Bilder wie surreale Traumsequenzen

Die Jalousien in der Hauptstelle der Sparkasse in Crailsheim haben Ilke Nowicki zu einer neuen Bilderserie angeregt. Foto: Ralf Snurawa
Die Jalousien in der Hauptstelle der Sparkasse in Crailsheim haben Ilke Nowicki zu einer neuen Bilderserie angeregt. Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 19.07.2013

Jalousie" hat Ilka Nowicki ihre in der Crailsheimer Hauptniederlassung der Sparkasse zu sehende Ausstellung genannt. Die Jalousien im Foyer der Bank waren der Auslöser dazu. Vorstandsvorsitzender Thomas Lützelberger führte in seiner Begrüßung gleich zum Thema der Ausstellung hin. Man habe Ilka Nowicki, die in Schwäbisch Hall ein Atelier hat, entscheiden lassen, in welcher der beiden Hauptniederlassungen der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim sie ausstellen will.

Sie entschied sich für Crailsheim. Ein Grund dafür seien die Glaswände mit den Jalousien dahinter gewesen. Dafür hatte die in Künzelsau geborene und einige Zeit auch im Bereich Bühnenbild am Stuttgarter Staatstheater tätige Künstlerin eigens alle 28 Bilder, acht kleineren Objekte sowie 15 Grafiken der Serie gemalt. Ein von Gudrun Hölzer herausgegebener Katalog ist zur Crailsheimer Ausstellung erschienen.

Stadtmuseumsleiterin Friederike Lindner betonte in ihrer Einführung zu den Bildern, dass sie vielfach wie "surreale Traumsequenzen" anmuten würden: "Sehr fein und assoziativ lotet die Künstlerin in ihnen Emotionen aus. Wir Betrachter können durch die Lamellen spähen und werden Zeugen eines dennoch undurchschaubaren Geschehens und innerer Befindlichkeiten, zu dem wir unser eigenes Bühnenstück entwickeln können", wie Lindner mit Blick auf Nowickis bühnenbildnerische Zeit vermerkte.

"Hauchfein zart geknittertes Japanpapier" gebe auf den Collagen Körpern Oberfläche oder Kontur. Oder sie verwendet eigene Fotografien. Das betrifft etwa die Hausfenster, die sich in Köpfe eingebaut wiederfinden. Manchmal sind auch die Köpfe selbst Fotografien.

Ungewöhnlich ist auch der Einsatz der lamellenartigen Strukturen auf den Bildern. Sie sind oft gleichzeitig vor wie hinter den Körpern. Die Idee des Ver- wie Entbergens durch die Jalousie scheint dahinterzustehen. Die Museumsleiterin bemerkte hierzu: "Die Jalousien sind ein den Raum stark prägendes Element. Ihre Wandelbarkeit, die Funktion, etwas verbergen zu können, die Möglichkeit geschützt hinauszuspähen, all das regte die Fantasie der Künstlerin an."

Lindner verwies auf die Chiffre "Jalousie" im Film Noir: Gefühle drohender Gefahr oder unendlicher Einsamkeit, Empfindungen, menschliche Befindlichkeiten und der Blick in sich selbst hinein. "Wir bleiben frei in unserer Vorstellungskraft, sind aufgefordert, die Bildschichten und Zeichen Stück für Stück zu entdecken."

Vom tiefroten Bild mit dem "sprachlosen Paar" bis zur erotisch aufgeladenen Szenerie reiche die Spannweite. Auf einem der lang gezogenen Bilder, die Lindner besonders surreal erscheinen, sei eine "Traumsequenz" zu sehen: "Ruhig, geradezu majestätisch zieht eine Flunder vorbei."Info Die Ausstellung ist bis zum 6. September zu den Öffnungszeiten der Sparkasse in Crailsheim zu sehen. Darüber hinaus ist das Sparkassenfoyer anlässlich des Kulturwochenendes zusätzlich am Sonntag, 21. Juli, von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Ilka Nowicki ist anwesend und beantwortet Fragen.