Blaufelden Blaubacher Schweine sind gefragt

Juniorchef Matthias Herrmann im Außenbereich seines modernen Maststalls, der den Premium-Empfehlungen des deutschen Tierschutzbunds entspricht. Mit dem Gebäude ist der Betrieb aus Blaubach ausgesiedelt.
Juniorchef Matthias Herrmann im Außenbereich seines modernen Maststalls, der den Premium-Empfehlungen des deutschen Tierschutzbunds entspricht. Mit dem Gebäude ist der Betrieb aus Blaubach ausgesiedelt. © Foto: Oliver Färber
Blaufelden / Oliver Färber 04.07.2018
Matthias Herrmann hat keine Probleme, seine Ferkel und Schweine los zu werden. Er hat einen zehnjährigen Abnahmevertrag mit Edeka, weil er auf die Produktion der höchsten Stufe des deutschen Tierschutzbunds setzt.

Eigentlich hätte der Stall, mit dem die Familie Herrmann 2016 aus Blaubach ausgesiedelt ist, Platz für 1450 Mastschweine. Doch dort werden nur 1000 Tiere bis zur Schlachtreife aufgezogen. Denn Matthias Herrmann, sein Vater Hans-Dieter und Mutter Heike haben einen Vertrag mit dem Großhändler Edeka. Dessen Qualitäts-Programm „Hofglück“ dürfen derzeit nur ein Dutzend Landwirte mit Schweinen beliefern. Sie müssen die strengsten Vorgaben des deutschen Tierschutzbunds und zum gentechnikfreien Futter einhalten.

Dafür bekommt der Betrieb mehr Geld pro Kilo Fleisch: „Uns sind 2,15 Euro garantiert“, so Matthias Herrmann. Zum Vergleich: Seine Kollegen bekommen um die 1,44 Euro. Dazu erhalten die Blaubacher auch noch Zuschläge, beispielsweise zwei Cent weil sie europäisches Soja einsetzen und weitere zwei Cent, weil auch die Ferkel aus dem heimischen Stall kommen.

Mit der Ferkelproduktion hat der Betrieb auch ursprünglich angefangen. Noch heute kommen sie direkt auf der Hofstelle am Ortsrand zur Welt. 160 Sauen der Rasse Baden-Wüttembergische Hybriden gibt es im Stall.

Dass es zur Mast mit dem neuen ausgesiedelten Stall kam, liegt daran, dass Matthias Herrmann 2012 in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist. In seiner Meisterarbeit für den Landwirtschaftsmeister hat er sich mit dem Thema beschäftigt. Er fand es am besten, wenn sein Vater und er sich spezialisieren. Allein der Ferkel­absatz sei schwierig gewesen. „Mir war klar, so kann es nicht weitergehen“, so der Juniorchef.

Die Frage sei gewesen, welchen Stall er nun baue, um auf 20 Jahre hinaus kalkulieren zu können. „Dank Gülleabnahmeverträgen gab es die Möglichkeit, in die Schweinemast einzusteigen“, so der 28-Jährige. Und dann habe er eine Anzeige von Edeka entdeckt, die für ihr neues System Schweinebauern suchten. Damit war es den Blaubachern gleichzeitig möglich, auch noch ihre eigenen Ferkel zu mästen.

„Und mit diesem Preis, der mir gezahlt wird, kann ich auch die nächsten zehn Jahre kalkulieren“, so der Jungbauer. Besonders in Tiefpreisphasen habe er einen Puffer. „Und das Geld kommt regelmäßig“, fügt er hinzu. Er habe auch schon ein Angebot bekommen, noch mehr als die rund 3000 Mastschweine und 1000 Ferkel pro Jahr zu liefern. „Aber dann müsste ich noch mal bauen“, gibt er zu.

Auch so müssen die Herrmanns investieren. Nicht nur, dass jedes Tier 1,5 Quadratmeter Endmastfläche braucht, der Stall muss auch mit Stroh ausgestreut sein und ein Auslauf angeboten werden. Der sogenannte Ergänzer mit Soja, Raps, Mineralstoffen und Eiweiß, aus dem das Futter zu etwa 25 Prozent besteht, ist zudem rund 20 Prozent teurer als für andere Betriebe, weil bestimmte Futtervorschriften eingehalten werden müssen.

Der Hof erzeugt Mais, Getreide und Heupellets, die den Rest der Nahrung ausmachen, selbst. Trotzdem muss dieses bei Landwirten aus der Umgebung noch zugekauft werden. „Aber ich arbeite trotzdem mit Ertrag“, sagt ein überzeugter Matthias Herrmann. Die Zukunft des Familienbetriebs sei gesichert.

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