Gschwend Bergsteigen: Die Gefahr ist ständig dabei

Gschwend / THOMAS WAGNER 30.09.2014
Der Gschwender Alpinsportler Jan Schneider ist vor wenigen Tagen wieder in Deutschland gelandet. Seine Klettertour im Karakorum-Gebirge hat seine Abenteuerlust allerdings nur weiter befeuert.

Trotz seiner Reisestrapazen wirkt Jan Schneider aus Gschwend richtig gut erholt. Vor wenigen Wochen stand der 22-Jährige noch auf dem Gipfel des Sulu Peak im Karakorum-Gebirge in Pakistan. Nachdem sein Kletterpartner die Expedition verletzungsbedingt absagen musste, kämpfte sich Schneider alleine durch Eis und Fels. Das Erreichen des Gipfels des Sulu Peak mit seinen 5970 Metern Höhe war einer seiner unvergesslichsten Momente, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass er einmal dort oben steht, hätte er vor wenigen Jahren, als er mit dem Klettern begann, nicht gedacht. Wie er zum Bergsteigen kam, kann Schneider gar nicht so leicht beantworten. Das Ganze entstand eher aus einer Bierlaune heraus. Mit einem Kumpel zusammen hatte er die "Schnapsidee", erst einmal einen Klettersteig zu machen und dann an Felsen zu üben. Damals war er knapp18 Jahre alt. "Die Extreme waren anfangs gar nicht vorstellbar. Man steckt sich ja nicht gleich das Ziel: Ich will auf den Mount Everest." Es zeichnete sich jedoch recht schnell ab, dass kleinere Gipfel keine Herausforderung mehr darstellten. "Eine Obergrenze war eigentlich nie erreicht. Man lotet nach und nach aus, was physisch und psychisch möglich ist." In Pakistan musste er im Basislager auf 4300 Metern Höhe elf Tage warten, bis die Bedingungen einen Aufstieg zum Sulu Peak zuließen. "So etwas geht natürlich schon an die Substanz. Man ist alleine, hat keinen Kontakt zur Außenwelt und muss sich mit sich selbst beschäftigen. Musik kann man irgendwann nicht mehr hören, und das Buch, das man dabei hat, ist irgendwann auch ausgelesen." Schneider erzählt allerdings auch von anderen Touren, auf denen er mit einem Kletterpartner unterwegs war. "Da ist es fast genauso extrem. Irgendwann geht dir schon die kleinste Geste deines Partners auf die Nerven."

Der Tod fährt ständig mit

In Pakistan waren eigentlich drei Gipfelbesteigungen geplant. Wegen der äußeren Bedingungen konnte der 22-Jährige letztendlich nur einmal von ganz oben herunterschauen. "Das Wetter war insgesamt einfach zu schlecht. Eine britische Expedition brach nach zehn Tagen im Basiscamp einfach ab und trat wieder den Abstieg an." Schneider blieb - und wurde am Ende belohnt. Durch einen Wetterumschwung zwischen dem 18. und 21. August öffnete sich ein kleines Zeitfenster für den Aufstieg. Am 19. August stand Jan Schneider auf der Spitze. Anschließend folgten zwölf weitere Tage im "Basecamp", dann begann der Abstieg. Doch damit war das Abenteuer keineswegs beendet, denn Flugzeuge nach Islamabad fliegen vom Flughafen am Fuß des Berges ebenfalls nur, wenn das Wetter mitspielt. "Von 1000 Bergsteigern haben vielleicht 100 das Glück, mit dem Flugzeug zurück in die Hauptstadt zu kommen." Schneider musste also mit dem Jeep über den berüchtigten Karakorum-Highway gefahren werden. Vor etwa einem Jahr, am 24. Juni 2013, wurden dort am Basiscamp, das zum Nanga Parbat führt, zehn Bergsteiger von den Taliban erschossen. "Der Tod fährt unterbewusst ständig mit", erzählt er. Als wären 22 Stunden im Jeep über teils unbefestigte Straßen mit steilen Abhängen nicht schon genug.

Am Ende ist der 22-jährige Student aber wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. Ob er schon weitere Pläne für die Zukunft hat? "Aktuell sind die Eisverhältnisse am Matterhorn gut. Der Vorteil ist, dass man dort schnell hinkommt und bei schlechtem Wetter schnell wieder abreisen kann. Vielleicht mach ich das mit einem Kumpel zusammen am Wochenende."

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