Crailsheim Blick in den Sparkassen-Tresorraum

Crailsheim / Birgit Trinkle 17.08.2018
Der Blick in den Tresorraum der Crailsheimer Sparkasse führt zu Betrachtungen über die Besonderheiten und die Zukunft des Bargelds.

In Größe und Gewicht ähneln 50.000 Euro einer Tafel Schokolade: So ein Bündel 500-Euro-Scheine sieht nach gar nichts aus; eine Million Euro passen problemlos in ein Aktenköfferchen. Wer sich den Tresorraum einer Bank wie Dagobert Ducks Goldtaler-Depot vorstellt, in dem das Geld über den Pegelstand oder gleich in Kubikhektar gezählt wird, findet eher beim Münzgeld Ähnlichkeiten. Tausend 20-Cent-Münzen wiegen 5,7 Kilo. Wer weiß, dass unter anderem über Münzeinzahler und Parkgebühren allein in der Hauptstelle Crailsheim der Sparkasse jeden Monat rund 2,5 Tonnen Kleingeld ankommen, weiß, dass auch mengenmäßig richtig viel Geld bewegt wird: 1.481.188 Münzen allein im ersten Halbjahr 2018. Insgesamt also kein Wunder, dass eine der spannendsten Türen Crailsheims dieses Geld schützt.

Willi Hermann, seit 42 Jahren Mitarbeiter der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim und seit fast sieben Jahren Hauptkassier in Crailsheim, hat sich lange schon an ungewöhnliche Türen gewöhnt. Wann immer er in sein Büro geht, öffnet er mithilfe einer Zahlenkombination die Tür zu einer kleinen Kabine. Sobald sich diese Tür hinter ihm geschlossen hat, ist er durch schusssichere Verglasung so sicher, wie’s nur geht; eine in den Boden eingelassene Waage verhindert, dass eine zweite Person bei ihm ist, die ihn bedroht. Erst jetzt kann er mithilfe seines Fingerabdrucks die „Haupt- und Diskretkasse“ Crailsheims betreten, die sein eigentlicher Arbeitsplatz ist. Von hier aus wird einiges an Geld bewegt. Kein Vergleich freilich zu einem 30 Quadratmeter großen Raum einen Stock tiefer.

30 Zentimeter dicke Stahltür

Bereits der Vorraum kann nur von einer Handvoll Menschen betreten werden; über einen Bildschirm ist zudem genau zu sehen, wer Einlass begehrt. Das Geld, das in den Nachtstunden oder am Wochenende eingeworfen wird, landet hier in einem Tresor. Die geöffnete Tür zum eigentlichen Tresorraum ist als solche fast nicht zu erkennen; sie sieht aus wie ein Möbelstück im Raum: Rund 30 Zentimeter mächtig und über drei Tonnen schwer ist sie in Kombination mit den stahlverstärkten Wänden ein Hindernis für sich. Die schiere Menge an Sprengstoff C4, die nötig wäre, sie aus dem Weg zur räumen, sprengt jede sinnvolle Einbruchsplanung.

Für den Tagesbetrieb wird diese zeitschlossgesicherte Tür von zwei Personen mit einer geheimen Kombination geöffnet: Selbst wenn jemand Willi Hermann entführt oder erpresst, ist der Hauptkassier nicht in der Lage, den Tresor alleine zu öffnen. Von 19 bis 7 Uhr und am Wochenende geht überhaupt gar nichts, auch nicht im größten Notfall, sagt Hermann. Vielleicht, sinniert er auf Nachfrage, gibt es irgendwo einen „Mastercode“, „aber davon weiß noch nicht einmal ich etwas“.

Die Zeit, in der Bankschalter alternativlos waren und händisch Zehnerle für Zehnerle in die Hand genommen beziehungsweise auf dem Zählbrett arrangiert wurden, ist lange vorbei. Geldautomaten, Münzeinzahler und Rollenwechsler bestimmen die alltäglichen Bargeldgeschäfte der Bank. Das gesamte  Münzgeld geht an die Deutsche Bundesbank und kommt rolliert zurück. Wertdienstleister übernehmen alle Transporte, zudem das Bestücken der Automaten: An den 51 Automaten im Landkreis werden jeden Tag 1,5 Millionen Euro abgehoben. Allein Crailsheim betreut 13 Automaten von Roßfeld bis Jagstheim, von der Wolfgangstraße bis zum Kreuzberg.

Die Tücken der Technik zeigen sich vor allem bei der automatischen Einzahlung von Scheinen; sobald Münzen unter den Scheinen sind, Büroklammern, Gummis, auch auch schon mal ein originalverpacktes Zungenpiercing, ist so ein Automat außer Betrieb, und dann ist doch wieder der Mensch gefordert.

Jeder Schein, jede Münze wird in Crailsheim zweimal gezählt, in Hall noch einmal. Fehlt etwas, fällt das umgehend auf. Schwieriger ist das Falschgeldproblem. Jede Fälschung bedeutet ein Formular mit fünf Durchschlägen und ganz viel Hickhack. Heuer gab es erst zwei falsche Scheine, aber im Frühjahr 2016 war wohl eine Fälscherbande auf der Durchreise; damals tauchten innerhalb weniger Wochen fast 60 „falsche Fuffzger“ auf. Sie erkennen zu können, ist Pflicht für alle, die mit Geld arbeiten, und auch hier ist Technik bestimmend.

Blick auf den Weltspartag

Auch wenn weltweit das Bargeld an Bedeutung verliert und in Deutschland im Handel erstmals mehr Transaktionen mit der Karte als mit Bargeld abgewickelt werden, ist Bereichsleiter Dieter Brenner zuversichtlich, was die Zukunft der Scheine und Münzen angeht: Die Deutschen hätten ein besonderes Verhältnis zu ihrem Geld und würden es in absehbarer Zeit nicht aufgeben.  Schönes Beispiel dafür ist in seinen Augen der Weltspartag, in dem pro Filiale im Schnitt 150 Sparkässchen abgegeben werden. Wieder jede Menge Kleingeld das dem Crailsheimer Tresorraum seine Berechtigung gibt.

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