Viele Ideen, Anregungen und Bedenken wurden von den Stadträten geäußert, als sie in der vergangenen Woche in einer Sondersitzung über die Umgestaltung der Crailsheimer Schullandschaft diskutierten. Ein Gutachter hatte vorgeschlagen, die beiden Gemeinschaftsschulen und die beiden Realschulen zusammenzulegen – am jeweils größeren Standort. Künftig würde es nach diesen Plänen eine große Gemeinschaftsschule Eichendorffschule (EDS) im Westen und eine große Realschule am Karlsberg (RaK) im Osten der Stadt geben.

Schulstandort nicht aufgeben

Für Sebastian Klunker (AWV) macht eine Zusammenlegung der Gemeinschaftsschulen durchaus Sinn. Den ohnehin benötigen Erweiterungsbau an der Eichendorffschule (EDS) könnte man anstatt dreistöckig auch vier- oder fünfstöckig bauen, schlägt er vor. „Wichtig ist, dass die Käthe-Kollwitz-Schule an der Eichendorffschule bleiben kann, um die Kooperation fortzusetzen.“

Grundsätzlich spricht sich der Fraktionsvorsitzende dafür aus, den kleinen Realschulstandort (Realschule zur Flügelau, RzF) im Westen der Stadt nicht aufzugeben, sondern zu stärken. „Wenn alle Realschüler ans andere Ende der Stadt fahren müssen, ist das schlecht für das Verkehrsaufkommen.“ Außerdem werde das Hallenbad ins Maulachtal, also in die unmittelbare Nähe der RzF gebaut. Und die Hirtenwiesenhalle, die momentan von Schülern der RzF und des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG) genutzt werde, würde bei einer RzF-Verlegung nur noch von einer Schule belegt. Am geplanten neuen Standort im Crailsheimer Osten dagegen gebe es schon jetzt zu wenige Hallenkapazitäten.

Klunkers Vorschlag: Die RzF neben das Lise-Meitner-Gymnasium bauen – und zwar größer als sie momentan ist. Sie müsste Ganztagesschule werden und könnte so den Druck steigender Schülerzahlen von der aus allen Nähten platzenden Realschule am Karlsberg (RaK) nehmen.

„Eigentlich hat die Studie ein schönes Ergebnis: Es gibt genügend Kinder in der Stadt“, sagt Markus Schmidt (Grüne). Die Erwartung, bei den Schulsanierungen Geld einzusparen, hätte sich indes nicht erfüllt. „Wir müssen sogar mehr Geld ausgeben“, sagt Schmidt.

Sein Alternativvorschlag: Die Leonhard-Sachs-Schule sanieren und als Werkrealschule erhalten, EDS und RaK erweitern, die RzF neben das LMG neu bauen und die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) an ihrem jetzigen Standort lassen. Die RzF müsse Ganztagesschule werden.

Ob die Schulgröße das entscheidende Kriterium sei, um auf Dauer bestehen zu können, bezweifelt Schmidt. Der Stadtrat bringt die Möglichkeit der Lenkung von Schülerströmen ins Spiel: Der Schulträger soll regulierend eingreifen, wenn die eine Schule zu viele und die andere zu wenige Schüler habe.

Für gleiche Voraussetzungen in beiden Teilen der Stadt spricht sich Gerhard Neidlein (CDU) aus: „Im Osten wie im Westen sollte jede Schulart vertreten sein.“ Dennoch lobt der Fraktionsvorsitzende das Gutachten und den daraus resultierenden Vorschlag zur Neuorganisation. „Aus meiner Sicht hätte man die Entscheidung heute treffen können: Die Verwaltung hat hier erstmals eine Lösung vorgestellt, mit der man weiterkommen kann.“

Schwäbisch Hall

Diese Auffassung teilt Klaus-Jürgen Mümmler (CDU) nicht. „Wir sind noch nicht so weit, dass man entscheiden kann.“ Der vorliegende Vorschlag habe Gewinner und Verlierer. „Kann es nicht gelingen, einen Spagat zu machen?“, fragt Mümmler.

Fehlende Solidarität unter den Schulleitern?

Peter Gansky (BLC) bemängelt die „fehlende Solidarität“ unter den Schulleitern und dass in der Studie die beruflichen Schulen nicht berücksichtigt wurden. Dennoch sieht er die Stadt Crailsheim in der Pflicht, ihre Schulen ordentlich aufzustellen und auszustatten. „Es gibt Pflichtaufgaben und es gibt Küraufgaben. Schule ist Pflicht“, so Gansky. „Wir haben die Gemeinschaftsschule nach Crailsheim geholt und damit dem Umland seine Hauptschulen genommen und jetzt kriegen wir weiche Knie.“

Gernot Mitsch (SPD) bemängelt, dass die betroffenen Schulen bisher nicht vom Gemeinderat angehört worden sind. Er plädiert dafür, zuzuhören, was die Eltern und Schulleitungen sich vorstellten. „Die Diskussion beginnt jetzt erst richtig“, so Mitsch.

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