Discounter Branche wandelt sich: Billigbrötchen bei Supermärkten stärker gefragt

Frisch (fertig-)gebackene Vollkorn-Baguettes kommen aus dem Ofen-Regal - vorgebacken werden sie meist nicht mehr in der kleinen Bäckerei nebenan. Foto: dpa
Frisch (fertig-)gebackene Vollkorn-Baguettes kommen aus dem Ofen-Regal - vorgebacken werden sie meist nicht mehr in der kleinen Bäckerei nebenan. Foto: dpa
Düsseldorf / DPA 25.09.2012
In immer mehr Filialen von Supermärkten und Discountern werden Billigbrötchen in Backautomaten gebacken und angeboten. Bäcker und kleine Bäckerei-Ketten geraten damit zunehmend unter Druck.

Das Bäckereisterben bekommt eine neue Dimension. Steigende Rohstoffpreise, ein Kostenschub insbesondere bei der Energie und dann auch noch Backstationen, die immer häufiger direkt im Laden die Brötchen backen - das alles heizt den Wettbewerb bei Backwaren kräftig an.

Der Duft frischer Backwaren weht den Verbrauchern nicht nur beim Bäcker oder der Backfiliale um die Ecke entgegen. Auch Discounter von Aldi bis Penny und Supermarktketten setzen auf frische Backwaren. Bereits jetzt stehen 15.000 Backstationen bei Lebensmittelhändlern.

In den nächsten zwei bis drei Jahren könnten weitere 10.000 Backstationen hinzukommen, schätzt der Verband der Großbäckereien. Gleich mehrere große Ketten trieben zeitgleich den Aufbau in ihren Filialen voran. Etliche Großbäcker liefern für solche Backstationen ungebackene oder halbgebackene Teiglinge und profitieren damit von diesem Trend.

Marktforscher Robert Kecskes von der GfK sieht gleich mehrere Gründe, warum die Verbraucher an den Backstationen zugreifen. "Die Menschen haben immer weniger Zeit zum Einkaufen, sie möchten gern an einer Hauptstation möglichst viele Waren finden. Beim Brötchenkauf im Supermarkt müssen sie nicht noch extra zum Bäcker fahren", sagt er.

Außerdem sei ein günstiger Preis ein weiterer Grund für den Konsumenten. Nach Daten, die den Großbäckern vorliegen, hatte an den Discounter-Backstationen im Jahr 2008 noch nicht einmal jeder fünfte Verbraucher zugegriffen. Inzwischen hatte schon fast jeder Zweite mindestens ein Mal Ware von einer Discounter-Backstation in seinem Einkaufskorb.

Der durchschnittliche Preis für ein Kilogramm Brot oder Kleingebäck betrug im vergangenen Jahr beim traditionellen Bäcker 3,88 Euro, in der Backstation dagegen lag er bei 2,42 Euro, berichtete der Präsident des Verbandes der Großbäckereien, Helmut Klemme, gestern vor der Presse.

An diesem Preisabstand werde sich auch künftig wenig ändern. Auch wenn auf die Großbäckereien insbesondere durch steigende Ausgaben für Energie ein enormer Kostenschub zukomme, der sich in den Preisen niederschlagen werde. Gegenüber großen Handelskonzernen sei es für Unternehmen aber nicht einfach, Preiserhöhungen durchzusetzen.

Supermärkte und Discounter schneiden sich buchstäblich von Jahr zu Jahr ein größeres Stück vom insgesamt 17,6 Milliarden Euro großen Umsatzkuchen der Backbranche ab. Dabei geht es längst nicht mehr nur um abgepacktes Brot im Regal oder Kuchen in der Tiefkühltruhe. Auch das bisher eher schmale Sortiment aus den Backstationen wird aufgeblasen: Sie könnten zum Teil bereits 20 bis 30 Produkte anbieten. "Der Handel ist mittlerweile der größte Bäcker in Deutschland", verdeutlicht Klemme. In den Kassen des Lebensmittelhandels lande bereits jetzt etwa die Hälfte der Verbraucherausgaben für Brot und Backwaren.

Laut GfK haben die Verbraucher in den ersten sieben Monaten dieses Jahres knapp zwei Prozent weniger Geld für Brot und Backwaren ausgegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Neben dem Wetter könnte hier auch die Verlagerung der Nachfrage hin zu den Backstationen eine Rolle spielen.

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