Themen in diesem Artikel

Crailsheim
Crailsheim / JULIA VOGELMANN  Uhr
"Adieu Tristesse" ist der jüngste Kulturverein in der Stadt, nicht nur, weil es ihn erst seit anderthalb Jahren gibt. Er spricht vor allem junge Menschen an und will Crailsheim zu einem kulturellen Ort machen.

"Unser Ziel, eine Ergänzung zu den anderen Kulturvereinen und keine Konkurrenz zu sein, haben wir ganz gut erreicht, denke ich", resümiert Sina Stuber, eines der Gründungsmitglieder von "Adieu Tristesse". Der Gedanke, nicht etwas anderes zu bieten, sondern noch mehr dazu, treibt den Verein an, sich mit dem kulturellen Angebot in Crailsheim auseinanderzusetzen und es stetig zu ergänzen.

"Es gibt so viele Wochenenden im Jahr an denen nichts los ist. Hier wollen wir was tun", sagt Stuber. Dies ist auch der Grund, weshalb der Verein sich zum Beispiel nicht aktiv am Kulturwochenende beteiligt. Harald Haas, ebenfalls Gründungsmitglied, betont die unterschiedlichen Ansätze: "Wir wollen blühende Landschaften über das ganze Jahr verteilt."

Mit dem Programm der vergangenen 18 Monate sind die neun Gründungsmitglieder zufrieden. Obwohl der Schwerpunkt der Veranstaltungen auf Musikkonzerten liegt, gab es auch Kabarett, Lesungen, politische Diskussionen und Vorträge, die Kulturinteressierte meist in die "7180-Bar" lockten, wo ein Großteil der Veranstaltungen stattfindet.

Die Mitgliederzahl steigt stetig, mittlerweile hat der Verein mehr als 100 Mitglieder. Die Gründer sind überrascht über die positive Entwicklung. So freut sich Harald Haas: "Es war immer wieder überraschend, wie viele Fremde sich auch angesprochen fühlten. Mittlerweile kommen sogar oft mehr Nicht-Mitglieder als Mitglieder." Michael Schütz pflichtet ihm bei: "Es waren tatsächlich keine Kumpelveranstaltungen, wie wir es teilweise erwartet hatten."

Doch trotz des Zuspruches bemängeln die Mitglieder die oft mangelnde Wahrnehmung des Vereins und seiner Aktivitäten in der Öffentlichkeit. Ein weiteres Problem ist das räumliche Angebot in Crailsheim. Die "7180-Bar" bietet nur begrenzt Platz, der Ratskeller ist für vieles zu groß. Das Jugendzentrum, das für viele Musikveranstaltungen den idealen Rahmen bilden würde, wird von vielen Crailsheimern immer noch unter negativen Vorzeichen wahrgenommen, obwohl Haas betont: "Das ,Juze ist nicht mehr die Höhle von früher."

Auch finanziell stößt der Verein, der sich fast nur aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, schnell an Grenzen. Schon deshalb bewegen sich die Veranstaltungen alle im kleineren Rahmen. Dazu kommt das Konsumverhalten vieler Crailsheimer, über das sich Harald Haas wundert: "Hier in Crailsheim ist die Schmerzgrenze bei einem Eintrittspreis bei 15 Euro erreicht, egal wie toll die Veranstaltung ist. Aber viele setzen sich ins Auto und fahren für einen deutlich höheren Preis irgendwo hin."

Trotzdem strickt der Verein weiter an seiner Philosophie, aus Crailsheim einen kulturellen Ort zu machen, an dem man gerne ausgeht. Neuester Streich der kreativen Köpfe ist "rAdieu", eine Radiosendung beim "Sthörfunk", die von den Mitgliedern selbst gestaltet wird mit aktuellen Beiträgen und Musik. Im Moment macht der Verein eine Sommerpause. Das dichte Angebot an Festen in den Sommermonaten nutzt der Verein, um sich für die kalte Jahreszeit wieder ein attraktives Programm zu überlegen. Los gehts am 5. Oktober mit einem Konzert. Lesungen, Kabarett und vieles mehr soll folgen.

Info "rAdieu" läuft immer mittwochs um 22 Uhr auf Radio "Sthörfunk", Wiederholung Samstag 16 Uhr. In Crailsheim auf 104,8 MHz, in Schwäbisch Hall auf 97,5 MHz.