden verbracht.
Anfang Februar fand in der Schule „Snowcoming“ statt. Snowcoming dauert eine Woche, in der sich die Schüler jeden Tag zu einem bestimmten Motto wie zum Beispiel Zwillings- oder auch Kulturtag verkleiden können. Am Ende der Woche findet dann auch ein „Winter Formal“, ein Winterfest mit Tanz, statt. Bevor die Woche anfängt, werden eine „Snowqueen“ und ein „Snowking“ von den Mitschülern gewählt.
Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mit fünf weiteren Mädchen für die „Snowqueen“ nominiert war. Die Krönung fand in der Sporthalle statt und es waren alle Schüler und Lehrer dort versammelt, um die Krönung zu sehen. Überraschenderweise wurde ich zur „Snowcomingqueen“ gewählt, was mich natürlich sehr gefreut hat. Eine noch größere amerikanische High-School-Erfahrung hätte ich gar nicht haben können.
Ende Februar hatte ich die Möglichkeit, ein verlängertes Wochenende in Big Sky in Montana zu verbringen, um dort Ski zu fahren. Lori Dudley ist ein Mitglied im Worthington Komitee und sie hat mir angeboten, mit ihr und ihrer Familie nach Montana zu fahren. Nach zwölf Stunden Autofahrt (einer Übernachtung unterwegs) sind wir in Big Sky angekommen. Wir hatten dort ein schönes Haus und sind drei volle Tage bei tollem Wetter Ski gefahren. Big Sky ist das größte Skigebiet in Amerika, was für eine Skifahrliebhaberin wie mich einfach perfekt war. Die Aussicht war traumhaft und es hat richtig viel Spaß gemacht. Ich bin so dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe, noch eine ganz andere Seite von Amerika zu entdecken.
Nachdem ich von meinem Skifahrerlebnis zurück war, hieß es wieder Kofferpacken. Nach vier Monaten bei den Bardusons war es Zeit für eine neue Gastfamilie. Meine neue Gastfamilie war die Familie Becker. Sam, meine Gastmutter, und ihre zwei Kinder Morgen (13) und Matthew (16) und Binky ihren Hund. Sam ist auch ein Mitglied im Komitee und ich kannte sie schon länger. Mit den Beckers war ich in Minneapolis, um mein Kleid für den Prom (Abschlussball) zu kaufen und wir haben einen schönen Tag in Sioux Falls, South Dakota, verbracht. Außerdem geht Sam gerne joggen und ich habe sie manchmal begleitet. Am 8. März fand die Wahl zum neuen Austauschschüler statt. Es gab zwei Bewerber und Michael Bustamante wurde gewählt und kommt im Sommer mit mir nach Crailsheim.
Meine letzte Familie sind die Williamsons. Ich kenne sie schon von früheren Besuchen in Worthington und sie waren auch schon zu Besuch in Crailsheim. Meine Gastmutter heißt LouAnn und mein Gastvater heißt Jeff. Sie haben drei erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder. Emily (23), die Jüngste wohnt zu Hause. Bei Williamsons ist immer was los, da sie die drei Hunde Bailey, Piper und Rita besitzen. Ich bin ein großer Hundefan und liebe es, mit ihnen spazieren zu gehen und ihnen Tricks beizubringen.
Corona hat leider hier nicht haltgemacht. Ende Februar wurde das ganze Corona-Thema immer aktueller und es ist natürlich auch an mir nicht vorbeigegangen. Am 17. März hatte ich meinen letzten richtigen Schultag. Ab dann hieß es Online-Unterricht auf bestimmte Zeit. Mittlerweile weiß ich, dass ich nicht mehr in die High School zurückgehen werde. Das restliche Schuljahr wird online stattfinden, was mich extrem traurig macht. Ich hatte nicht einmal Zeit, mich von meinen Lieblingslehrern und Schulfreunden zu verabschieden, da wir alle dachten, dass wir nach zwei Wochen wieder zurück in der Schule sind. Der Online-Unterricht gefällt mir trotzdem sehr und macht mir auch viel Spaß. Mein Stundenplan besteht momentan aus Mathe, Debate, US-History und Kunst.
Eigentlich wollte ich auch Softball spielen. Ich hatte eine Woche lang Training, aber dann war es auch schon wieder vorbei. Es hatte mir sehr viel Spaß gemacht und wäre mit Sicherheit meine liebste neue Sportart geworden.
Noch viele andere Dinge werden leider nicht stattfinden. Darunter der bekannte Prom (Abschlussball) und auch die Graduation wird nicht wie geplant abgehalten. Im April hätte mich meine Schwester Annika besucht und meine Eltern und meine Schwester Sophia wollten zur Graduation kommen. Anschließend wollten wir zusammen durch Kalifornien reisen.
Seit ungefähr sechs Wochen gibt es hier eine „stay at home order“. Das heißt, ich bin nur zu Hause und kann auch meine Freunde nicht sehen. Der Coronavirus ist ein Teil von meinem Alltag geworden. Ich kann nur hoffen,
Tradition im Blut. Innovation im Kopf. Hohenlohe im Herzen.
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dass sich die Situation bald bessert und ich noch eine schöne Zeit hier haben kann.
Liebe Crailsheimer, Freunde und Bekannte bleibt alle gesund!
Herzliche Grüße aus Worthington,
Emelie Düll