Sämtliche Urlaubsträume ließ die Corona-Pandemie spätestens am 17. März platzen: An diesem Tag verkündete das Auswärtige Amt erstmals in seiner Geschichte eine weltweite Reisewarnung für alle „nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland“, die inzwischen bis zum 14. Juni verlängert wurde. Fast alle Grenzen waren ohnehin früher oder später dicht, erholsame Ferien im Inland fielen ebenfalls flach: Gaststätten und Hotels traf kurze Zeit später das scharfe Schwert der Schließung.

„Von einem Tag auf den anderen verloren wir unsere gesamte Geschäftsgrundlage“, sagt Sarah Vogt, die sich mit ihren Eltern Tina und Dieter Vogt und ihrer Schwester Laura die Geschäftsführung eines renommierten Unternehmens teilt: Der Reise­service Vogt, im Jahr 1988 als zweites Standbein für einen land­wirtschaftlichen Betrieb im Schrozberger Teilort Windisch-­Bockenfeld gegründet, zählt in Sachen Agrarreisen inzwischen bundesweit zu den Top Ten der Branche.
Individuell zugeschnittene Gruppenreisen sind die Spezialität des Unternehmens, das mit Partnern aus der ganzen Welt zusammenarbeitet. Über das 2005 gegründete Netzwerk „Agrartourismus Hohenlohe“ fungiert die Firma auch für Gäste aus dem Ausland als touristischer Botschafter des Landes zwischen Kocher und Jagst, das bei rund zehn Prozent aller Vogt-Reisen das Ziel ist.

Zuversichtlich, dass die Durststrecke überwunden wird

Die Katastrophe kündigte sich für den Reiseveranstalter aus der Landwehr in Norditalien an: Eine Studienfahrt für landwirtschaftliche Fachschüler aus Triesdorf und Rendsburg musste sehr kurzfristig abgesagt werden, als das Virus in der Lombardei wütete. „Corona kam dann immer näher, und bei uns hat dann rund um die Uhr das Telefon geklingelt“, sagt Sarah Vogt.
Seither sind bei der Firma Vogt rund 250 Reisen ausgefallen. Alle 20 Mitarbeiter zogen in Kurzarbeit in das Homeoffice um. „Wir haben noch schnell Laptops geordert und rasch eine neue Software installiert“, sagt Sarah Vogt, die sich auch über ihre Geschäftspartner wie zum Beispiel in Tansania große Sorgen macht: „Viele Familien dort wissen nicht mehr, wie sie ihre Miete und ihr Essen bezahlen sollen.“
Sarah Vogt ist aber guter Dinge, dass „wir diese lange Durststrecke bewältigen können – es tut zwar weh, dass viele Stunden Arbeit vergeblich in die stornierten Reisen investiert wurden. Aber wir haben ein erstklassiges Team, das auch nach der Corona-Krise die Reisen mit Herzblut organisieren wird.“ Zuversicht schöpft sie auch angesichts eines treuen Kundenstamms – und aus der Stärke und dem Zusammenhalt ihrer Familie.

„Die Arbeit war umsonst“

Die Ungewissheit darüber, wann die Tourismusbranche wieder aus dem absoluten Stillstand erlöst werden kann, macht auch Ale­xandra Fassnacht zu schaffen, die seit zehn Jahren das „Reiseparadies“ in Crailsheim als Inhaberin führt. Sie hofft jedenfalls, dass spätestens im Sommer die Grenzen wieder offen sind. Derzeit hat sie noch einen großen Papierstapel mit Stornierungen abzuarbeiten – zum Beispiel auch für Kreuzfahrten, die bereits im Vorjahr gebucht wurden: „Auch in diesen Fällen musste ich selbst alle Provisionen an die Reiseveranstalter zurückzahlen, die Arbeit von mehreren Monaten war umsonst.“ Reiseziele in Europa und im Mittelmeerraum bilden den Schwerpunkt ihres Geschäftes.

Alexandra Fassnacht steht voll und ganz hinter der Forderung des europäischen Branchenverbandes Quality Travel Alliance (QTA), der angesichts von Milliarden-Verlusten bei deutschen Reisebüros und Reiseveranstaltern auch für die Tourismuswirtschaft einen staatlichen Schutzschirm fordert.