CD-Kritik

LAURA ALVIZ 19.11.2015
The Neighbourhood sind eine fünfköpfige Alternative-Rockband aus Kalifornien. Mit "Wiped Out!" veröffentlichen sie ihr zweites Album.

USA 2015 / Columbia Records / 11 Lieder / Hörtipps: "Prey", "The Beach", "Greetings from Califournia", "Single", "R.I.P. 2 My Youth"

Die meisten Bands werden der These zustimmen, dass zweite Alben noch stärker als erste bestimmen, wie sich ihre Musik langfristig entwickelt. Wiped Out! als The Neighbourhoods zweites Album ist ähnlich getragen und atmosphärisch wie I Love You., die Vorgänger-CD. Natürlich bleibt dem Zuhörer auch die unverwechselbare Stimme von Frontmann Jesse Rutherford erhalten. Er singt leise und doch kraftvoll. Manchmal säuselt er fast ins Mikrofon. Die Kohärenz des Gesamtwerks der Band lässt sich unter anderem am Track Baby Came Home 2/Valentines erkennen, dem Nachfolger des Liedes Baby Came Home von 2012. Verändert hat sich vor allem, dass der Klang des Schlagzeugs in der Musik an Dominanz verliert und die Platte so insgesamt weniger rockig wirkt. Die schon immer bei The Neighbourhood vorhandenen Hip-Hop-Einflüsse werden jedoch stärker spürbar. Aufgrund dessen verliert die Band mit Wiped Out! etwas von ihrer Melancholie, die viele Fans an ihr lieben. Die Songs sind bei weitem nicht fröhlich, aber der entspanntere Klang nimmt ihnen die Schwere. An Wiped Out! beeindruckt, dass das Album keine Lückenfüller-Tracks aufweist. Es funktioniert als Ganzes, trotzdem kann jedes einzelne Lied alleine stehen. Bemerkenswert ist, wie es der Band gelingt, sperrige Sechs-Minuten-Experimente (Wiped Out!) und astreine Popsongs (Cry Baby) so auf einem Album zusammenzuführen, dass es nicht konstruiert wirkt.

The Neighbourhood sind sich mit "Wiped Out!" selbst treu geblieben, ohne ihr Debüt zu kopieren.

The 1975, Arctic Monkeys, Bastille, The XX, Alt-J, Jaymes Young