Die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen und dem Inhaber-Ehepaar schwenkt immer wieder zwischen niedergeschlagen und gereizt hin und her. Auch die eine oder andere Träne fließt angesichts der immer weiter schwindenden Hoffnung. „Bis Ende Mai können wir mit den Staatshilfen noch durchstehen. Sollte es aber bis zum Herbst dauern, ehe wir wieder aufmachen dürfen, kann es sein, dass es uns nicht mehr gibt“, erklärt Marcus Glöckner, der vor fast genau 20 Jahren das Tanz- und Fitnessstudio „Movin“ zusammen mit seiner Frau Tina Estner gründete.

Trauriges Jubiläum

Ein trauriges Jubiläum  – alle geplanten Feierlichkeiten mussten bereits abgesagt werden. Aber noch viel schlimmer, seit Mitte März ist das Studio in der Crailsheimer Innenstadt aufgrund einer Corona-Verordnung komplett geschlossen. Und es gibt keinen Termin, auf den es sich hinarbeiten lässt. „Die Bundesregierung hat zuletzt erklärt, die Fitnessstudios stünden in der Reihenfolge der angestrebten Wiedereröffnungen ganz weit unten“, sagt Glöckner, der das überhaupt nicht nachvollziehen kann. Denn: „Wir können alle Hygiene- und Schutzverordnungen sofort umsetzen.“

Glöckner hat sogar schon einen fertigen Plan, dass es – sollte er doch demnächst wieder aufmachen dürfen – sofort losgehen kann. Es darf nur eine begrenzte Anzahl vorangemeldeter Mitglieder überhaupt gleichzeitig ins Studio. Dadurch sind auch schon alle möglichen Kontaktpersonen bereits erfasst. Jeder Kunde erhält beim Betreten Einweghandschuhe sowie ein kleines Tuch zur Desinfektion der Geräte. Zudem ist zwischen allen Geräten ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Das Einchecken läuft kontaktlos, und außerdem sind die Dusch- und Umkleideräume gesperrt. Es gibt zudem eine Fiebermessung. Und nötigenfalls könne man sogar mit Mundschutz trainieren. „Wir sprechen nicht nur für unser Fitnessstudio, sondern für alle“, betont Glöckner. „Wir sehen uns als Gesundheitsdienstleister. Sport ist wichtig für Rehabilitation und insbesondere auch für Prävention.“

FDP-Politiker Brauer nimmt sich viel Zeit, um sich die Sorgen und Nöte der Branche  vor Ort anzuhören. Er verspricht, sich dem Thema bei der nächsten Landtagssitzung anzunehmen. „Wenn alle gesundheitlichen und hygienetechnischen Voraussetzungen erfüllt sind und dies zudem durch das Personal überwacht wird, so spricht  nichts dagegen, auch die Fitnessstudios in naher Zukunft wieder zu öffnen“, so der Landtagsabgeordnete.

Fitnessstudios fehle allerdings die nötige Lobby, deshalb stünden sie so weit unten im Ranking der Wiedereröffnungen. „Betreiber und Mitarbeiter brauchen eine Perspektive, ein Ziel. Und dafür sollte  schnellstmöglich ein Konzept von der Landesregierung erarbeitet werden, an dem sich die Studios orientieren können“, so Brauer weiter.

Brauer macht Fitnessstudios Hoffnung

Als Überbrückung bis zur Entscheidungsfindung könnte eine Gutscheinlösung zusätzlich zur Soforthilfe für etwas Entspannung sorgen. Brauer macht Hoffnung, dass es möglicherweise bis Anfang Juni wieder weitergehen könnte. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Fitnessstudios sind ein gutes Beispiel dafür, wo man wieder öffnen könnte.“ Tina Estner wünscht sich außerdem, dass sie dann auch  wieder ihre Tanzkurse (vor allem für Kinder) unter entsprechenden Auflagen anbieten darf.

Doch nicht nur für die Studios will sich Brauer einsetzen, als neuer Sportkreisvorsitzender liegen ihm zudem natürlich die vielen Sportvereine aus der Region ganz besonders am Herzen. „Für die Vereine gilt dasselbe wie für die Studios: Wer die Voraussetzungen erfüllt und dafür Sorge tragen kann, dass die Regeln eingehalten werden, sollte wieder Sport anbieten können.“ Allerdings sehe er dies  vor allem wegen Haftungsfragen beispielsweise beim Fußball aktuell noch eher als schwierig an. „Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass beispielsweise Individualsportarten wie Tennis, Golfen oder Segeln bald wieder erlaubt sein könnten. Ich bin für eine langsame Öffnung und dazu gehört auch, dass die Gastronomen wieder in beschränktem Umfang aufmachen dürfen.“