Die dynamische Entwicklung der Corona-Pandemie in den letzten Monaten hat gezeigt, wie wenig planbar das Herbstsemester der VHS ist. „Wir haben uns die Entscheidung, auf ein reguläres gedrucktes Programmheft zu verzichten, nicht leicht gemacht“, schreibt  VHS-Leiter Martin Dilger auf der Homepage. „Sie verstehen bestimmt, dass ein halbjähriges Weiterbildungsprogramm mit so vielen Unwägbarkeiten kaum darstellbar ist. Wir wissen nicht, was der Hebst bringt, vielleicht gibt es ja einen regionalen Lockdown.“ Deshalb gibt es für das kommende Herbst-Winterprogramm nur einen Flyer mit den wichtigsten Informationen. Im Frühjahr 2021 soll es dann aber auf jeden Fall wieder ein gedrucktes Programmheft geben.
 „Wir  fahren sozusagen auf Sicht und informieren auf unserem ständig aktualisierten Internetauftritt über den aktuellen Stand dessen, was tatsächlich stattfindet und für welche Kurse man sich anmelden kann. Ohne Programmheft sind wir da vor allem bei Vorträgen flexibler.“
Zumindest finanziell sind die Volkshochschulen trotz des katastrophalen Einbruchs mit einem blauen Auge davongekommen. Pandemie-Zulagen vom Land und Bund waren eine große Hilfe. „Dennoch müssen wir auch im Herbst noch finanziell sehr unter der Pandemie leiden.“

Das Beste daraus gemacht

In einem Rückblick fasst Dilger die Geschehnisse zusammen: „Wir sind noch gut in den ersten Monat des neuen Programms gestartet, aber dann konnten wir mit Ausbreitung der Pandemie plötzlich  keine Kurse mehr durchführen. Das war wie ein Bruch, wir konnten gar nicht so schnell nachlegen. Wir haben das Beste daraus gemacht, mehr war nicht drin.“
So wurden bald Online-Kurse ins Leben gerufen, die auch sehr gut angenommen wurden. Dies war allerdings nur in einer relativ großen VHS wie in Crailsheim möglich, auf dem Land war so etwas nicht umsetzbar. Dennoch gab es viele Schwierigkeiten bei der Umsetzung, schon alleine die zahlreichen Beratungsgespräche am Telefon waren äußerst personal- und zeitaufwendig. Nicht alle Dozenten und Schüler hatten das nötige Know How beziehungsweise technische Equipment für einen Online-Unterricht. Zudem ist die Kommunikation äußerst schwierig, beispielsweise um die nötigen Korrekturen online durchführen zu können.
Auch finanziell hat Corona alle Volkshochschulen schwer getroffen, die Teilnehmerzahlen sind im vergangenen Halbjahr extrem eingebrochen, zahlreiche Kurse mussten komplett gestrichen werden. Vor allem für die Dozenten war es eine schwierige Zeit, teilweise standen sie monatelang ohne jegliche Einnahmen da. „Vor allem für unser Stammpersonal ist es jetzt wichtig, dass sie wieder arbeiten können.“ Keine  Abendrealschule wird es allerdings im zweiten Jahr in Folge mangels Anmeldungen geben. „Wir wollen dieses Angebot aber auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder durchführen“, betont Dilger.
„Die Leute wollen Präsenz-Unterricht.“ Doch dafür gilt es im Vorfeld noch  einige Probleme zu lösen: Um die Abstandsregeln einzuhalten, muss  die maximale Teilnehmerzahl  verringert  werden. Ohne dass die Gebühren für den Kurs erhöht werden, muss dennoch jeder etwas mehr bezahlen. Außerdem gibt es Raumprobleme. „Wir können zwar weiterhin in die Schulen, aber die Nachbereitung, sprich Desinfektion und Säuberung der Räume, ist in dieser Vielzahl an Kursen kaum umsetzbar.“ Zumindest einen zukunftsweisenden Lerneffekt habe die Corona-Krise, zukünftig wird es mehr Hybrid-Kurse geben. So hat der Teilnehmer  die Möglichkeit, eine Lerneinheit zuhause nachzuarbeiten.
Im Themenbereich „Kunst und Kreativität wird es ein besonderes Highlight in diesem Herbst geben: Unter dem Titel „Unser Crailsheim“ haben 36 Jugendliche in den Ferien eine Woche lang kostenlos die Möglichkeit, an diesem Talent-Campus mitzuwirken.

Rund 40 Kurse weniger

Mit 130 Kursen wird es im Bereich „Gesundheit“ rund 40 weniger geben als im Halbjahr zuvor. „Das liegt daran, dass beispielsweise alle Klinikgespräche gestrichen werden mussten“, erklärt Fachbereichsleiterin Sabine Untheim. Dafür gibt es erstmals acht Online-Vorträge, vier davon für die ältere Generation. Neu ist zudem das Angebot „Hatha Yoga für Männer“ und der Seniorensport. „Wir hoffen, noch mehr ältere Leute zu gewinnen, die sich in die Online-Welt einarbeiten möchten.“ Insgesamt sieben Online-Kochkurse werden angeboten, zwei davon exklusiv für Crailsheim.  Erstmals gibt es den Kurs „Single-Küche“. Teilweise verschieben sich die regelmäßigen Präsenz-Kursangebote coronabedingt zeitlich und örtlich.
In kleineren Gruppen werden die rund 150 Angebote im Bereich „Sprachen“ durchgeführt.  „Wir wollen damit erreichen, dass die Leute sich auch im Winter hier sicher fühlen können.“ Die Kursteilnehmer sollen keine Angst haben, sich bei einem Kurs anzustecken“, betont Fachbereichsleiterin Patrizia Petrou. „Als positiver Nebeneffekt  kommt dies der Qualität der Kurse zugute.“ 18 Sprachen auf allen Niveaustufen werden in diesem Halbjahr angeboten. Hier will die VHS Crailsheim zukünftig noch enger mit größeren Volkshochschulen zusammenarbeiten, um online ein Angebot wie beispielsweise „koreanisch lernen“ abhalten  zu können.  „Wir sind durch die Krise nun besser vernetzt mit den anderen Volkshochschulen in Deutschland.“
Im Fachbereich „Gesellschaft und Wissen“ sind wieder viele Vorträge vorgesehen, allerdings fehlen noch die dafür notwendigen großen Räumlichkeiten. Firmenbesichtigungen, Ausfahrten und Reisen sind in diesem Semester nicht durchführbar. Ein Politik-Matinee soll auf jeden Fall getestet werden. Bei der Veranstaltung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt wird es eine Online-Zuschaltung aus der Türkei geben.

VHS-Land in reduzierter Form

Deutlich weniger Kurse wird es bei der VHS Land geben. „Es ist dennoch wichtig, dass die Leute vor Ort ein Angebot haben“, betont Julia Barthelmäs, Geschäftsführerin VHS Land. Die rund 200 Kurse sind zum Großteil Fitness- oder  Gesundheitsbereich.

Info


Der Flyer zum Herbst-Winterprogramm der VHS Crailsheim und Land liegt der heutigen Ausgabe bei. Nähere Infos zu allen Angeboten und Kursen der VHS gibt es online.