Bilder von Werner Baumann mit Motiven aus Kirchberg im Sandelschen Museum

Dr. Reiner Baumann aus München, Bürgermeister Stefan Ohr und Museumsleiterin Grete Gonser (von links) eröffneten die Werner-Baumann-Ausstellung im Sandelschen Museum in Kirchberg.
Dr. Reiner Baumann aus München, Bürgermeister Stefan Ohr und Museumsleiterin Grete Gonser (von links) eröffneten die Werner-Baumann-Ausstellung im Sandelschen Museum in Kirchberg. © Foto: Hartmut Volk
HARTMUT VOLK 01.04.2015
Einen weiten künstlerischen Weg hat der aus Crailsheim gebürtige Grafiker Werner Baumann (1925 bis 2009) zurückgelegt. Anschaulich nachvollziehbar macht ihn die Sonderausstellung im Kirchberger Sandelschen Museum, die anlässlich seines 90. Geburtstages stattfindet.

Der Öffentlichkeit sei er vor allem durch seine großformatigen abstrakten Schwarz-Weiß-Linoldrucke bekannt geworden, sagte Dr. Reiner Baumann in seiner Einführung in Leben und Werk seines Vaters. Begonnen hat dessen künstlerischer Werdegang mit Zeichnungen im naturalistischen Stil. In den ersten Jahren nach dem Krieg schuf er mit schnellem, treffsicherem Strich Hunderte von Bleistift- und Tuschzeichnungen, die vor allem sein häusliches Umfeld und seine Hohenloher Heimat zum Gegenstand haben. Darunter sind auch 13 Bilder mit Motiven aus Kirchberg, die Reiner Baumann im November 2013 dem Sandelschen Museum gestiftet hat.

Sie werden nun erstmals in Gänze gezeigt, zusammen mit weiteren Zeichnungen aus dem Familiennachlass. Die idyllischen Stadt- und Landschaftsansichten erinnern an Bilder aus der Romantik. Nach Fotos von Crailsheim vor dem Krieg fertigte der Künstler Zeichnungen mit alten Crailsheim-Motiven, die in der Nachkriegszeit sehr nachgefragt waren. Damit finanzierte er sich sein Studium an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste.

Im Laufe seines Studiums endete diese Schaffensperiode. Bei seinem Lehrer Karl Rössing lernte Baumann den Holzschnitt als neue Ausdrucksform kennen und schuf in scharfen Schwarz-Weiß-Kontrasten figürliche Darstellungen für Buchillustrationen. Bald wechselte er aber die Drucktechnik und entdeckte den Linolschnitt als sein ideales "Verwirklichungsmittel", - so sein Credo über die Technik, "die zum Bekenntnis herausfordert, zum unmissverständlichen Darlegen dessen, was man meint".

Eindeutigkeit und Klarheit prägen Baumanns kontrastreiche Linoldrucke. Seine Motive bleiben großteils die alten, aber ihre Darstellung hat sich grundlegend geändert. Häuser und Landschaften werden auf ihre markantesten Linien und Flächen reduziert, den Künstler fasziniert die "Maßstäblichkeit" der alten Hohenloher Bauernhäuser, mit ihren klaren Verhältnissen von Mauerkörper und Dach.

Im Laufe der 1990er-Jahre nahmen die geometrischen Formen der Architekturmotive zunehmend abstrahierten Charakter an und mündeten schließlich in die gegenstandslosen, wie Baumann sie nannte, "konkreten" Arbeiten ohne gegenständliches Vorbild. Bei seinen späten Arbeiten hat der Künstler das Motiv in der Regel nicht mehr aus einem Stock geschnitten, sondern einzelne Linolstücke stempelartig neben- oder übereinandergedruckt.

Konzipiert wurde die Ausstellung im Sandel-Saal vom Vorsitzenden des Museums- und Kulturvereins, Friedrich König, sowie der ehrenamtlichen Museumsleiterin Grete Gonser. Den Kontakt zwischen den Beteiligten hatte der frühere Kirchberger Pfarrer und Galerist Hans Dieter Haller hergestellt.

Info Die Ausstellung "Werner Baumann - Bilder von Kirchberg und Hohenlohe" im Sandelschen Museum in Kirchberg ist bis zum 23. August zu sehen. Die Öffnungszeiten des Museums: sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr.

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