Annelie wäre, wenn sie ein Mensch wäre, eine gute Fachkraft. Annelie hätte, wenn sie einen Job gesucht hätte, am Wochenende auf der "Fachkraft"-Messe im Hangar sicherlich schnell einen gefunden. Annelie hat keinen Job gesucht, weil sie schon alle Hände voll zu tun hat. Annelie ist das aktuelle Hochdruckgebiet und leitet unermüdlich heiße Luft nach Mitteleuropa.

Die trieb den Verantwortlichen des Messeveranstalters, also dem Hohenloher Druck- und Verlagshaus (HDV), gleich zweifach den Schweiß auf die Stirn. Erstens, weil es richtig heiß war und zweitens mit der Hitze die Frage verbunden: Kommen bei den Temperaturen überhaupt Besucher? Zum Glück war die Frage schnell beantwortet, denn schon bei der Messeeröffnung am Samstagmorgen war die Halle gut gefüllt. Die Besucher profitierten davon, dass sich nicht nur Annelie ins Zeug legte, sondern auch HDV-Marketingleiter Peer Ley und seine Mannschaft die Ärmel hochkrempelten. Es wurde noch schnell eine mobile Klimaanlage organisiert, außerdem gab's kostenlos Wasserflaschen und Eis für die Besucher.

Warum betätigt sich ein Medienunternehmen als Messeveranstalter? HDV-Geschäftsführer Thomas Radek gab bei der Eröffnung die Antwort: "Wir fühlen uns dieser Region verpflichtet." Ein Zeitungsverlag lebe davon, dass er aktuelle Themen aufgreift, "dass er sich einmischt". Und so veranstaltet das HDV nicht nur die Gesundheitsmesse "Vitawell", sondern nun auch noch die Berufs- und Karrieremesse "Fachkraft". Von deren Notwendigkeit ist nicht nur Radek überzeugt, sondern auch Landrat Gerhard Bauer. Deshalb übernahm er die Schirmherrschaft und sprach wie übrigens auch der Crailsheimer Oberbürgermeister Rudolf Michl die Hoffnung aus, dass es im nächsten Jahr wieder eine "Fachkraft" gibt.

Für Gerhard Bauer steht fest: "Die Fachkräftesituation spitzt sich immer mehr zu - besonders auch im Landkreis Schwäbisch Hall". In manchen Branchen wie der Logistik, der Gastronomie und des Lebensmittelhandwerks müsse schon ein Mangel konstatiert werden und in den für die gerade im Haller Landkreis so wichtigen Wirtschaftsbereichen wie Maschinenbau und Elektrotechnik würden auch schon Engpässe auftreten.

Kampf um Köpfe wird härter

Die Konsequenz: "Der Kampf um die guten Köpfe wird härter" (Bauer). Umso wichtiger sei vorausschauendes Denken und offensives Handeln der Personalabteilungen in den Unternehmen. Die Betriebe, die bei der "Fachkraft" mitgemacht haben, hätten die Zeichen der Zeit erkannt, so Bauer. Er bedankte sich bei ihnen für ihr Engagement. Allerdings dürfen es, geht es nach dem Landrat, gerne noch mehr werden. Nur wenn möglichst viele Firmen den "Kampf um die guten Köpfe" aufnehmen, sei gewährleistet, "dass unser Wirtschaftsgebäude nicht zu wackeln beginnt".

Crailsheims Oberbürgermeister Michl verwies auf die "excellenten Arbeitsmöglichkeiten" in der Stadt. Doch die müssten eben erst einmal wahrgenommen werden. Also sei es für Crailsheim und die ganze Region wichtig, auch überregional zur Kenntnis genommen zu werden. Dies sei eines der großen Ziele des Städtebündnisses "Hohenlohe plus". Wie gut die Möglichkeiten zum Arbeiten und zum Leben in der Region Heilbronn-Franken sind, machte Michl am "Crailsheimer Weg" fest, also an den Betreuungsangeboten für Krippen- und Kindergartenkinder sowie für Schüler: "Dieses Angebot ist so gut wie in einer Universitätsstadt."

Splitter von der Berufs- und Karrieremesse "Fachkraft"