Probleme gibt es in Kliptown, einem Armenviertel in Soweto am südwestlichen Rand von Johannesburg, wahrlich genug. Fast 30 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist ein besseres Leben für die Menschen hier immer noch ein Versprechen, keine Realität. Sie leben dicht gedrängt in windschiefen Wellblech-­Verschlägen, fließendes Wasser gibt es nur an öffentlich zugänglichen Hähnen, die sich jeweils Hunderte Einwohner teilen müssen. Gewalt ist hier Alltag, heile Familien sind es nicht.

Wie gut, dass es ein Angebot wie das „Kliptown Youth Program“ (KYP) gibt, wo mittlerweile 550 Kinder eine Perspektive geschenkt bekommen. Wo sie von Klasse 1 bis 12 unterrichtet werden, Sprachen lernen, einen Computerraum zur Verfügung haben, etwas zu essen kriegen, Gemeinschaft erleben – kurzum: Wo man ihnen eine Struktur zur Verfügung stellt, die sie auffängt. Timo Schmieg aus Rot am See nennt das KYP „eine Oase, in der Dinge richtig gemacht werden“.

Ungebrochenes Engagement

Er ist während eines Südafrika-Jahres 2011 auf das Programm gestoßen, hat sich dort eingebracht – und tut es bis heute mit ungebrochenem Engagement. Als Mitgründer des Hohenloher Vereins „Hundertprozent“ wirbt er seit Jahren für Unterstützung, hat ein Patenschaftsprogramm aufgelegt, fährt immer wieder selbst nach Südafrika. Schmieg und „Hundertprozent“ machen dort einen echten Unterschied.

Die Hilfe ist jetzt nötiger denn je, denn die Corona-Krise trifft die Menschen in Kliptown hart. Noch ist das Virus nicht mit voller Wucht in den Armenvierteln Südafrikas angekommen, aber die Angst davor ist riesig. Denn: Wie soll man in einer Wellblechsiedlung Abstand halten, wie soll man ohne fließendes Wasser Hygieneregeln einhalten, wie sollte ein marodes Gesundheitssystem im Falle einer Erkrankungswelle für Linderung sorgen? Zumal die Menschen in Kliptown keine Krankenversicherung haben.

Eine Katastrophe droht – und entsprechend rigide sind die Ausgangsbeschränkungen in Südafrika, die gerade um zwei weitere Wochen verlängert wurden. Das KYP musste schließen. Kinder, die dort sonst unterrichtet werden, hängen seit Wochen in der Luft, der gewohnten Struktur beraubt. Ihre Eltern dürfen nicht auf Kurzarbeitergeld oder ähnliche soziale Wohltaten hoffen.

Kindern in Kliptown fehlt ein Zufluchtsort

„Den Kindern fehlt das KYP als Zufluchtsort“, sagt Schmieg. „Sie erhalten normalerweise an sechs Tagen in der Woche zwei Mahlzeiten. Die Familien sind darauf auch größtenteils voll angewiesen. Und das KYP sorgt sonst für Aufklärung, weil es den Leuten, wie auch in Deutschland, oft schwerfällt, richtige von falschen Meldungen zu unterscheiden.“

Immerhin: Die segensreiche Wirkung des Programms liegt derzeit nicht völlig brach. Mittlerweile hat das KYP die Genehmigung bekommen, Lebensmittelpakete mit haltbaren Grundnahrungsmitteln an Familien zu verteilen. 400 solche Pakete wurden am Donnerstag ausgegeben. „Wir von ,Hundertprozent’ sorgen dafür, dass Spenden innerhalb von wenigen Tagen direkt beim Projekt ankommen, ohne Abzüge“, versichert Schmieg.

Info


Wer das „Kliptown Youth Program“ unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende an „Hundertprozent“ tun. Bei der Volksbank Hohenlohe ist ein Konto eingerichtet. IBAN: DE98 6209 1800 0250 0000 08, BIC: GENODES1VHL. Verwendungszweck: KYP.