Bis spät nachts alle am Tisch

CHRISTINE HOFMANN 22.12.2012

Das Haus von Familie Baierlein im Crailsheimer Stadtteil Sauerbrunnen wurde 1956 gebaut. Genauso lange wird hier jedes Jahr das Weihnachtsfest gefeiert. Zuerst sang Therese Baierlein in ihrem Elternhaus mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter Lieder unterm Tannenbaum. Nach dem Tod der Mutter hat es sich Therese Baierlein zur Aufgabe gemacht, die Tradition fortzuführen: Sie lädt stets die ganze Familie ein, um gemeinsam zu feiern. "Weihnachten findet bei uns immer ein Jahrestreffen statt, an dem alle an einem Tisch zusammenkommen", sagt sie. Das ist bis heute so.

Mittlerweile sind die Kinder der Senioren Gerhard und Therese Baierlein groß geworden und haben selber Familie und Kinder: Die Enkel Felix (20), Benedikt (16), Anna (15), Lena (12) und Benita (10) kennen es nicht anders, als den Heiligen Abend in großer Runde zu verbringen. "Mir gefällt diese Tradition gut", sagt Anna, "es ist richtig schön, wenn alle da sind und wir gemeinsam feiern. Anders könnte ich mir das Weihnachtsfest gar nicht vorstellen."

Auch der Heilige Abend folgt einem traditionellen Muster, das nur ungern verlassen wird. Er beginnt damit, dass jede Familie zunächst einen eigenen Weihnachtsbaum schmückt. Ist das Werk vollbracht, trifft man sich auf ein Glas Sekt und bewundert gegenseitig die geschmückten Tannen. "Bei uns ist der Baum mit den Kindern gewachsen. Jedes Jahr wurde er ein Stück größer", sagt Ralf Baierlein. Um die Tannenspitze aufzusetzen, braucht er mittlerweile einen Stuhl. Jedes Jahr wartet die ganze Familie mit Spannung, ob die Lichterkette noch ihren Dienst tut. Schon manches Mal musste in letzter Sekunde noch eine neue Beleuchtung herbeigeschafft werden. Die weiteren Aufgaben sind genau verteilt: Oma Therese ist für die Vorbereitung des Abendessens zuständig, Tochter Tanja Köhnlein bereitet die Nachspeise zu, und Sohn Ralf Baierlein sorgt für Getränke.

Auch wenn es manchmal eng wird, gibt es für jeden einen Platz vorm Weihnachtsbaum. Der Abend beginnt musikalisch: Jedes Enkelkind spielt ein Weihnachtslied vor, und wer kann singt mit. Wenn Therese Baierlein das Glöckchen läutet, beginnt die Bescherung.

Nach dem Essen gibt es einen weiteren Höhepunkt: Ralf Baierlein spielt gemeinsam mit Benita und Lena auf der Trompete, begleitet von Anna und ihrer Klarinette draußen auf dem Balkon Weihnachtslieder. Die weihnachtlichen Weisen schallen weit über den Sauerbrunnen. "Da hört man, wie rechts und links die Balkontüren aufgehen. Und manchmal gibt es sogar Beifall aus der Nachbarschaft", berichtet Irene Baierlein. Auch das nächtliche Weihnachtsliederspielen hat schon eine Tradition, die drei Generationen zurückreicht.

Obwohl bei Familie Baierlein das ganze Jahr über drei Generationen unter einem Dach leben, ist das Zusammensein am Weihnachtsabend allen Familienmitgliedern wichtig. "Übers Jahr hat man meist nicht so viel Zeit, um sich in Ruhe zusammenzusetzen. An Weihnachten nehmen wir uns die Zeit. Da wird es meistens ganz schön spät - oder besser gesagt früh", verrät Familienoberhaupt Gerhard Baierlein. Und Tanja Köhnlein, die mit ihrer Familie nur wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernt wohnt, fügt an: "Ich weiß auch nicht, warum wir uns an diesem Abend nicht trennen können. Wir haben ja darüber hinaus auch viel Kontakt. Aber der Weihnachtsabend, der ist etwas ganz Besonderes."