Serie Sonntagsspaziergang: Bilderbogen aus Bartenstein

Bartenstein / Von Birgit Trinkle 24.08.2018

Der Schlossgarten ist geschlossen. Nur durch Tore spickeln können Neugierige, die dann Kühe sehen und alte Rosenbüsche, den barocken Pavillon, die Orangerie, die langgestreckte Terrasse, auf der die Hofgärtner früher Obst, Gemüse und nicht zuletzt Blumen anbauten – der Mensch lebt schließlich nicht vom Brot allein.

Gut gebrüllt, Löwe

Die lange Stützmauer mit der Hainbuchenalle entlang der Schloßstraße lässt die Anlage dahinter allenfalls erahnen, und auch das Löwentor an der Westseite ist nur durch Gitter zu sehen. Brunhilde Bross-­Burkhardt, Autorin, promovierte Agrarwissenschaftlerin und Gartenexpertin ist eine waschechte Bartensteinerin.

Sie erzählt aus ihrer Kindheit, in der sie im fürstlichen Garten ebenso daheim war wie in all den anderen Anlagen ihrer kleinen Stadt: Der Vater habe seine Kinder immer die Hand ins Löwenmaul legen lassen – wer gelogen habe, werde dann schon sehen. Sie lacht, als sie sich daran erinnert. Schon damals wusste sie, dass der Papa nur scherzte.

Bilderbuchansichten

Sie zeigt gern vor, was in Bartenstein so alles gewachsen ist. Rosensorten wie die „Rosenresli“ oder die „Märchenland“ etwa. Dann sind da Straßenbäume und Fassadenbegrünungen, Mini-Vorgärtchen, Kübelpflanzen und nur auf den ersten Blick unscheinbare Mauerritzenvegetation.

Das Land hoch über dem Ettetal ist fruchtbar. Bis heute kann ein Stück der unteren Schlossterrasse für den Obst-, Kräuter- und Gemüseanbau gepachtet werden. Und was immer dort gepflanzt wird, trägt dank der Südhanglage reiche Frucht. Das zeigt sich auch in anderen Gärten, etwa dem früheren Epple-Garten, der wie ein klassischer Bauerngarten angelegt ist und mit den Kiesstreifen, dem Begrenzungsbuchs und den alten Rosen eine Augenweide ist. Herbstanemonen, Blauraute, Lavendel, Flieder, Taglilien: Was hier blüht und riecht, ist ein Fest für die Sinne.

Im Norden gibt es das Ostlandkreuz, gleich daneben eine Obstbaumallee mit uralten Sorten wie dem Wettringer Taubenapfel. Im Süden locken der Blick aufs Ettetal und die steilen Stufen des „Schloßstäffele“, eine Treppenanlage, die zum erweiterten Stadtrundgang oder nach Ettenhausen führt. Mittendrin sind Stadttore, Plätze und eine Prachtstraße, die aussieht wie einer Spielzeugstadt entnommen – bis auf den Straßenknick am Marktplatz ist alles kerzengerade ausgerichtet. Nichts stört die Harmonie. Das kommt nicht von ungefähr.

Barocker Baumeister

Es gibt kein Gespenst im Bartensteiner Schloss; wenn es in der zugigen Vorgängerburg eines gab, hat es vermutlich Reißaus genommen, als Bautrupps anrückten, um dem alten Hochadelsgeschlecht von Hohenlohe, genauer der Linie Waldenburg-Bartenstein, einen in Stein gemeißelten Herrschaftsanspruch auf den Bergrücken zu stellen.

Die Bedingungen dafür waren ideal. Andernorts mussten sich die Fürsten mit bestehenden Städten und damit mit Chaos und Unordnung herumärgern. Nur wenige waren so konsequent wie der absolutistischste aller Herrscher, der französische König Ludwig IV.: Er ließ sein Traumschloss Ver­sailles auf der grünen Wiese bauen. Bartenstein aber war um 1700 nicht viel mehr als die alte Burg. Das eigentliche Dorfleben spielte sich in Ettenhausen im Tal ab. Als die Familie also dem Trend der Zeit folgend durch eine buchstäblich repräsentative Residenz ihre Macht zeigen wollte, konnte sie lehrbuchhaft vorgehen. Der von ihr engagierte, damals schon recht betagte Hofbaumeister Andreas Gallasini entwarf ab 1760 das neue Bartenstein auf dem Reißbrett. Keine störenden gewachsenen Strukturen standen im Weg. Die Häuser an der neuen Prachtstraße waren Angehörigen des Hofstaats zugewiesen, deren Rang sich noch heute an der Entfernung zum Schloss ablesen lässt.

Nun ist diese Geschichte deshalb so interessant, weil dem Aufstieg Bartensteins wenige Jahrzehnte später ein Fall ins Bodenlose folgte. Die Familie gab die Hofhaltung ab 1800 auf; 1806 übernahmen die Württemberger. Das Schlosspersonal und Fachkräfte wie Perückenmacher oder Hofstrumpfstricker standen vor dem Nichts und wanderten ab.

Lebendiges Zeugnis alter Zeit

Mit gutem Grund wurde Bartenstein immer wieder das Dornröschen unter Hohenlohes Schlössern genannt: Über 150 Jahre später erwachte der Ort derart langsam zu neuem Leben, dass typische Bausünden gar nicht erst begangen werden konnten. Als nämlich die Bewohner und das Geld für einschneidende Veränderungen da gewesen wären, stand die barocke Stadt bereits unter Gesamtanlagenschutz.

Massentourismus soll es nicht geben. Aber dass von sieben Gasthäusern nicht eines geblieben ist, wird von Bewohnern und Gästen bedauert. Die traumhaft schöne Schlosskirche ist nur für Gottesdienste und Führungen geöffnet. Und wer den verwilderten Garten der Fürstenfamilie gekannt hat, hofft inständig, er möge wieder freigegeben werden. Auch so lohnt Bartenstein aber in jedem Fall einen Sonntagsspaziergang.

Info Bartenstein, ein Teilort Schrozbergs, liegt auf Höhe Riedbachs an der B 290 zwischen Blaufelden und Bad Mergentheim. Auf einem historischen Rundweg – vom Ortseingang die Schloßstraße entlang, durch Riedbachtor, Gütbachtor, über den Schlossplatz bis zur Wäldlesgasse – erzählen Haustafeln aus Bartensteins Geschichte. Infos gibt es unter Bartenstein.net

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