Blaufelden / Oliver Färber  Uhr
In Ehringshausen lebt die Maitradition. Viele aus dem Ort beteiligen sich beim Fällen, Transport, Schmücken und Aufstellen des Baums – und bewachen ihn.

Es geht gemütlich zu am späten Abend des 30. April in Ehringshausen. Zwei Dutzend Dorfbewohner sitzen um ein Feuer beisammen. Es wird zusammen gelacht, geredet, getrunken und geschlemmt. Und das vor allem aus einem Grund: Sie bewachen den Maibaum. „Damit der nicht von Leuten aus den Nachbardörfern gefällt wird“, erklärt Timo Schmieg. Denn neben der Tradition, gemeinsam eine Birke zu fällen, zu schmücken und aufzustellen, gehört dazu auch eine gewisse Rivalität zwischen den Orten.

„Es geht natürlich auch darum, wer den höheren Baum hat“, fügt er hinzu. In diesem Jahr haben die Ehringshäuser ein besonders prachtvolles Stück gefunden. „Er ist 29 Meter hoch“, verrät Schmieg. Er war mit dabei als er von einem Team ausgesucht worden ist.

Kurz vor 19 Uhr hieß es „Baum fällt“. Danach wurde er in den Ort transportiert. Kinder haben ihn danach mit bunten Bändern geschmückt. 20 starke Helfer haben schließlich mit angepackt, um unter den Blicken von rund 30 Zuschauern die große Birke aufzustellen und zu sichern. Danach ging’s an den gemütlichen Teil am Lagerfeuer.

Maibaumstellen in Hohenlohe Maibaumwache in Ehringshausen

„Wir machen das jedes Jahr, egal ob es gutes Wetter hat oder stürmt“, meint Jasmin Laritz. Für Regen ist vorgesorgt – dafür steht ein Bauwagen auf dem Platz, um sich dorthin zurückzuziehen. Diesmal ist das nicht nötig, höchstens eine warme Jacke. Wobei selbst die zeitweise überflüssig wird, wenn das Lagerfeuer gerade wieder neu geschürt worden ist. Und so wachen die Ehringshäuser wie es Tradition ist, bis der Morgen graut.

Denn zwischen den Dörfern geht es nicht nur darum, wer den höchsten Baum hat – auch darum, den Nachbarn ihre Birke umzusägen. „Bei uns braucht man das gar nicht probieren“, warnt Schmieg. Aus dem Dunkel kommt eine weitere Stimme: „Der, der es letztes Mal versucht hat, den suchen sie heute noch“, erschallt es – und die Gruppe lacht.

Kurt Schmieg weiß, dass es schon über 20 Jahre her sei, dass in Ehringshausen ein Maibaum nächtens von Auswärtigen gefällt worden sei. „Bewacht wird er schon seit den 1960er-Jahren“, meint er und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Und die Jungen machen das heute noch besser.“

Maistreich und Maibaum in Hohenlohe Maistreiche und -feiern in der Region

Nachtwache bis nach 6 Uhr

Bis es hell wird, da werde schon 6 Uhr oder später. Erst dann wird die Nachtwache aufgelöst. Es sei ungeschriebenes Gesetz, danach dem Nachbarn nicht mehr „ans Holz“ zu gehen. Daran halte man sich. „Hoffentlich“, kommentiert Laritz. Wobei die eine oder andere Spionageaktion schon zum 1. Mai gehöre. „Da kommen später schon die einen oder anderen Besucher aus dem Nachbarort, um die Lage zu checken“, verrät Timo Schmieg.

Selbst geben sich die Dorfbewohner als Unschuldslämmer, behaupten unter breitem Grinsen, in der Nacht nicht den Weg ins „Feindgebiet“ zu suchen. „Wenn da was passiert, dann waren’s sicher nie wir“, versucht er glaubhaft zu versichern.

Dafür gibt’s, wenn man der Gruppe so lauscht, auch eigentlich gar keine Zeit. Schließlich wird immer wieder der Grill angeworfen, gibt es Folienkartoffeln, manchmal gen Morgen auch noch Nudeln. Pläne werden geschmiedet – beispielsweise für eine Floßfahrt auf der Donau. „Solche Ideen entstehen hier am Feuer“, berichtet Jasmin Laritz.

Noch vor Mitternacht gibt es Besuch aus dem Ort. Die älteren Ehringshäuser schauen bei den jüngeren am Lagerfeuer vorbei, überzeugen sich, dass die nächste Generation ordentlich über den Maibaum wacht. Zufrieden schlendern sie wenig später weiter, gehen beruhigt ins Bett. Die Wache folgt im Morgengrauen.

Das könnte dich auch interessieren:

Maifeiertag im Limpurger Land Maistreiche, -feiern und -hocketsen im Limpurger Land