Langenburg Breymaier findet klare Worte

In immer wieder durchscheinender Mundart redet Leni Breymaier vor den Besuchern des SPD-Sommerempfangs im Unterregenbacher Pfarrgarten.
In immer wieder durchscheinender Mundart redet Leni Breymaier vor den Besuchern des SPD-Sommerempfangs im Unterregenbacher Pfarrgarten. © Foto: Oliver Färber
Langenburg / Oliver Färber 23.07.2018
Die Landesvorsitzende spricht beim Sommerempfang des SPD-Ortsvereins Gerabronn-Langenburg in Unterregenbach. Rund 40 Interessierte sind gekommen.

Volksnah will sie sein – deshalb spricht sie am Sonntag im Unterregenbacher Pfarrgarten auch nicht am Rednerpult vor dem vorbereiteten roten Banner. Und den Mund aufmachen werde sie, deshalb übt sie an diesem Tag deutliche Kritik an AfD-Politikern, Neo-Liberalen und auch an Bundesinnenminister Horst Seehofer – auch wenn seine CSU Koalitionspartei ist. Leni Breymaier, Landesvorsitzende der SPD und für die Region zuständige Bundestagsabgeordnete der Partei, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um Reden und Veröffentlichungen geht, in denen  Ausländer, Behinderte und Randgruppen diskriminiert werden.

„Ich habe das Gefühl, uns geht etwas verloren“, sagt die 58-Jährige ernst. Der Anstand gehe in diesen Zeiten flöten. „Wenn offiziell im Bundestag so Schlimmes gesagt werden darf über Ausländer oder Behinderte, dann machen das andere auch“, prangert sie das Verhalten – vor allem von AfD-Abgeordneten – an. Jahrelang hätten die Deutschen versucht, einen Teppich an Anstand zu weben, diesen immer weiter zu entwickeln. „Jetzt gibt es Kräfte, die Brandlöcher reinmachen und Fäden rausziehen“, spinnt sie das Bild weiter.

Scharf kritisiert sie den Innenminister: „Wenn Seehofer solche Worte und Sprechweisen auch noch einfach übernimmt, dann ist das ein Problem.“ Dagegen werde sie sich immer einsetzen – und fordert alle auf, es ihr gleichzutun: „Man kann auch einfach etwas sagen, wenn einer eine dumme Gosch hat, und das nicht einfach so stehen lassen“, sagt die gebürtige Ulmerin, die in Eislingen an der Fils wohnt. Auch dass die Koalitionspartner das Einwanderungsgesetz, das auf dem Weg ist, präsentierten, als sei es ihr Produkt, ärgere sie: „Die wollten es die ganze Zeit nicht. Wir schon lange.“ Sie habe so das Gefühl, die Bundesregierung funktioniere wie ein leises Blätterspiel. „Und dann kommt Seehofer mit dem Laubbläser“, fügt sie hinzu.

Applaus erhält sie, als sie die sozialen Strukturen in Europa anspricht. Das Friedensversprechen allein trage nämlich für junge Leute nichts mehr. Wenn ein Junge in Italien ohne Arbeit dasitze und die Flüchtlinge kämen, verstehe sie die Ängste. „Wir müssen in Europa dem Friedensversprechen ein Sozialversprechen hinzufügen, damit sich die Leute hier nicht noch die Schädel einschlagen“, so die Politikerin.

Kostenlose Kindergartenplätze

Eigenlob für die Partei gibt’s natürlich auch. Beispielsweise für die Rentenpolitik, welche die SPD-Mitglieder unterstützen sollten. Oder auch für in ihren Augen falsch getroffene Entscheidungen, die wieder zurückgedreht würden, bevor das nicht mehr ginge. Auch die Regelung der Krankenkassenbeiträge gehe auf das Konto der Sozialdemokraten. „Das haben wir gemacht. Jamaika hätte das nicht gewollt“, sagt sie – und erntet Applaus. Einsetzen wolle sie sich für freie Kindergartenplätze. Dazu solle der Bund Geld springen lassen. „Schulen und Studium kosten nichts, warum muss da für die frühkindliche Erziehung bezahlt werden?“, fragt sie sich.

SPD-Kreisvorsitzender Nikolaos Sakellariou lobt Breymaier für ihre Arbeit: „Ich verneige mich davor, wie oft sie im Wahlkreis ist. Das ist das, was Graswurzelarbeit ausmacht.“

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