Crailsheim/Saurach Widerstand gegen Engel-Brauerei in Saurach

Crailsheim/Saurach / Birgit Trinkle 17.02.2018
Die Engel-Brauerei hat in der Haller Straße  keine Entwicklungsmöglichkeiten. Gegen die geplante Ansiedlung bei Saurach gibt’s Widerstand.

Die Familie Fach will bei Saurach eine „Erlebnisbrauerei“ errichten. Das Projekt hat jedoch Gegner. Roger Schumacher und Jörg-Martin Dann, die der Bürgerinitiative ihre Stimme geben, setzen große Hoffnungen in ein für Montag geplantes Gespräch im Rathaus, zu dem Oberbürgermeister Christoph Grimmer und Baubürgermeister Herbert Holl Vertreter der Landwirte, denen die Grundstücke größtenteils gehören, und der im Januar gegründeten Bürgerinitiative einladen, um, wie sie sagen, „Unklarheiten auszuräumen“, wie’s die Einladung verspricht..

Schumacher und Dann versprechen sich vieles vom Gespräch mit der Verwaltungsspitze: „Wir wollen den Dialog, wollen hören, was die anderen zu sagen haben.“ Auf der Sachebene diskutieren, das sei ganz wichtig, auch wenn das Thema ein sehr emotionales ist. Beide betonen, sie hätten keine privaten Interessen am Sauerholz, außer eben, dass sie die Gegend dort für ihr Leben gern zu Fuß oder mit dem Rad durchstreifen und von ihrer Schutzwürdigkeit überzeugt sind. Die nasse, saure Erde, die dem Sauerholz den Namen gibt, die Sauerwiesen und der Eichenwald mit den wassergefüllten Dolinen seien für sich genommen ein Schatz, den es zu erhalten gelte; darüber hinaus aber gebe es „nicht mehr viel Natur zwischen Crailsheim und Ilshofen“. Sie warnen eindringlich vor der Bebauung. So gut sich die Pläne der Engel-Brauerei auch anhörten, und so nachvollziehbar deren Suche nach einem neuen Standort sei: Sie sehen das erste Gebäude im Sauerholz als eine Art Sündenfall, der der Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe Tür und Tor öffne.

Sie haben die Befürchtungen wegen des Wasserverbrauches des Engel-Projektes. Der könne das nahe Eichenwäldchen trockenfallen lassen oder auch negative Auswirkungen auf das Einzugsgebiet der Schmerach haben. Wasserentnahmen sind freilich Gegenstand eines wasserrechtlichen Verfahrens: Dem Landratsamt liegen dazu bislang keine Unterlagen vor. Simone Bocher-Hohenstein spricht für die Landkreisverwaltung von naturschutzrechtlich geschützten Flächen im Randbereich des von der Planung betroffenen Gebiets: „Eine Feuchtfläche liegt innerhalb des Plangebiets.“ Derzeit könne nicht beurteilt werden, ob und wie stark diese Flächen betroffen wären.

Die Gegner sprechen von Alternativen für die Brauerei: „Vielleicht nicht ganz so exklusiv wie das Sauerholz, dennoch in jeder Beziehung geeignet.“ Sie wollen die Sauerwiesen schützen: „Man muss nicht alles zubauen; das hier hat’s wirklich verdient, bewahrt zu werden.“ Auch die Naturschutzverbände, die sich im Umweltzentrum zusammengeschlossen haben, betonen, das Betriebskonzept für sich gesehen werde „wegen seiner ökologischen und nachhaltigen Ansätze“ unterstützt, auch sie sprechen sich aber für alternative Standorte etwa bei Roßfeld aus.

Um die Frage klären zu können, ob die Brauerei nach Saurach ausgesiedelt werden kann, hat der Gemeinderat einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Die Planungshoheit über die Ansiedlung einer „Natur- und Erlebnisbrauerei“ hat allein die Stadt Crailsheim.

Info Die Familie Fach, Inhaberin der Engel-Brauerei, wollte sich in den vergangen Tagen nicht zum Saurach-Projekt äußern, will die Planung aber in der kommenden Woche öffentlich machen. Wir werden berichten.

Was der Naturschutz sagt

Die Naturschutzverbände, die sich im Umweltzentrum Kreis Hall zusammengeschlossen haben, erklären, mit dieser Planung werde freie Landschaft zersiedelt, ein wertvoller Wald mit empfindlichen Feuchtgebieten geschädigt und ein als FFH-Gebiet geschütztes Gewässer bedroht. Zudem liege das Gewerbegebiet mitten in einem regionalen Grünzug, der laut Regionalplan von größeren Bauvorhaben frei gehalten werden muss. Am Rande bestehender Gewerbegebiete in Buch oder Roßfeld gebe es aus Sicht des Naturschutzes erheblich weniger Bedenken. In jeweils unverbaubarer, waldnaher Randlage lasse sich ebenfalls ein für Besucher attraktiver Betrieb gestalten, zudem bestehe gute Anbindung ans Verkehrsnetz.

Der Bitte der Naturschützer an  Brauereibesitzer und Stadt, eine umweltverträglichere Alternative zu suchen, wurde nicht entsprochen. Martin Zorzi vom Umweltzentrum spricht von „Entsetzen“ angesichts des Vorhabens der Stadt, die zunächst vier Hektar große Planfläche bei Saurach zu einem 27 Hektar großen Gewerbegebiet „aufzublähen.“

Unterstützung kommt, so Zorzi, von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, die die Stadtverwaltung ebenfalls gebeten habe, Alternativstandorte für den Neubau der Engel-Brauerei zu prüfen. bt

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