Crailsheim Berliner Autor Oliver Scherz liest in Crailsheim aus seinem ausgezeichneten Afrika-Buch

Oliver Scherz liest in Crailsheim aus seinem preisgekrönten Kinderbuch "Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika".
Oliver Scherz liest in Crailsheim aus seinem preisgekrönten Kinderbuch "Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika". © Foto: Verlag
Crailsheim / SABINE SCHMIDT 17.04.2015
Der Berliner Oliver Scherz gilt als einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren der jüngeren Generation. Gerade erst wurde der 40-Jährige vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als "Lesekünstler des Jahres 2015" ausgezeichnet. Für sein Buch "Ben. Tickets für Lesung zu gewinnen.

Der Berliner Oliver Scherz gilt als einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren der jüngeren Generation. Gerade erst wurde der 40-Jährige vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als "Lesekünstler des Jahres 2015" ausgezeichnet. Für sein Buch "Ben." erhielt er 2014 den "Leipziger Lesekompass" der Leipziger Buchmesse. Sein Afrikabuch wurde im gleichen Jahr von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum "Buch des Monats Juni" gekürt. Am Donnerstag, 23. April, liest Scherz um 14.30 Uhr für die Kinder der Reußenbergschule in Tiefenbach aus seinem Buch "Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika". AOK und die Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ermöglichen die Lesung.

HOHENLOHER TAGBLATT: Sie haben zwei Bilderbücher und zwei Bücher für Vorschulkinder geschrieben, weitere Titel sind in Arbeit. Was reizt Sie an Geschichten für Kinder?

OLIVER SCHERZ: Sie leben in einer anderen Gedankenwelt als Erwachsene. Sie überwinden Grenzen einfach mithilfe ihrer Fantasie und ihrer ganz eigenen, verblüffenden Logik. Das fasziniert mich, und ich möchte Geschichten erzählen, die Kinder in ihrer Fantasie anregen. Die sie packen, fesseln, sie zum Lesen bringen. Außerdem schreibe ich gern für Kinder, weil ich ihnen etwas mitgeben möchte. Neben der unterhaltsamen, spannenden Ebene gibt es in meinen Geschichten auch immer eine zweite, ernsthafte: Kinder können, wenn sie mögen, tiefer gehen, zwischen den Zeilen lesen und etwas über das Leben erfahren.

In "Ben." erzählen Sie Geschichten aus dem Alltag eines Vorschulkindes, die es zusammen mit Herrn Sowa, seiner Schildkröte, erlebt. Warum haben Sie sich gerade für diese Geschichten entschieden?

SCHERZ: Der Alltag mit Kindern kann so überraschend und aufregend sein, dass sich sehr viel darüber erzählen lässt. Außerdem ist "Ben." ein besonders persönliches Buch. Auch wenn ich mich gar nicht mehr so konkret an Erlebnisse in diesem Alter erinnern kann, steckt in den Geschichten viel von mir, von meinen Gefühlen, die ich mit fünf, sechs Jahren hatte. Die Einschulung war damals der erste große Schritt im Leben, und es macht mir Spaß, diese Zeit für Kinder heute mit Geschichten zu begleiten.

Das Buch "Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika" ist ganz anders als "Ben." mit seinen eher leisen Alltagsgeschichten: Es gibt eine wilde Rodelpartie in den Schneebergen oder am Meer die Begegnung mit einer gefährlichen Riesenkrake. Was hat Sie daran gereizt?

SCHERZ: Eben gerade, dass es so anders ist. Nach "Ben." wollte ich mich in eine andere Richtung wagen, an eine Abenteuergeschichte, in der es um Sehnsucht, Freundschaft und die Kraft der Fantasie geht. Sehnsucht ist ein Gefühl, das Kinder gut nachvollziehen können, weil sie so vieles tun möchten, wozu sie aber noch nicht in der Lage sind. Es ist eine Geschichte voller Gefühle und besonderer Erfahrungen, die ganz aus der Vorstellungskraft der beiden Kinder erwächst.

Sie haben eine Schauspielausbildung absolviert, sind hin und wieder in Fernsehfilmen zu sehen, und Sie arbeiten als Cutter - das ist alles weit weg von der Welt der Bücher. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

SCHERZ: Als so weit voneinander entfernt empfinde ich meine Berufe gar nicht. Die Schauspielerei hilft mir, mich beim Schreiben in meine Figuren hineinzuversetzen, und die Arbeit als Cutter hat mein Gefühl für Rhythmus und dramaturgischen Aufbau geschärft. Aber es stimmt: Es war lange Zeit nicht abzusehen, dass ich einmal als Autor arbeiten würde. Erst mit Anfang 20 bekam ich Zugang zur Literatur, habe dann viel gelesen und vor etwa acht Jahren ein Buch geschrieben: nicht um es zu veröffentlichen, sondern weil es mir Spaß gemacht hat, und um etwas über das Schreiben zu lernen.

War das schon ein Kinderbuch?

SCHERZ: Nein, sondern ein Roman über einen Mann in meinem Alter. Ich habe aber gespürt, dass Texte für Erwachsene nicht meine Welt sind. Was ich wirklich machen möchte, wurde mir erst klar, als vor vier Jahren unsere Tochter geboren wurde. Heute füllt mich die Arbeit als Kinderbuchautor aus: Hier kann ich meine Fantasie und meine Gefühlswelt am besten zum Ausdruck bringen.

Die Fragen stellte Sabine Schmidt.

Info Einige kleine und große Leser des HOHENLOHER TAGBLATTS können an der Lesung am Donnerstag, 23. April, in Tiefenbach teilnehmen. Wer eine E-Mail an die Adresse redaktion.ht@swp.de schreibt, kann mit etwas Glück Freikarten gewinnen.

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