CD-Kritik

RICHARD FÄRBER 08.11.2012
Nach Zydeco klingt hier gar nichts: Die "Bayou Alligators" haben mit "A Barrel of Blues" die Sümpfe Louisianas verlassen, um den Blues zu spielen.

D 2011/12 / Riverside Studio Productions / 11 Lieder / Hörtipps: "Funky Shit", "Real Couple Of The Blues"

Das Saxofon klingt wie eine Katze, die von ihrem Lieblingssessel gescheucht wird, wieder und wieder. Das schrille Jaulen, erzeugt durch kontrolliertes Überblasen, ist ein tragender Rhythmuseffekt in Funky Shit, der einen beim ersten Hören stutzig macht: Das sollen die Bayou Alligators sein? Die Truppe, auch bekannt für ihre Touch down-Hymne für die Schwäbisch Hall Unicorns, ist sonst eher für ihren hitzigen Zydeco-Sound bekannt, für diesen extrem tanzbaren, heißblütigen Mix aus Folklore und Musette, Blues, R&B, RocknRoll und Jazz also, der vor allem im einst französischen Louisiana gepflegt wird. Nun klingen sie eher wie die alten Defunkt: hart, dreckig, urban.

A Barrel of Blues heißt die CD, mit der die Bayou Alligators ihren angestammten Sumpf verlassen. Nun frönen sie dem Blues und seinen Artverwandten auf eine Art und Weise, die keine Zweifel an ihren Vorlieben aufkommen lässt: Von Steffen Strauß Gitarre dominierte Blueshymnen wie Real Couple Of The Blues und Call & Response-Nummern wie das titelgebenden A Barrel of Blues verweisen auf moderne Klassiker wie B.B. King und Albert King, deren heutige Vertreter gerne zu den Bluesfesten nach Gaildorf eingeladen werden; das bereits erwähnte Funky Shit oder auch das rhythmisch raffinierte Money Has No Soul zeigen hingegen auf, wie sich der Blues entwickeln und welche Wege er nehmen kann. Wobei: Eigentlich gehört er ja doch vor allem auf die Bühne: A Barrel of Blues weckt da die schönsten Erwartungen.

Klassisch, wenn auch ungewohnt: Die Bayou Alligators offenbaren neue Leidenschaften

Coco Montoya, Bernard Allison, Sherman Robertson