Sind die italienischen Verhältnisse, die mittlerweile die französischen sind, bald auch die hohenlohischen? Dass nämlich so viele Corona-Patienten beatmet werden müssen, dass die Kapazitäten nicht mehr ausreichen? Bei einem Pressegespräch am Mittwochabend wollen die Verantwortlichen des Kreisklinikums noch nicht an das Schlimmste denken. Der Klinische Direktor Thomas Grumann verweist darauf, dass man sich schon seit Wochen mit den Herausforderungen der Corona-­Pandemie befasst – und betont: „Wir sind gut vorbereitet.“ Doch die Herausforderungen steigen täglich und das Crailsheimer Krankenhaus ist weder Universitätsklinikum noch ein Haus der Zentralversorgung, wie es das Haller Diakonie-Krankenhaus ist. Das Kreisklinikum ist lediglich für die Grund- und Regelversorgung ausgelegt.

Straßburg/Stuttgart

Corona-Isolierstation eingerichtet

Nicht nur Grumann zeigt sich entschlossen, mit dem bevorstehenden Andrang von Corona-Patienten fertig zu werden. Auch Landrat Gerhard Bauer, Geschäftsführer Werner Schmidt, Ärztlicher Direktor Dr. Jens Rossek und Chefarzt Dr. Bernhard Braun versichern im Gespräch, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um alle Patienten bestmöglich betreuen zu können. Die Fakten: Auf der Corona-Isolierstation im dritten Geschoss werden 16 Patienten behandelt. Bei sieben von ihnen ist die Virusinfektion bestätigt, die anderen sind Verdachtsfälle, zwei von ihnen müssen beatmet werden. Das sind die Zahlen von vorgestern. Die haben sich bis heute mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit verändert, und das nicht zum Guten.

Nadelöhr: Beatmungsbetten

Im Kreisklinikum gibt es zehn Beatmungsbetten, zwei kommen jetzt noch hinzu. Sie sind den Patienten vorbehalten, die schwer an dem Virus erkrankt sind. Diese Betten sind das Nadelöhr in jeder Klinik. Wenn nicht genügend vorhanden sind, sterben schwer kranke Corona-Patienten. Das war in China so, das sorgt bis heute in Italien für schwer erträgliche Situationen und ist nun auch im Elsass so, wo es seit Donnerstag traurige Gewissheit ist, dass diejenigen, die älter als 80 Jahre sind, nicht beatmet werden.

Freiwillige Helfer gesucht

Auch wenn eine solche Situation den Ärzten, Krankenschwestern und Krankenpflegern in Crailsheim erspart bleiben sollte, ist es trotzdem so, dass das Krankenhaus vor seiner größten Herausforderung in der Nachkriegsgeschichte steht. Bei aller Bereitschaft von Ärzten und Pflegepersonal, bis an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus zu arbeiten, kann doch nicht ausgeschlossen werden, dass sie Unterstützung brauchen. Deshalb sucht Landrat Gerhard Bauer Menschen mit medizinischen und pflegerischen Kenntnissen. Angesprochen sind insbesondere Ärztinnen oder Ärzte im Ruhestand, in der Elternzeit, Medizinstudenten, aber auch Rettungssanitäter. Diese Freiwilligen werden aktiviert, wenn die Beschäftigten im Kreisklinikum Hilfe brauchen.

Patienten werden ausgelagert

Weil, so Landrat Bauer, nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Situation sich dramatisch verschlechtert, plant der Landkreis eine Art Außenstelle des Klinikums. In einem Gebäude in der Friedrich-Heyking-Straße, das früher der Unterbringung von Flüchtlingen gedient hat, werden Betten aufgestellt, um Patienten auslagern zu können, falls viele Corona-Erkrankte im Krankenhaus untergebracht werden müssen.

Info Wer sich für einen Einsatz als Freiwillige(r) interessiert, meldet sich bei der Personalstelle des Landratsamtes unter unterstuetzung-corona@LRASHA.de. Wichtig sind bei der Registrierung die Kontaktdaten in Form eines Lebenslaufes und auch Angaben zur Qualifizierung oder fachlichen Erfahrung sowie die Verfügbarkeit.

Crailsheim ist im Krankenhaus-Bauprogramm


„Gute Nachricht“: So reagierte Landrat Gerhard Bauer auf den Beschluss des Landeskabinetts, die Erweiterung des Crailsheimer Klinikums in das Krankenhaus-Bauprogramm für 2020 aufzunehmen. Die Erweiterung des Neubaus, der 2016 eingeweiht worden war, ist mit 28 Millionen Euro veranschlagt. Wie viel davon vom Land bezahlt wird, ist offen. Üblich sind rund 50 Prozent.
Das letzte Wort hat der Kreistag. Er muss, wenn der Zuschussbescheid aus der Landeshauptstadt gekommen ist, den Baubeschluss fassen. Gibt es eine Mehrheit im Kreisparlament, kann das Vorhaben im Herbst ausgeschrieben werden. Die Bauarbeiten sollen dann im Frühjahr 2021 beginnen. Im Anbau sollen die Akutgeriatrie und die Frauenklinik eine neue Heimat finden. Diese Abteilungen konnten wegen der unerwartet großen Zunahme der Patientenzahlen im Kreisklinikum nicht, wie ursprünglich geplant, Im Neubau von 2016 untergebracht werden.

Bis Jahresende fertig werden soll das rund fünf Millionen Euro teure Parkhaus mit annähernd 300 Stellplätzen. Es soll die Parkplatznot rund ums Krankenhaus lindern. ah